27.07.2011 11:07 Uhr, aktualisiert 27.07.2011 14:41 Uhr




Zwischenfall in Cattenom
Armaturen an Kühlsystem falsch montiert
déi gréng fordern unabhängige Sicherheitsexpertise

Foto: Guy Jallay
Im Kernkraftwerk in Cattenom wurde wieder ein Zwischenfall ohne Auswirkungen bestätigt.

(mk) - Die Luxemburger Regierung teilt in einem Kommunikee vom Mittwoch mit, dass sich bereits Mitte Juli eine Panne im Atommeiler von Cattenom ereignete. Am 19. Juli stellte der Betreiber am Reaktor Nummer zwei erst mit Verspätung fest, dass eine Zufuhrleitung eines Kühlsystems (RRA) nicht verfügbar war.

Wegen einer Teilüberholung und dem Nachladen von Brennmaterial war der Reaktor zu diesem Zeitpunkt abgeschaltet.

Während des Zeitraums, in dem ein Reaktor herabgefahren ist, soll ein spezieller Zweiwege-Kreislauf die Zufuhr und einen minimalen Pegel des Wassers im Primärkreislauf gewähren, um die Resthitze der Brennstäbe im Reaktorkern zu evakuieren.

Nachlassen der Wasserzufuhr

Bereits am 16. Juli wurde während des Hochfahrens ein Abfall der Wasserzufuhr festgestellt. Nach einer Kontrolle der Pumpe entschied der Betreiber, den Prozess fortzusetzen. Am 18. Juli ließ man laut der vorgesehenen Prozedur die Dampfgeneratoren anlaufen, die nun anstelle des RRA-Systems die Kühlung des Primärkreislaufs wieder übernehmen sollten.

Am Tag darauf befand der Betreiber, dass man infolge des Durchflussabfalls die RRA-Leitung entsprechend den Bestimmungen als nicht verfügbar einstufen hätte müssen. Untersuchungen ergaben, dass ein Teil der Armaturen während des Stillstands falsch montiert worden war. Dieser Fehler wurde behoben.

Panne ohne Auswirkungen

Der Betreiber gab an, dass der Ausfall einer der Leitungen des RRA-Systems das Kühlungsvermögen im Primärkreislauf nicht in Frage stellt, sondern die Dauer der Abkühlung nur verlängert. Die „Autorité de sûreté nucléaire“ (ASN) führte im Anschluss an diesen Zwischenfall am 25. Juli eine zusätzliche Inspektion durch.

Der Betreiber informierte, dass die Panne keine Auswirkungen auf die Sicherheit der Installationen, die Umwelt oder die Arbeiter hatte. Wegen der verspäteten Fehlererkennung wurde der Vorfall auf der Stufe eins der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse klassiert.

déi gréng: "Ein unzumutbares Risiko"

In einem Presseschreiben zu dem Vorfall meldeten sich am Mittwoch auch déi gréng zu Wort. „Diese erneute Panne belegt einmal mehr, dass der Atommeiler Cattenom ein unzumutbares Risiko für die Bevölkerung Luxemburgs und der Großregion darstellt“, ereiferte sich deren Parteipräsident Christian Goebel. Henri Kox, energiepolitischer Sprecher, forderte indes die Regierung auf, parallel zur geplanten Stresstestprozedur, einen unabhängigen Experten mit einer Studie über die Sicherheit des Atommeilers Cattenom zu beauftragen.