(NaRo) - Als Großherzogin Charlotte 1940 mit ihrer Familie und einem Teil der Regierung das Land auf der Flucht vor den Nazis verlassen musste, gewährte u. a. Portugal der großherzoglichen Familie Exil. Am zweiten Tag der Staatsvisite besuchten Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa gestern die „Casa de Santa Maria“ im Küstenstädtchen Cascais. In diesem Haus, das heute ein Museum beherbergt, verbrachten Großherzogin Charlotte und Prinz Felix mit ihren Kindern den Sommer 1940. Als Zeichen seines Dankes für alles, was die Stadt für seine Familie in dieser schweren Zeit getan hatte, überreichte Großherzog Henri eine Büste mit dem Abbild seiner Großmutter an den Bürgermeister von Cascais.
In einer sehr emotionalen Rede erinnerte der Großherzog an die überstürzte Flucht seiner Familie aus dem besetzten Luxemburg im Jahr 1940. Er sprach auch von den Gewissensbissen, die Großherzogin Charlotte nach ihrem Weggang aus Luxemburg u. a. auch in Cascais quälten und ihrer Unsicherheit darüber, ob es richtig gewesen sei, das Land zu verlassen.
„Gleich mehrere Parlamentarier sind hierher gekommen und haben sie angefleht zurückzukommen. In dieser schweren Zeit erwies sich mein Großvater, Prinz Félix, als ein weiser Ratgeber. Er überzeugte seine Frau davon, dass die Nazis sie einsperren, bzw. zum Spielball fremder Interessen machen würden. Darauf hin entschied sich meine Großmutter, nach London zu gehen und von dort für die Befreiung ihres Landes zu kämpfen. Es war die schwerste Zeit ihres Lebens", erinnerte sich der Enkelsohn.
Das Staatsoberhaupt dankte der Stadt Cascais und der Familie Espirito Santo, der die „Casa de Santa Maria" damals gehörte, auch im Namen seines Vaters, Großherzog Jean, für ihre Gastfreundschaft. „Mein Vater, der bald 90 Jahre alt wird, hat mir noch vergangene Woche von den Erinnerungen erzählt, die er an die Zeit hier in Cascais hat“, so Großherzog Henri. Als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für die Unterstützung in der schweren Zeit überreichte Großherzog Henri dem Bürgermeister von Cascais, Antonio Capucho, eine bronzene Büste mit dem Antlitz von Großherzogin Charlotte.
Das von Auguste Trémont geschaffene Kunstwerk spiegle „die Sanftheit, Einfachheit, aber auch Entschlossenheit“ seiner Großmutter wider. Die Anwesenheit der Büste im Haus solle dieses für immer als ein Ort der Erinnerung ausweisen und davon zeugen, dass die „Famille de Luxembourg“ in einem der dunkelsten Momente ihrer Geschichte in Portugal Aufnahme fand. Antonio Capucho zeigte sich sehr berührt von den persönlichen Worten seines hohen Gastes. Er ernannte das großherzogliche Paar zu Ehrenbürgern seiner Stadt und überreichte ihnen einen goldenen Schlüssel.
Der gestrige Tag begann für das Herrscherpaar mit einem Besuch der von den Mauren im 12. Jahrhundert erbauten Festungsanlage „Castelo Sao Jorge" in Lissabon, von wo man einen weiten Blick über die gesamte Stadt und den Fluss Tejo hat. Anschließend traf Großherzog Henri mit Premierminister José Socrates zusammen, derweil seine Gattin die „Casa Sol“ besuchte.
In diesem Haus sind Kinder untergebracht, die mit dem HIV-Virus infiziert sind, deren Eltern an der heimtückischen Krankheit gestorben sind oder die aus Ursachen, die mit HIV zu tun haben, nicht mehr in ihren Familien leben können. Die 1992 gegründete „Casa Sol“ liegt im Lissaboner Stadtteil Ajuda und kann 22 Kinder aufnehmen. Schirmherrin ist die Ehefrau des portugiesischen Staatspräsidenten, Maria Cavaco Silva. Wie eine Mitarbeiterin gegenüber dem LW erklärte, platzt das Heim aus allen Nähten, für eine Erweiterung fehlt jedoch das nötige Geld. Vom Besuch der Großherzogin erhofft man sich mehr Visibilität und Aufmerksamkeit, auch in den portugiesischen Medien.
Die Kinder bereiteten der Großherzogin einen freudigen Empfang mit einem einstudierten Lied. Heute Donnerstag ist bereits der letzte Tag der Staatsvisite, bei dem der Besuch der Universität von Coimbra im Mittelpunkt steht. Dort hält Großherzog Henri einen Vortrag über Integration, Großherzogin Maria Teresa nimmt an einem Rundtischgespräch über Mikrofinanz teil.