Im Streit um Genmanipulation bei Nutzpflanzen geht der Graben zwischen dem sozialistischen EU-Abgeordneten Robert Goebbels und der Luxemburger LSAP immer tiefer. Goebbels bekommt nun Schützenhilfe von seiner CSV-Kollegin Astrid Lulling.
Es war nur eine Randnotiz auf der politischen Agenda. Genmanipulierte Organismen – wie etwa Futtermais, Soja oder die nicht-essbare Kartoffel Amflora – sind in Luxemburg geächtet. Die Regierungskoalition ist sich einig, die so genannte grüne Gentechnik so weit wie möglich einzudämmen. So erließ Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo kürzlich ein Verbot für den Anbau von Amflora. Zudem haben sich zahlreiche Luxemburger Kommunen zu einem Netzwerk "gentechnikfreier Gemeinden" zusammengeschlossen. Dort dürfen die Bauern zum Beispiel keinen Genmais anbauen oder verfüttern.
Kritiker der grünen Gentechnik wie etwa die Umweltorganisation Greenpeace sehen ungeklärte Risiken. So könnten sich genmanipulierte und herkömmliche Arten unkontrollierte vermischen. Auch gesundheitsschädliche Auswirkungen auf Mensch und Tier werden vermutet. Befürworter machen geltend, dass sich durch die Gentechnik Spritzmittel einsparen lassen und die Erträge ansteigen – was bei einer ansteigenden Weltbevölkerung unabdingbar ist.
Schwung bekommt die Diskussion aus einer unerwarteten Richtung. Der LSAP-Europaabgeordnete Robert Goebbels hat sich auf die Seite der Gentechnik gestellt und mit scharfen Worten die geschlossene Front gegen Biotechnologie in Luxemburg kritisiert. In einem offenen Brief prangert er die "Genetik der Dummheit" in Luxemburg an, die keine öffentliche Diskussion zulasse.
Ganz unverhohlen greift er in einem Interview den LSAP-Fraktionsvorsitzenden Lucien Lux an. Dieser habe von der Sache nichts verstanden und kenne sich trotz seiner Zeit als Umweltminister im Thema Gentechnik nicht besonders gut aus, ließ Goebbels verlauten.
Am Donnerstag wollte die LSAP nicht zu ihrem Abweichler Stellung nehmen. "Die Position, die ich eingenommen habe und die auch die Position der LSAP ist, bleibt die gleiche", gibt sich Lucien Lux am Donnerstag wortkarg. Auch zu möglichen parteiinternen Konsequenzen für Robert Goebbels will Lux im Gespräch mit wort.lu und Radio DNR nichts sagen. Auf die Frage, wie die Partei auf eventuelle weitere Angriffe des Abgeordneten reagieren würde, sagt Lux nur: "Na ja, wir kennen das ja schon seit längerer Zeit."
Schützenhilfe bekommt Goebbels von Astrid Lulling, der CSV-Europaabgeordneten mit sozialistischer Biografie. Sie lobt Goebbels dafür, eine offenen Meinungsaustausch angestoßen zu haben. "Sein Verdienst ist, dass er an einer sachlichen Diskussion interessiert ist", sagte Astrid Lulling im Interview. Sie stellt offen einen Parteiausschluss in den Raum. "Ob er aus der LSAP hinausfliegt oder nicht, er soll sich keine Sorgen machen", meint sie. Astrid Lulling wurde selbst 1971 aus der LSAP ausgeschlossen und ist auf Umwegen zur CSV gekommen. "Es gibt ein Leben nach dem Parteiausschluss, und das kann lustiger sein als zuvor."