02.09.2010 07:51 Uhr, aktualisiert 02.09.2010 07:56 Uhr




Staatshaushalt 2011
Beginn der "Beichtstuhlgespräche"
CSV/LSAP-Koalition will an der angekündigten Sparpolitik festhalten

Foto: Daniel Clarens
Luc Frieden hat die Vorarbeit geleistet: Nun stehen die politischen Entscheidungen an.

(LZB) - Finanzminister Luc Frieden (CSV) trifft sich ab dem heutigen Donnerstag mit seinen Regierungskollegen zu bilateralen Gesprächen zwecks Vorbereitung des Staatshaushalts für 2011. Frieden erwartet sich „schwierige Verhandlungen“. Er dürfte den Ministern öfter „Nein“ sagen müssen, als ihm selbst lieb ist. Die CSV/LSAP-Koalition will an der angekündigten Sparpolitik festhalten.

Die Vorbereitungen zum Staatshaushalt 2011 gehen in die Endphase. Finanzminister Luc Frieden beginnt heute die sogenannten „Beichtstuhlgespräche“ mit seinen Regierungskollegen. Hier sollen die Minister „unter sich“ Fragen klären, die ihre Beamten nicht alleine entscheiden wollten. Bis zum 18. September werden die Minister im Finanzministerium defilieren. Danach sind vier Kabinettssitzungen geplant, um das Budget für das kommende Jahr festzuschnüren. Am 5. Oktober soll der Entwurf für 2011 im Parlament eingereicht werden.

Vorgaben abgesteckt

Die Vorgaben für das Haushaltsjahr sind abgesteckt und wurden am 5. Mai bei der Erklärung zur Lage der Nation von Premier Jean-Claude Juncker wiederholt. Die Koalition will den sanften Wechsel von der konjunkturfördernden Ausgabenpolitik hin zu einer Sparpolitik schaffen. Bis zum Ende der Legislaturperiode 2014 sollen die Finanzen der gesamten öffentlichen Hand wieder ausgeglichen sein.

Für das laufende Jahr geht die Koalition von einem Staatsdefizit zwischen zwei und 2,8 Prozent des Bruttoinlandprodukts aus. Der Weg zum Gleichgewicht soll kein leichter sein: „Zur Budgetkonsolidierung wollen wir einen doppelten Weg einschlagen: So viel sparen wie möglich ohne eine konjunkturelle Erholung zu verhindern, Steueranpassungen so viel wie nötig, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu behindern und ohne die Grundprinzipien der sozialen Gerechtigkeit zu verletzen“, so der Premier im Mai vor der Abgeordnetenkammer.

Luc Frieden obliegt nun die Aufgabe, all diese Anforderungen und Ansprüche unter einen Hut zu bekommen. Der Sparwille ist in der Koalition unterschiedlich stark ausgeprägt. Steigende Steuereinnahmen im laufenden Jahr ließen nicht zuletzt die Sozialisten an der Notwendigkeit eines spürbaren Konsolidierungskurses zweifeln. „Die Lage der öffentlichen Finanzen ist nicht mehr katastrophal. Sie ist nun nur noch schlecht“, meinte etwa LSAP-Budgetberichterstatter Alex Bodry, als im Juli bekannt wurde, dass in den ersten sechs Monaten rund 400 Millionen Euro mehr an Steuern eingetrieben wurden als im Vorjahr.

Diese Entwicklung sei zwar durchaus erfreulich, aber an der Ausrichtung der Haushaltspolitik ändere sich dadurch nichts, betont Luc Frieden damals und heute. Unter dem Strich reichten die höheren Einnahmen nämlich weiterhin nicht aus, um die Ausgaben des Staates zu decken. „Selbst in den optimistischsten Szenarien liegt das Defizit des Zentralstaats immer noch bei über einer Milliarde Euro“, gab Luc Frieden Mitte Juli in einem Gespräch mit dem LW zu bedenken. „Der Staat kann auf Dauer nicht mehr ausgeben, als er einnimmt.“

Keine Illusionen

Bei den Infrastrukturen werden Prioritäten festgelegt und das Investitionsvolumen wird begrenzt. Sparen will die Regierung auch beim Staat. Die laufenden Kosten sollen gesenkt werden. „Man soll sich keinen Illusionen hingeben“, warnte Jean-Claude Juncker im Mai. Alleine durch eine Herabsetzung der laufenden Kosten seien die Probleme des Staates nicht zu lösen. Die Budgetmittel für Gutachten sollen gegenüber diesem Jahr um 20 Prozent gekürzt werden.

Zehn Millionen Euro sollen auf diese Weise 2011 und 2012 eingespart werden. Angesichts des Defizits ein bescheidener Beitrag. Auch bei Büro- und Reisekosten halten die Minister ihre Verwaltungen dazu an, insgesamt rund 20 Millionen Euro in den nächsten zwei Jahren weniger auszugeben. Durch eine Begrenzung der Neuzugänge im öffentlichen Dienst sollen weitere 16 Millionen eingespart werden.

Über weitere Sparmaßnahmen betreffend den öffentlichen Dienst befindet sich die Koalition noch in Verhandlungen mit der Staatsbeamtengewerkschaft. Das Krisensteuerpaket hat die Koalition Ende Juli im Parlament hinterlegt. Es sieht u.a. die Halbierung der Kilometerpauschale, die Erhöhung der Solidaritätssteuer und die Einführung der Krisenabgabe von 0,8 Prozent vor. Das gesamte Paket soll dem Staat 350 Millionen Euro an Mehreinnahmen bescheren. Welche wirtschaftlichen Daten der Aufstellung des Budgets am Ende zugrunde liegen werden, will Finanzminister Luc Frieden Ende September mit dem Statec und Wirtschaftsminister Jeannot Krecké abklären.

Im August prognostizierte das Statistikamt in den Jahren 2010 und 2011 ein Wirtschaftswachstum von jeweils drei Prozent. Finanzminister Luc Frieden gibt zu bedenken, dass das Wachstum unter dem Durchschnitt der letzten Dekade liegen wird.

Ihre Meinung zum Thema

( 6 )
  • Romain Dehm meint:
    04.09.2010, 19:26 Uhr
    @Nick Scheitler

    Na endlich,ich danke Ihnen für ihre Stellungsnahme.Nur schade das mein Leserbrief nicht in der geschriebenen Presse veröffentlicht wird.Vieleicht besinnt sich die LW-Redaktion und veröffentlicht meinen Komentar in einer ihrer nächsten Ausgabe.Erlaubt sei auch,etwaige Fehler zu korriegieren.Ich bitte sogar darum.

    Ps.Gemeint sind ortographische Fehler,wie auch holperige Schreibweise.
  • Nic Scheitler meint:
    03.09.2010, 15:39 Uhr
    Warum haben die damaligen Minister diesen Blödsinn unterschrieben? Weil wir fürs Ausland und nicht nur, die Schönsten,die Besten, die Reichsten und die Doofsten sind. Könnte das die Frage beantworten
    @ R.D.? Es wäre sicherlich interessant aus berufenem Munde Gegenargumente zu hören.Jedenfalls kann ich ihre Feststellungen nachvollziehen und finde sie bemerkenswert berechtigt.
  • Romain Dehm meint:
    02.09.2010, 23:27 Uhr
    Dass die Minister das Wort "Sparen" noch glaubhaft an die Bürger verkaufen wollen, ist schon eine dreiste Zumutung.Es grenzt schon an eine bodenlose Ignoranz der tatsächligen Lage, um der arbeitenden Bevölkerung das ominöse Sparpaket schmackhaft zu machen.Entweder ist der Minister der Meinung, der Bürger sei schlechtweg so dumm, dass er die politischen Schachzüge der Parteien,die so offensichtlich sind, nicht zu erkennen vermag.Dem Bürger wird ungeniert sein hart erarbeitetes Geld aus seiner Brieftasche entwendet, und das aus Gründen die ein halbwegs intelligenter Mensch so nicht mehr hinnehmen kann.Ja, ich bin richtig wütend über die Unverfrohenheit der Regierungsparteien, die Steuergelder förmlich und unverantwortlich verbrennen und das ohne mit der Wimper zu zucken.Wir kaufen CO2-Zertifikate aus Slovenien für 300 Millionen Euro,das sind sage und schreibe 12 Milliarden guter alter luxemburger Franken.Für die Katz.Denn an den CO2-Emissionen die Luxemburg an die Atmosphäre abgibt, ändert sich rein gar nichts.Warum nur haben die damaligen Minister ihre Unterschrift auf ein solch von Blödheit strotzendes Papier gesetzt,und das noch freiwillig.Warum?? Es wäre doch eher angebracht,diese ungeheuerliche Summe an die hiesige Wirtschaft weiter zu geben. Im Interesse der Umwelt hätte man in Photovoltaik,Windkraftanlagen,Niedrigenergiehäuser,Isolations-
    technologie, Forschung usw investieren können, und das in unserem eigenem Lande.Nein, man schmeisst 300 Millionen den Slovenen vor die Füsse, die sich klammheimlich ins eigene Fäustchen lachen, da sie uns etwas verkauft haben,das es so gar nicht gibt.Dümmer geht es nicht mehr.Damit haben wir unserer Wirtschaft und Forschung erheblichen Schaden zugefügt und Arbeitsplätze vernichtet.Diese Summe entspricht ungefähr dem Sparziel der Regierung für 2011.Ein Paradoxum der seinesgleichen sucht.Letztendlich bezahlen die Steuerzahler 300 Millionen Euro an Slovenien für CO2-freie Luft,die es rein wissenschaftlich gar nicht gibt,es sei denn wir wären in der Lage die luxemburgische CO2-Atmosphäre nach Slovenien zu schieben.Lächerlich.Dann wären noch die 50 Millionen Euro zu erwähnen, die der luxemburger Staat ausgibt,um das Gebäude der ehemaligen Dresdener Bank zu kaufen,gegenüber dem grossherzoglichem Palast und der "Chamber".2 Milliarden luxemburger Franken für ein Gebäude,ein Luxus den man sich offensichtlich auch in Krisenzeiten gönnen kann.Ein Schelm,der Schlechtes dabei denkt.Die Liste der verbrannten Millionen ist weitaus grösser,doch würde es hier den Rahmen sprengen um diese zu erwähnen.Ich bin zutiefst entäuscht über die politische Kultur "der schweigenden Lämmer"in Luxemburg.Wo bleibt die Reaktion des Intellekts in unserem Lande?Die Oppositionsparteien hüllen sich in Schweigen.Der latenten Verblödung unserer Bürger steht keine Loby gegenüber,die Einhalt gebieten könnte.Stand ich am Anfang des Jahres noch positiv dem Sparzwang der Regierung gegenüber, so hat sich das in den letzten Monaten schlagartig geändert.Man muss nur genau hinschauen,und man wird erkennen, das wir gezwungenenrmasse sparen müssen,aber nicht wegen der Krise,nein, wegen der Dreistigkeit der Regierung, die sich in eine Geldvernichtungsanlage verwandelt hat.Nichts ist mehr so wie es war,mein Vertrauen ist weg, und die Politik hat erheblich an Glaubwürdigkeit verloren.Ich kann nur hoffen, dass die Gewerkschaften die Rolle des Felses in der Brandung übernehmen,um die Steuerzahler vor dieser Politik zu schützen.Es kann nur eine Devise gelten und diese lautet:"Finger weg von meiner Brieftasche".Hier nähert sich das subjektive Gefühl der Bürger sehr nahe an der Objektivität.Sparen ja,aber nicht unter diesen Umständen.
  • W. S. meint:
    02.09.2010, 19:56 Uhr
    recherche an uni manner finanzeiren... ouni recherche an uni geifen mer nach emmer an den höhlen wunnen... ouni recherche an uni häss du guer keng meiglechkeet der welt deng komesch weltusiichten matzedeelen...
  • Burkart Loew meint:
    02.09.2010, 17:26 Uhr
    Eine der Einsparmassnahmen betrifft das Kindergeld. Hierzu wurden bereits mehrere Klagen wegen Diskriminierung bei der EU-Kommission eingereicht . Da das Kindergeld bzw. die als Ersatz eingeführte Ausbildungförderung zu einem erheblichen Teil über (Lohn-) Steuern finanziert wird, muss diese auch an Kinder von beitragzahlenden Pendlern ausgezahlt werden.

    "Die Klageprozedur der EU-Kommission könnte sich über ein Jahr hinziehen. Es wird aber sicher mit einer Verurteilung des Landes gerechnet, da eine solche Diskriminierung nicht mit dem europäischen Recht vereinbar ist".

    Es wird sich zeigen ob das Zahlenspiel aufgeht, oder ob es doch nur « eine Rechnung ohne den Wirt » war.
  • benny boudia meint:
    02.09.2010, 13:12 Uhr
    gutt Saach dat doten, an nach eemol, wa gespuert sollt ginn, da wegl nick nëmmen am soziale Beräich, och z.B. an der Recherche kinnt een de roude Stëft usetzen. A wat is Uni ugeet, do hann ech jo schonns puermol hei gesot: et gëtt genuch Unie ronderëm Lëtzebuerg, do brauche mir keen Elite-Uni hei zu Lëtzebuerg, dat kost alles vill zevill.