(bip) - Der nasseste August seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Luxemburg – das ist die Bilanz eines Monats, der das Attribut „Sommer“ nicht verdient hat. Mit dem heutigen Tag ist er immerhin Vergangenheit. 178,4 Liter sind gefallen – der normale Durchschnitt liegt bei 64,3 Litern. Gelitten hat unter den massiven Regenfällen vor allem die Landwirtschaft.
„Definitiv gab es noch keinen August, den ich nasser in Erinnerung hätte“, sagt Marc Weyland mit Nachdruck. In der „Administration des Services techniques de l'Agriculture“ ist er Leiter der Pflanzenbauabteilung. In seiner privaten Messstation hat er im August knapp 200 Liter Regenwasser aufgezeichnet.
„Denkbar ungünstig“ seien die Wetterbedingungen damit in diesem Jahr für die Landwirtschaft. Und dabei auch noch ziemlich absurd. Noch im Juli hatten die Landwirte über die große Trockenheit geklagt, die nach einem strengen Winter vor allem dem Getreide stark zusetzte. Schon damals hatte Weyland ein „suboptimales Jahr für die Landwirtschaft“ befürchtet und prophezeit, dass es für einige Pflanzungen noch schlimmer kommen könne, nämlich, wenn später im Sommer zuviel Regen fallen würde.
Und genau dieser Fall ist jetzt eingetreten. Bis auf den gestrigen Tag hatte man in der einzigen offiziellen staatlichen Messstation Luxemburgs auf Findel ganze 178,4 Liter Regen für den gesamten Monat August gemessen. „Normalerweise liegt der Durchschnittswert für August bei 64,3 Litern“, erklärt Jacques Zimmer, Leiter des Büros für Klimatologie. So viel Regen sei im August seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1947 bzw. seit Beginn der Regenaufzeichnungen nicht gefallen.
„Damit ist auch der Regen-Rekord des Monats August aus dem Jahr 2006 geschlagen, der bei 174,8 Litern lag“, so Zimmer. Vor allem an zwei Tagen fiel besonders viel Regen: am 12. und am 27. August. Waren es am 12. 34,5 Liter, prasselten am 27. August 35,5 Liter herab – also allein an zwei Tagen schon mehr als das durchschnittliche Monatsmittel von 64,3 Litern. Bei Temperaturen und Sonnenstunden gibt der August auch keine sehr gute Figur ab.
„Die Daten haben wir jetzt noch nicht alle zusammen, also kann ich nur ungenaue Zahlen nennen, aber die Temperaturen liegen in jedem Fall unter dem Durchschnitt von 17,3 Grad, ich schätze, so bei 16,5 Grad“, sagt Jacques Zimmer. Bei den Sonnenstunden könne man ebenfalls sagen, dass es deren für einen August zu wenige gab: Mit vorgestern waren es 189,2 statt sonst 226,8. Ein kleiner Trost: Es gab keine Hagelschläge im August, ein Phänomen, das sonst im Sommer gerne mal auftaucht. Und doch hat der Regen in der Landwirtschaft genügend Schaden angerichtet.
Wie Marc Weyland von der Ackerbauverwaltung befürchtet hatte: Während die Pflanzen in ihrer Wachstumsphase im Frühjahr dieses Jahr „nach Wasser lechzen“ mussten, wurden sie im August, als es eigentlich schon zu spät dafür war, mit Niederschlägen überschwemmt. „Genau in dem Moment, in dem normalerweise der Großteil der Kulturen geerntet werden muss, fiel der Regen“, erklärt Weyland. Dadurch seien die Erntebedingungen für die Landwirte extrem erschwert worden, zum Beispiel beim Getreide: „Das soll normalerweise bei der Ernte nicht mehr als 15 Prozent Feuchtigkeit enthalten, lag jetzt aber teilweise bei 18 Prozent. Also musste die Feuchtigkeit aufwändig wieder entzogen werden. Das kostet Zeit und Geld“, so Weyland.
Dazu kommt: Getreide, das nicht geerntet werden konnte, setzte Auswüchse an, die einen Qualitätsverlust bedeuten. So musste etwa viel an Backweizen zum Futterweizen deklassiert werden. Auch wenn beispielsweise Wiesen und Weiden und damit das Tierfutter vom nassen August profitiert haben: „Der Regen war insgesamt dieses Jahr einfach falsch verteilt – ungünstiger kann er nicht terminiert sein“, fasst Marc Weyland die Misere zusammen. Trockenschäden am ersten und zweiten Schnitt von Gras, an Mais und Sommergetreide, Feuchtigkeitsschäden an Triticale und Winterweizen. Trotzdem könne man noch nicht von großen Umsatzeinbußen sprechen – dazu müssten noch die offiziellen Ergebnisse am Ende der Erntesaison abgewartet werden.
Weinliebhaber und Winzer müssen sich übrigens keine Sorgen machen: „Dem diesjährigen Jahrgang hat der Augustregen nicht geschadet, und auch die Trockenheit im Frühjahr machten den tief wurzelnden alten Reben nichts aus. Lediglich junge Anlagen haben gelitten“, sagt Roby Ley, Direktor des „Institut Viti-Vinicole“ in Remich. Jetzt, vor der Ernte Ende September, müsse es aber eher trocken bleiben. Die Chancen stehen zumindest laut Wetterbericht für die nächsten Tage nicht schlecht.