15.08.2010 13:08 Uhr, aktualisiert 15.08.2010 13:17 Uhr




Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände
Kritik an Junckers Aussagen über deutsche Lohnpolitik
Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände spricht von "Täuschung der Öffentlichkeit".

Foto: dpa
Jean-Claude Juncker erntet auf seine Aussagen über die deutsche Lohnpolitik Kritik.

(hay) - Vor kurzem hatte Premierminister Jean-Claude Juncker die Lohnpolitik Deutschlands kritisiert. Die Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände e.V. (VSU) weist diesen Vorwurf nun vehement zurück.

Juncker hatte beim Pressebriefing vor der Sommerpause gesagt, Deutschland würde mit niedrigen Löhnen Profit auf Kosten anderer Länder machen und betont, dass in Luxemburg die Löhne viel stärker angestiegen seien als in dem Nachbarland.

Der Hauptgeschäftsführer der VSU, Joachim Malter, erklärte nun in einem Presseschreiben, dass diese Aussage eine „Täuschung der Öffentlichkeit“ darstelle. Die deutsche Wirtschaft würde mit technologisch erstklassigen Produkten und tollem Service weltweit Kunden gewinnen und halten. Das Geschäftsmodell Luxemburgs hingegen bestehe darin, sich als Finanzplatz zu positionieren. Beides sei legitim, hieß es weiter. Doch der eigentliche Erfolg der Finanzmetropole Luxemburg liege darin, dass man mit Niedrigsteuern auf Zinserträge und einem extrem hohen Datenschutz für Anleger einen Profit erziele, mit dem man den Staatshaushalt und die Sozialversicherungs-Systeme in Luxemburg mitfinanziere.

Deshalb seien vor allem die Netto-Löhne in Luxemburg so viel günstiger als in Deutschland. Selbst deutliche Steigerungen der Tariflöhne und damit der Brutto-Einkommen in Deutschland seien nicht gegen die überdurchschnittlichen Steuern und Sozialabgaben angekommen. Wichtig für Deutschland wäre "Mehr Netto fürs Brutto" und dies könne nicht von der Wirtschaft sondern, müsse durch die Politik gelöst werden.

"Höhere Mindestlöhne führen zu Arbeitsplatzverlusten"

Nicht gelten lässt die VSU überdies die Kritik Junckers an den Hartz-Reformen. Der Luxemburger Premierminister hatte gesagt, dass diese „ganze Teile der Bevölkerung in den Niedriglohnsektor hinabgedrückt“ hätten. "Millionen Menschen in Deutschland verdienen weniger als 700 Euro im Monat."

Nach Ansicht der Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände könne die Zahl der Hartz-IV-Aufstocker jedoch nicht als Beweis für unsoziale Arbeitsbedingungen in Deutschland geltend gemacht werden. „Für die „absolute Mehrheit“ der Aufstocker gelte, dass nicht zu niedrige Löhne pro Stunde, sondern die geringe Arbeitszeit der Grund für die staatliche Unterstützung sind.“

Höhere Mindestlöhne wiederum würden laut der VSU nur dazu führen, dass viele Aufstocker ihre Stelle verlieren und zu reinen Fürsorgeempfängern werden, die allein von sozialen Transferleistungen leben. Und genau dies würde den deutschen Staat mehr kosten, als das Entgelt aus Teilzeitverhältnissen aufzustocken.

Ihre Meinung zum Thema

( 14 )
  • .. Noni meint:
    26.08.2010, 11:53 Uhr
    @ Romain Dehm
    Ohne Sie beleidigen zu wollen, ich finde Ihren Beitrag ein wenig übertrieben, müssen wir denn hier gleich "umsonnst" arbeiten gehen.
  • Burkart Loew meint:
    20.08.2010, 16:08 Uhr
    Fakt ist, dass nicht der Stärkste sondern der Anpassungsfähigste am besten eine Krise übersteht. Hier hätte der luxemburgische Staat, gerade weil er so klein und damit auch flinker ist als die großen Demokratien, gute Vorraussetzungen zum reagieren.
    Dem entgegen steht ein immer träger machender Wohlstand. Luxemburgs wirtschaft ist zu klein um die europäische Lokomotive spielen zu können. Gerade darum muss sie aber immer „Fit“ sein um zur richtigen Zeit noch aufspringen zu können. In sofern kann ich Herrn Dehm nur zustimmen.
  • Henri Patra meint:
    20.08.2010, 08:16 Uhr
    Romain Dehm
    "Wir leben wie die Made im Speck und der Durchschnittsamerikaner braucht drei Jobs um zu überleben.Und trotzdem hört man kein Jammern jenseits des Atlantiks."
    Witz komm raus du bist umzingelt,aut welchem Planeten leben sie auf jedem Fall nicht auf diesem in China, Japan und anderen aufschwungs Länder ist die Lohndumpings-Politik auch am aussterben da rebelliert das Volk auch und lässt sich auch nict mehr alles gefallen wenn ein Betrieb auf Kosten der Arbeiter seinen Manager Höchstlöhne bezahlt und sich damit brüstet wie gut sein Umsatz ist so wie der Staat dass in Deutschland tut und wenn wir alls Luxemburger Staat diesen Weg auch einschlagen sollen dann armes Luxemburg.
    Jenseits des Atlantiks sind die Menschen zufrieden "Hahahahaha" mit welchen Leuten haben sie denn da gesprochen das würde mich interessieren.
  • Andreas Trupp meint:
    17.08.2010, 10:53 Uhr
    Zum Beitrag von Romain Dehm: Bislang hat das schon seit vielen Jahren bestehende Lohngefälle zwischen Luxemburg und dem Ausland nicht verhindert, dass es in Luxemburg mehr als 100000 Arbeitsplätze gibt, die von Frontaliers besetzt werden. Umgekehrt haben die Billiglöhne in Deutschland keineswegs zu mehr Arbeitsplätzen geführt, die nur durch Pendler aus Luxemburg hätten besetzt werden können. Von einem Anpassungsdruck nach unten, dem man in Luxemburg zur Vermeidung eines gewaltigen Wirtschaftsabschwungs zähneknirschend nachgeben müsse, kann deshalb nicht die Rede sein.
  • Romain Dehm meint:
    16.08.2010, 22:54 Uhr
    Die rundum erneuerte Wirtschaftskultur in Deutschland ist das Ergebnis und die Uebernahme des verhöhntem amerkanischem Pragmatismus.Die Deutschen machens vor, und wir haben es noch nicht geschnallt.Wer zu spät kommt,den bestraft die Zeit.Wir leben wie die Made im Speck und der Durchschnittsamerikaner braucht drei Jobs um zu überleben.Und trotzdem hört man kein Jammern jenseits des Atlantiks.Doch früher oder später wird der Sinnungswandel in Deutschland zur Dogma für ganz Europa,denn schliesslich stehen wir alle in Konkurenz zueinander.Luxemburg der kleine Blutegel von Europa wird sich dann wohl oder übel selbst ernsthaft hinterfragen müssen.Erstrebenswert ist dieses nicht,doch in meinen Augen unabwendbar,denn wird das Gleichgewicht nicht wieder herrgestellt,werden auf kurz oder lang die Grenzgänger und die Luxemburger den deutschen Arbeitsmarkt beflügeln um dessen Dynamik zu befriedigen.Die deutsche Lokomotive ist auf dem Weg,und alles was nicht mitzieht,wird überrolt.Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht um sich einzuklinken,will man den Anschluss nicht verpassen.Der Koloss aus Deutschland ist erwacht,die Wiedervereinigung trägt die ersten Früchte ein und schert sich einen Dreck um das luxemburger Sozialmodell und dessen Indexproblemchen.Noch haben wir den nötigen finanzielen Spielraum,setzen wir ihn also ein,damit Luxemburg fit wird,um der rasanten Fahrt des Riesen folgen zu können,auch wenn es schmerzt,doch lieber ein Ende ohne Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.Mir ist schon bewusst,dass bei diesen Aussichten die Gewerkschaftler Leber und Galel spucken werden,doch sollte ihnen bewusst sein dass der Turbokapitalismus kein Mitleid hat.Wenn wir auch nur auf einem Instrument im grossen Orchester der Mächtigen mitspielen wollen,dann ist es jetzt an der Zeit, auch in Luxemburg den Sinnungswandel einzuleiten.Mutige Politiker sind gefragt.Die Realität ist nicht schön aber aufrichtig.
  • Burkart Loew meint:
    16.08.2010, 13:02 Uhr
    @ F.S.

    nicht aufregen, aber einer muss es eben besser wissen;-)
  • Nic Scheitler meint:
    16.08.2010, 12:21 Uhr
    Auch die deutschen Arbeitgeber(verbände)müssten doch endlich begreifen,dass es moralisch nicht vertretbar und asozial ist,wenn ein Arbeitnehmer von dem Lohn eines 8Stundentages nicht menschenwürdig leben kann.Es gibt Mittel dagegen.Diese würden sicherlich "vieleicht" die Gewinne schmälern und die nicht versteuerten Konten im Ausland veringern.
  • François Schweitzer meint:
    16.08.2010, 09:46 Uhr
    Wieder mal die typisch deutsch nach dem Motto „ bei uns zu haus...“ ist alles besser und schöner, wir sind die Grössten, wir sind Gescheitesten usw. Wenn ein Staat Milliarden aufbringen muss um die Löhne von arbeitenden Menschen aufzustocken, weil deren Einkommen zu niedrig ist (sic!), dann stimm etwas nicht mit dem System, wie schon der frühere Arbeitsminister Blüm schon sagte. Nicht die Allgemeinheit hat die Löhne von arbeitenden Menschen zu bezahlen, sondern die Arbeitgeber! Aber die müssen ja geschont werden, damit sie sich die Taschen vollstecken können.
    Wenn ein Zimmermädchen in einem Hotel in Deutschland nicht einmal 3 Euro/Stunde verdient, dann lässt das tief blicken.
    Und noch etwas: Luxemburg ist nicht nur reich geworden durch die Banken, sondern auch durch seine Stahlindustrie wo über Jahrzente eifrige Menschen gearbeitet und zum Wohlstand beigetagen haben.
    Aber wie gesagt, mal wieder typisch deutsch: Immer die Besserwisser von Europa.....
  • Tim Schropp meint:
    16.08.2010, 09:19 Uhr
    Der Mann hat recht!
  • Michel Cames meint:
    16.08.2010, 00:13 Uhr
    Hei stoussen ekonomesch Paradigmen openeen. @ Julie: Déi 50 Milliarden kann een natirlech och ausgin fir de Chomage ze finanzéieren. Eis Welt ass just net méi déi vun 1980: Europa ass net méi de Nuebel vun der Welt an déi Daitsch hun dat an Europa mat als Eischt verstaan. Eisem Premier géing gud doen mat Kritik ze spueren zumools well mir eis Souveränitéitsnichen bis elo konnten sou gewennbrengend asetzen, e Modell dee sech net 1 zu 1 op aaner Länner iwerdroen léisst. Dat dese Profit, "mit dem man den Staatshaushalt und die Sozialversicherungs-Systeme in Luxemburg mitfinanziert"(Malter) mecht alles e besse méi einfach ...
  • Nic Scheitler meint:
    15.08.2010, 21:17 Uhr
    Es würde ja auch an ein Wunder grenzen, würden Unternehmensverbände(nicht nur Saarländische) Herr Junker nicht kritisieren. Der Mann weiss von was er spricht und sein Argumente sind nicht aus der Luft gegriffen. Deutsche Gewerkschaften sind von der Lohnpolitik der Unternehmensverbände keinesfalls begeistert.Warum drängen wohl deutsche Arbeitnehmer und deutsche Firmen auf den luxemburgischen Arbeitsmarkt? Dreimal darf man raten!Wohl kaum weil Arbeitnehmer in der BRD ein Schlaraffenland vorfinden. In verschiedenen Sendungen im deutschen Fernsehen wird das Wirtschaftsgebaren der Unternehmen aber nicht als das Allerfeinste dargestellt.Die teilweise Verarmung der Arbeitnehmerschaft und der Verlust an Kaufkraft,entsteht doch nicht weil hohe Löhne bezahlt werden.
    @b.b. E bëschen méi Infoen an Wirtschaftsmagaziner kucken,ass gudd fir d'Allgemengbildung.
  • Julie Debicke meint:
    15.08.2010, 19:43 Uhr
    Dann mussen déi saarlännesch Patrons-Organisatiounen och emol bei der deitscher Presse reklaméieren. Do geet net riëds vun "geringer Arbeitszeit", mee vun Dumping-Léin. Wann de Staat net esou vill misst bei déi Dumping-Léin beileeën, dann kéim och "Mehr Netto fürs Brutto" eraus.

    Sëcher, si wëllen domat soën, dass de JCJ sëch soll ëm séng eegen Sachen bekëmmeren, mee et ass awer nun emol Fakt, dass den deitschen Staat bewosst d'Léin déif hällt, fir méi z'exportéieren, wat him jo och geléngt.

    50 Milliarden Euro huet dat Gedeessems de Steierzueler d'läscht Joër anscheinend kascht. Wat huet den Deitschen dovun, wann vill exportéiert gëtt an hiën sech a sëngem Land baal näischt méi kann kafen, mat där mickreger Paie déi hiën huet.

    Hei ass ë Link op en Artikel vum 12.8.2010 aus dem Spiegel:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/a-711417.html

    @Wort-online, wann dir de Link net därft brëngen, dann loosst ën eweg. :-)
  • Mike Hilbert meint:
    15.08.2010, 15:27 Uhr
    Laecherlich! Deutsche Unternehmen investieren sowieso nur noch im Ausland und haben den Standort Deutschland schon lange aufgegeben,
    Jobs die noch geschaffen werden sind reine Mitleids-Geschenke und
    nicht im geringsten innovativ.
    Und hohe Loehne interessieren die Unternehmen nicht da sie in Deutschland, China und Indien nur billig produzieren moechten und in
    den "echten" Abnehmerlaendern wie z.B. USA,Canada,Brasilien
    via Export ihren Ramsch teuer verkaufen moechten.
    Solange in China und Indien keine 10 EUR pro Stunde gezahlt werden,
    wird es hohe Loehne auch in Europa - besonders in Deutschland nicht mehr geben!
  • benny boudia meint:
    15.08.2010, 14:32 Uhr
    do kann ech nëmmen zoustëmmen, vläit huet ise Premier hei e bëssi zevill ronderëm sech geschoss. Sträit an der Groussregioun ass op alle Fall eppes
    wat mir is grad lo an de Krisenzäiten nick kënne leeschten.Dofir Här Juncker, nick mat der Fauscht, mä mat der oppener Hand op is Noperen zougoen. Sou wéi de Michael Jackson gesongen huet: heal ze world, makes it a better place, for u and for me and the entire human race. "Peace and love", dat soll d'Motto vun der Mënschheet sinn, dofir lount et sech anzesetzen.