11.08.2010 08:16 Uhr, aktualisiert 11.08.2010 11:32 Uhr




Die "Pabeierscheier" in Bourglinster
Bücher, so weit das Auge reicht
Eine Fundgrube für Leseratten

Foto: Nadine Schartz
Die vielen gestapelten Bücher haben ihren ganz besonderen Reiz.

Von Racha Hamzeh

Seit 1997 birgt das Schloss von Bourglinster einen wahren Bücherschatz: die „Pabeierscheier“. Einmal die Woche können hier Lesehungrige zum Schmökern in die Welt der Bücher abtauchen und sich neuen Lesestoff zu kleinen Preisen kaufen.

Vor genau dreizehn Jahren schloss sich eine kleine Gruppe emsiger Leser zusammen, um einen Verein zu gründen, bei dem das Buch im Mittelpunkt steht. Ganz nebenbei sammeln die „Amis du Livre“ mit ihrer Liebe zum Buch für wohltätige Zwecke.

Es handelt sich um einen Bücherverkauf der etwas anderen Art. Feste Preise spielen hier keine Rolle, wichtig ist den „Bicherfrënn“, dass die Menschen das Buch wieder neu entdecken, indem es für jedermann zugänglich gemacht wird. Taschenbücher werden gewogen und der Preis je nach Gewicht festgelgt. Somit können Leser die Bücher kiloweise zu niedrigen Preisen ergattern.

Wer selbst die Lust am Lesen verloren hat, umzieht oder von Verwandten noch Bücher besitzt und keinen Platz mehr für sie findet, kann sie in der „Pabeierscheier“ abgeben. Ob gebraucht, oder neu, hier werden Bücherwaisen aufgenommen und weiterverkauft. Allerdings spielt auch hier wie in den üblichen Bücherläden die Qualität eine große Rolle. Bevor sie in die Regale kommen, werden „verkaufsunwürdige“ Bücher aussortiert. „Wir können nicht alles behalten, sonst würde die ,Pabeierscheier‘ aus allen Nähten platzen“, meint Francis Dahm, Präsident des Komitees „Les Amis du Livre“. Und trotzdem haben die vielen gestapelten Bücher doch irgendwie ihren Reiz.

Stöbern in einem mittelalterlichen Ambiente

Einen ganz besonderen Flair hat die historische Lage der „Pabeierscheier“. Auf einer erhöhten Ebene, gleich neben dem restaurierten Schloss von Bourglinster, das aus dem 13. Jahrhundert stammt, wirkt sie mit ihrer gewölbten Decke und dem steinernen Fußboden wie eine Zeitreise durchs Mittelalter.

Wer hier nach einem bestimmten Titel sucht, sollte sich jedoch vorsehen. In der „Pabeierscheier“ ist Geduld gefragt und natürlich die Lust am Stöbern. Trotz alphabetischer Ordnung der meisten Bücher sind zusätzliche auf, unter und neben den Tischen gestapelt. Ein charmantes Durcheinander bietet sich dem Leser, der neben viel Zeit auch viel Platz in seinen Bücherregalen mitbringen sollte.

„Machmal kommt es vor, dass die Leute uns mit einem gefüllten Kofferraum verlassen, und des Öfteren reicht ein Auto nicht aus“, lächelt Francis Dahm. „Besonders gern wird die ,Pabeierscheier‘ von Sammlern besucht. Wertvolle Kollektionen, die vor Jahren ein Vermögen gekostet haben, werden hier für wenig Geld an den nächsten Bücherliebhaber weitergegeben. Hier findet jeder, wonach er sucht.“

Doch nicht nur Sammler besichtigen gerne die „Pabeierscheier“, auch junge Studenten kommen voll auf ihre Kosten. Wer nicht viel Geld für teure Enzyklopädien oder Wörterbücher ausgeben möchte, wird auch hier fündig. „Viele Bücher sehen aus wie neu, so als hätte sie noch nie jemand aufgeschlagen“, erklärt Francis Dahm und streicht ungläubig über das noch in Plastik eingehüllte Kunstbuch, „es ist einfach für jeden etwas dabei.“

Selbst sehr jungen Lesern wird eine großzügige Ecke an Kinder- und Bastelbüchern geboten. Alte und neue Schulbücher, sowie Lektüreschlüssel und Sachbücher, werden besonders gerne von Schülern und Studenten gekauft und gelesen.

Freiwillige Helfer sammeln Geld für einen guten Zweck

„Wir sind alle freiwillige Helfer“, erklärt Mitarbeiterin Irène Altman. „Das Geld, das durch den Verkauf von Büchern hereinkommt, wird gespendet.“ Dieses Jahr wird die „Association des parents de personnes atteintes d'autisme“ mit dem Gewinn unterstützt.

„Seit der Gründung der ,Pabeierscheier‘ 1997, haben wir um die 125 000 Euro gespendet. Ziel ist es, Organisationen zu unterstützen, die als nicht so wichtig abgetan werden“, erklärt Francis Dahm. „Doch müssen wir auch hier feststellen, dass die Nachfrage an Büchern immer kleiner wird. Nur wenige erfreuen sich noch am Geruch alter vergilbter Bücher oder am Finden einer vergessenen Postkarte zwischen den Seiten. Denn auch gebrauchte Bücher sind durchaus noch lesenswert.“

Die „Pabeierscheier“ ist jeden Donnerstag von 17 bis 19 Uhr und jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Ihre Meinung zum Thema

( 1 )
  • Jeanny Funny meint:
    11.08.2010, 08:48 Uhr
    Schued dass an desem Artikel net erwähnt gett, dass d'Amis du livre och eng Bicherstuff zu Wolz bedreiwen.