Vor fast genau einem Monat nahm die Großbaustelle Tunnel Howald auf der Autobahn A1 ihren Anfang. Seitdem ist eine Tunnelröhre komplett gesperrt und der Verkehr wird einspurig in beiden Richtungen durch die andere Röhre geführt. Eine erste Zwischenbilanz fällt durchweg positiv aus: Das von vielen befürchtete Verkehrschaos blieb bislang aus und die Arbeiten schreiten termingerecht voran.
„Wir sind uns der Konsequenzen dieser Baustelle für den Verkehr und der Unannehmlichkeiten für die Autofahrer durchaus bewusst“, sagte Claude Wiseler, Minister für nachhaltige Entwicklung und Infrastrukturen, bereits Anfang Mai gegenüber dem „Luxemburger Wort“, verwies aber gleichzeitig auf die Notwendigkeit der Tunnelsanierung. Verkehrsbehinderungen seien auch nicht zu verhindern, gab der Ressortchef ohne Umschweife zu, nicht umsonst startete sein Ministerium Ende Mai eine nie dagewesene Informations- und Sensibilisierungskampagne, um die Verkehrsteilnehmer auf die bevorstehende Baustelle und die fünfmonatige Teilsperrung des Autobahntunnels Howald vorzubereiten.
Mit Erfolg, wie es scheint, denn das von vielen Seiten befürchtete Verkehrschaos blieb bislang aus: „Die Verkehrsprobleme sind weitaus weniger gravierend als befürchtet“, sagt Roland Calté vom „Automobile Club Luxembourg“ (ACL).
In den ersten zehn Tagen nach Baubeginn sei zwar eine stärkere Verkehrsbelastung auf den Nationalstraßen verzeichnet worden, als die Verkehrsteilnehmer wohl mögliche Alternativen zur A1 ausprobierten, nach dieser Zeit sei die Mehrzahl der Fahrzeuge aber wieder auf die Autobahn zurückgekehrt, größere Probleme seien aber weiterhin ausgeblieben.
Bislang habe man auch das Glück gehabt, dass sich an der Baustelle noch kein Unfall ereignet hat. Die durchschnittlichen Durchfahrtszeiten (zwischen vier und zwölf Minuten) lägen für eine Tunnelbaustelle dieser Größenordnung absolut im Normbereich, meint Calté, maximal müssten die Fahrer zwischen 13 und 20 Minuten Durchfahrtzeit in Kauf nehmen.
Entsprechend positiv fällt auch die erste Zwischenbilanz der Straßenbauverwaltung aus, auch und besonders weil die Bauarbeiten ohne größere Probleme voranschreiten, wie Projektleiter Raymond Seburger im Gespräch mit dem LW erklärt. Die Sanierung des Autobahntunnels (Inbetriebnahme 1994) laufe bisher planmäßig, größere Probleme, die die Arbeiten zeitlich zurückgeworfen hätten, seien nicht aufgetreten.
Ihren eigentlichen Anfang nahm die Baustelle bereits am 26. Mai mit einigen Vorbereitungsarbeiten. Ab dem 28. Juni wurde dann die Röhre in Fahrtrichtung Trier komplett für den Verkehr gesperrt und die Sanierung, die zum einen den Stahlbeton, zum anderen die Elektromechanik betrifft, wurde in Angriff genommen.
Seitdem ist viel passiert: Nachdem die bestehenden Elemente abmontiert worden waren, wurde die 16 Jahre alte Tunnelröhre erst einmal mit Hochdruck (2 500 Bar) gereinigt. Neue Räumlichkeiten für Transformator und elektronische Überwachung wurden errichtet. Feuerfeste Kabel für Energieversorgung, Datentransfer sowie das Brandmelde-Sensorkabel wurden verlegt, der Brandschutz stellt nämlich eine der Prioritäten bei der Tunnelsanierung dar.
Daneben wird eine neue Belüftungsanlage installiert. Zudem werden neue Messgeräte für Windgeschwindigkeit, -richtung und -trübung errichtet. Gestern wurden bereits die acht Stahlventilatoren für die Längsventilation aufgehängt, nächste Woche, wenn die Stromzufuhr angeschlossen ist, sind sie betriebsfertig. Des Weiteren wird der Fluchtweg neu aufgemalt, die Notbuchten besser signalisiert, selbige mit Türen versehen und eine neue Beleuchtung (weiße Deckenleuchten sowie LED-Leuchten am Fahrbahnrand) angebracht.
Der Tunnel wird später heller und gleichmäßiger ausgeleuchtet sein, die Autofahrer empfinden dieses weiße Licht erfahrungsgemäß als angenehmer, so Raymond Seburger. In der gleichen Überlegung werden auch die Tunnelwände weiß gestrichen, der bisherige bunte, aber dunkle Anstrich soll der Vergangenheit angehören. Neben der Elektromechanik ist auch der Stahlbeton der Tunnelschale von der Sanierung betroffen.
Bei Routinekontrollen wurde nämlich eine Korrosion des Stahlbetons festgestellt. Hauptursache hierfür seien die Enteisungssalze, die während mehr als 16 Jahren in die Wände eingedrungen sind, dort zu Rost und einer damit einhergehenden Ausdehnung der Stahlelemente geführt haben, erläutert Seburger die Problematik. Risse im Beton seien die Folge. Mittels unzähliger Bohrungen wird nun in den Wänden ein Kathodenschutz installiert, der den Korrosionsprozess neutralisiert und der Korrosion vorbeugt. Auch dieser Arbeitsabschnitt verlaufe bisher reibungslos, so Projektleiter Seburger.
Bleibt abzuwarten, ob die Sperrung der anderen Tunnelröhre Richtung Luxemburg ähnlich gut verläuft. Vom Freitag, den 10., bis Sonntag, den 12. September, wird der Tunnel noch einmal komplett gesperrt. Dann beginnt die Sanierung der zweiten Röhre. Ende November soll das 5,5-Millionen-Euro-Projekt dann abgeschlossen sein.