29.06.2010 13:49 Uhr, aktualisiert 01.07.2010 09:23 Uhr




Die Schweinegrippe – ein Jahr danach
Pharma-Industrie verdiente Milliarden
„Déi Gréng“ werfen Weltgesundheitsorganisation Mangel an Transparenz vor – Kritik an Einflussnahme von Pharma-Lobby

Foto: ap
In vielen Ländern floppten die Impfkampagnen.

(mk) - Ein Jahr ist es her, dass das Virus A(H1N1) - im Volksmund Schweinegrippe genannt - die Welt in Atem hielt. Weltweit wurde am 11. Juni 2009 Pandemiealarm ausgelöst, gefolgt von einer beispiellosen Impfkampagne. Doch recht schnell erwies sich die Krankheit als relativ harmlos und die Regierungen blieben auf Bergen von Impfdosen sitzen, die nicht nur Millionen kosteten, sondern wegen möglicher Nebenwirkungen auch stark kritisiert wurden.

„Dies ist ein hochbrisantes Thema und ein regelrechtes Wespennest, in das wir gestochen haben“, unterstrich der Grünenabgeordnete und Mitglied der parlamentarischen Versammlung des Europarates, Jean Huss, bei der Vorstellung eines Berichts des Europarates. Dieser wurde im November 2009 in Auftrag gegeben und nimmt die Impfkampagnen zur Grippebekämpfung etwas genauer unter die Lupe.

Als einer der Hauptkritikpunkte stellt sich die Definitionsänderung einer Pandemie heraus, für die Alarmstufe sechs ausgelöst wird, und die alle Länder zu einer Impfkampagne verpflichtet. Zu diesen Kriterien gehörte lange Zeit, dass es sich um ein neues Virus handeln müsse, das hochansteckend sei und sehr viele Schwerkranke und Tote fordern würde. Allerdings tauche dieser wesentliche letzte Punkt in der abgeänderten Version, auf die sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2009 zur Auslösung der Pandemie berief, nicht mehr auf, unterstrich Huss. Die Namen der Experten, die dies veranlassten, seien streng geheimgehalten worden.

Lukrative, aber geheime Knebelverträge mit den Regierungen

Sich berufend auf Expertenberichte von Virologen, die bereits beim Auftauchen von SARS (2001) und der Vogelgrippe (2005) die Panik geschürt hätten, sei die pharmazeutische Industrie an die Regierungen vor allem reicher Länder herangetreten und habe ihnen Vorverträge angeboten, um eine schnelle Lieferung an Impfstoffen zu garantieren zu können.

Dabei handele es sich um Geheimakten, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, und wahre Knebelverträge, so Huss. Darin verpflichte sich nämlich der Unterzeichner mindestens 50 Prozent der bestellten Menge zu kaufen, auch wenn überhaupt kein Bedarf besteht. Vor allem sei aber klar verzeichnet, dass die Firmen keine Haftung für etwaige Nebenwirkungen übernehmen.

Mit weltweit 18000 Toten blieb das Virus A(H1N1) wesentlich harmloser, als etwa die saisonale Wintergrippe, die jährlich rund 500.000 Tote fordert. In Luxemburg wurden drei Todesfälle mit der Schweinegrippe in Verbindung gebracht, die rund drei Millionen teure Impfkampagne (nur 33.000 Dosen wurden gespritzt) floppte. Sie wurde übrigens auch von den Bevölkerungen in den meisten Ländern abgelehnt.

Mehr Öffentlichkeit und Gegenexpertisen

Auf gut 40 Milliarden Dollar soll sich allerdings der Gewinn summieren, den die vier großen Hersteller des Impfstoffes in den letzten neun Monaten der Kampagne einstrichen. Wenn man bedenke, dass 2006-2007 rund 72 Prozent der Spendengelder an die WHO aus privaten Quellen stammten und bei der 15-köpfigen strategischen Beratergruppe über Impfungen bei der WHO (SAGE) zwei Drittel stark in die Pharma-Industerie eingebunden sind, komme man nicht darum herum, sich zu fragen, wer die Politik bei der WHO bestimme, ergänzte Huss: „Aus diesen Vorfällen müssen wir Lehren ziehen“

Er fordert eine absolute Transparenz in allen Entscheidungen, die das Gesundheitswesen betreffen und somit eine besondere Auswirkung auf die Krankenkassen haben. Die bestehenden, undurchsichtigen Verträge müssten neu verhandelt, oder besser noch, annuliert werden. Zudem müsse die WHO die Alarmstufe sechs unbedingt neu definieren und ihre Vertrauenswürdigkeit wieder herstellen. Sonst seien weiteren Pandemiehysterien vorprogrammiert.

Nicht zuletzt sei es an den Regierungen, sich mit der Problematik zu befassen und eine breite, öffentliche Diskussion zu ermöglichen.

Ihre Meinung zum Thema

( 6 )
  • Schein H. Elleg meint:
    30.06.2010, 08:56 Uhr
    Dat as alles schéin a gudd, an ech kann nëmmen bäipflichten datt Transparenz an kloër Richtlinien ausseruerdentlech wichteg am Gesondheetswiesen sin. Mir mussen eis awer bewosst sin, datt déi läscht Grippepandemie souzesoen en Prezedenzfall war. Joërelaang war ennert Wëssenschaftler kloër, datt an absehbarer Zäit eng gréisser an schlëmmer Pandemie wert antrieden. Allen Warnungen zum Trotz ass politesch wéineg geschit. Mir brauchen an eiser Gesellschaft nun emol esou kleng Zwëschefäll déi eis wakreg rëselen an op richteg schlëmm Situatiounen firbereeden. Ech wëll domat net soën datt dës Kéier alles richteg gelaaf ass. Mee dat war jo och firauszegesin.
    Elo get dann emol nees op d'Oppositioun geklappt, op d'Wëssenschaft an op d'Pharmaindustrie. Amplaatz Léiren aus eisem Versoën ze zéihen, klappen mer léiwer op déi aner, déi Béis. An d'Medien schëppen kräfteg Kuelen an d'Feier. D'Resultat wert sin, datt bei der nächster gréisserer Pandemie nach en gréissert gesellschaftlecht Mësstrauen wert virhanden sin, an nach eng gréisser Apathie. Op mer nach eng kéier souvill Gleck hun sief an de Raum gestallt.
    Ech wëll domat just kloër man, datt mer all gären op d'Politiker klappen, wann se vill Suen ausgin, ouni datt mir offensichtlech Resultater gesin. Dëst soll am Rahmen vun der Transparenz geschéihen, ganz kloër, mee mir mussen heiansdo och Versteesdemech opbrengen fir Entscheedungen déi fir de schlëmmste Fall getraff goufen, wann dësen net agetraff ass. Wäre mir net déi éischt déi géifen jäitzen, wa Lëtzebuerg (zB) als eenzegt keng Schutzmaasnahmen fir seng eegen Bevölkerung getraff hätt?
  • Frederic Braun meint:
    29.06.2010, 16:19 Uhr
    Daat do wossten mer jo scho laang, daat war jo sou offensichtlech. Et ass just schlemm, dass eis Politiker sou blann sin. Wellen oder därfen sie näicht gesin? Als Member vun der WHO, fuerderen ech eis Politiker op, Drock ze machen, dass dei Organisatioun radikal emstrukturéiert gett, dass sou eppes net méi meiglech ass.
    Wann een bedenkt, dass d'Pharmaindustrie kapabel ass, eis Regierungen ze forceieren eis ze impfen mat hieren neien experimentellen Produiten! An en plus finanzeiren mer daat dann nach, fir dass se deck Profiter machen. Pervers...
    H Juncker, dir sidd gefuerdert!
  • Ano Chrescht meint:
    29.06.2010, 15:28 Uhr
    Ech méngen mäin Schwäin päift. Daat doten sin jo maffiös Strukturen.

    Déi Ganz international Klipperscher, vun der EWG-Kommissioun bis zur WHO sin vun Industrie a Finanz geschmiert bis zum geht nicht mehr.

    De Schued as an dëssem Fall "nëmmen" fianziell mee am Fall vun énger wirklëcher Katastroph giffen d'Top-Manager aus der Pharmaindustrie an hier WHO-Vasallen, aus Profitmaximiséierungsgrënn, eiskaal Millioune Léit krepéiere loossen.
  • Steve Gabriel meint:
    29.06.2010, 15:28 Uhr
    Du hun mer eet!

    Daat dooten hun viel Léit schons laang am Viraus gewosst an gesoot, mais eis Herren Ministeren hun d'Panik maatgemacht an sennloss Honnert Tausenden vun Euro an den Sand gesaat
  • Bugs Bunny meint:
    29.06.2010, 15:08 Uhr
    Dei polnesch Gesondheetsministerin Ewa Kopacz misst an der EU fir all Impfkampagn verantwortlech gema gin.

    http://polskaweb.eu/schweinegrippe-impfung-sinnlos-und-wahrscheinlich-gefaehrlich-6578673665.html
  • Hirsch Harry meint:
    29.06.2010, 15:06 Uhr
    HMM interessant ass jo dass den A(H1N1) der spuenecher gripp fu freier recht ähnlech ass, an dass den A(H1N1) reischt koum nodeems eng mumie mat der spuenecher gripp ausgegruewen guff..

    ass also neck ze weit hirgeholl, dass d'phamaindustrie scho bei der krankheet hir fanger am spill haaten..

    Mais mir hun jo leiwer pharma medizin wei natur medizin also mussen mer dermatt liewen dass se eis verarschen..
    Natirlech medizin dei och den Immunsytem stierkt, an also och eng bei der oofwier fun wiiren helleft, dei awer och kriebs heelt ouni deier chemisch medikamenter, ass ILLEGAL, an zwar den Hanf..
    http://www.phoenixtears.ca/ fiir weider infoen...

    et ass an et bleift en witz...