16.07.2010 11:30 Uhr, aktualisiert 21.07.2010 20:01 Uhr




Polizeialltag
Kampf gegen Verbrechen und Papier: Ein Fallbeispiel
Polizisten verhaften drei rumänische Einbrecher in Ingeldorf
Steve Remesch

Foto: Steve Remesch
Polizisten bei der Verhaftung von drei Einbrechern in Bonneweg im Oktober 2008.

„Am Montagabend ist es Polizisten in Ingeldorf gelungen eine dreiköpfige Einbrecherbande zu stellen. Das räuberische Trio war zuvor in ein Einfamilienhaus in Hoscheid eingebrochen.“ Solche und ähnliche Pressemitteilungen sind fast jeden Tag in der Presse zu lesen. Die Erfolgsmeldung, die hier in zwei Zeilen passt, birgt aber einen enormen Arbeitsaufwand für die beteiligten Polizisten.


Fiktives Zufallsszenario: Eine Patrouille beobachtet kurz nach 21 Uhr in Ingeldorf einen verdächtigen Wagen mit rumänischen Kennzeichen. Das Fahrzeug war Stunden zuvor im Zusammenhang mit einem Einbruch in Hoscheid aufgefallen. Da sich drei Personen in dem Auto befinden, rufen die Polizisten Verstärkung. Gemeinsam mit einer zweiten Patrouille wird der Wagen überprüft.

Schnell zeigt sich, dass der Verdacht gerechtfertigt war: Auf der Rückbank liegt ein Brecheisen. In einer Tasche im Kofferraum finden die Beamten Schmuck, Bargeld, einen Laptop und mehrere Mobiltelefone. Sie wurden bei dem Einbruch in Hoscheid entwendet.

Die Staatsanwaltschaft wird in Kenntnis gesetzt. Der Substitut vom Dienst ordnet die Verhaftung der mutmaßlichen Täter an. Für die Beamten bedeutet dies vor allem eines: Schreibarbeit. Binnen 24 Stunden müssen nun alle Prozeduren abgeschlossen sein. Oft bleibt den Polizisten aber weniger Zeit.


Foto: Steve Remesch
Nach der Festnahme müssen Täter in weniger als 24 Stunden einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden.

Regelmäßig kommt es nämlich vor, dass Verdächtige, die in der Nacht verhaftet werden, bereits am frühen Morgen dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden sollen. Dann muss das ganze Ermittlungsdossier noch in der Nacht fertiggestellt werden. Für den Polizeibeamten bedeutet dies immer Überstunden und höchste Konzentration. Der kleinste Formfehler reicht einem gewitzten Anwalt aus, um die eindeutigsten Fälle vor Gericht zu kippen.

Drei Täter – Sechs Polizisten

Die Polizisten bringen die in Ingeldorf Verhafteten zur Dienststelle. Hier werden sie zunächst einer Körperdurchsuchung unterzogen. Da zu der Einbrecherbande auch eine Frau gehört, wird eine weibliche Beamtin angefordert. Jetzt sind schon drei Patrouillen mit den Tätern befasst. Auf einer Nachtschicht im Polizeibezirk Diekirch sind bei Vollbesetzung jedoch nur vier Streifen eingeteilt. Im gesamten Ösling ist also nur noch eine Patrouille im Einsatz. Passiert jetzt ein schlimmer Unfall, dann wird es eng.

Ein Abschleppdienst wird bestellt, der das Täterfahrzeug auf einen Polizeihof bringt. Für die Beamten bedeutet dies ein Formular, für die Anfrage der Dienstleistung, eines für die Durchsuchung des Autos und eines für die Beschlagnahmung des Fahrzeugs sowie sonstiger Gegenstände wie Einbruchswerkzeug, Waffen oder etwa die Beute.

In jedes dieser Formulare müssen alle Daten bezüglich des Falls, der Täter und der implizierten Beamten erneut angegeben werden. Von allen Gegenständen muss ein Zustandsbericht verfasst werden.

Schwerfälliger Dienstweg

Auf dem Kommissariat zeigt sich, dass die Rumänen keine der Landessprachen und auch kaum Englisch verstehen. Die Polizisten sind gezwungen, einen Dolmetscher anzufordern. Auch hier fällt wieder ein Formular an. Erst wenn der Übersetzer vor Ort ist, können den Verhafteten ihre Rechte verlesen werden. Ihnen stehen neben dem Übersetzer auch ein Arzt, ein Anwalt und ein Anruf zu.

Wenn die Verhöre länger dauern, müssen die Beschuldigten mit Nahrung und Getränken versorgt werden. Nehmen die Verhafteten ihre Rechte wahr, muss jeder dieser Schritte in einem einzelnen Protokoll niedergeschrieben werden. Natürlich werden Polizisten auf der Polizeischule auf diese Dinge vorbereitet, doch jeder Fall gestaltet sich anders.


Foto: Steve Remesch
Oft dauern die Schreibarbeiten nach einer Verhaftung bis lange nach Schichtende.

Anschließend werden die Täter einzeln verhört. Auf Basis dieser Anhörung wird ein schriftliches Vernehmungsprotokoll verfasst. Im abschließenden Bericht wird dann alles zusammengefasst. Vom Tatbestand, über Zeugenaussagen und allen behördlichen Vorgängen bis zum Verhör muss sich alles darin wiederfinden. Viel Zeit nimmt dabei das Aufnehmen der Beschuldigungen gegen die Täter in Anspruch.

Die Beamten müssen jeden Gesetzesparagraphen aufzählen, gegen den die Verhafteten verstoßen haben. Da sowohl Prozeduren wie auch Gesetzestexte regelmäßig abgeändert werden, führt selten ein Weg daran vorbei, diese im Dienstbuch nachzuschlagen.

Bis weit über das Schichtende hinaus

Ist das Verhör erst einmal unter Dach und Fach, könnten die erwischten Einbrecher in Haft genommen werden. Zuvor muss aber noch ein Haftfähigkeitsattest ausgestellt werden. Da die Ärzte aber in der Nacht nur ungern zur Dienststelle kommen, sind die Beamten gezwungen, die Täter in Handschellen in ein Krankenhaus zu begleiten. Zwei Polizisten sind dabei erforderlich, um einen Gefangenen zu überwachen. Dann erst können die Täter nach Schrassig gebracht und dann erst kann der Abschlussbericht verfasst werden.

Sechs bis sieben Stunden nimmt eine derartige Prozedur in Anspruch. Dabei ist in dem geschilderten Fall noch alles gut verlaufen. Oft aber setzen sich Täter bei ihrer Verhaftung zur Wehr. Sie randalieren in der Dienstelle und es kommt zu Angriffen auf Polizeibeamte. Oft sind die Täter betrunken oder stehen unter Drogeneinfluss. Einbrecher sind öfters mit gestohlenen Fahrzeugen unterwegs und manchmal dauert es Stunden, um die Identität der Beschuldigten festzustellen.

Dann stehen für die Beamten oftmals Doppelschichten an, an denen sie nicht mittendrin im Geschehen sind, sondern in ihrem Büro festsitzen und Schreibarbeiten erledigen.

Ihre Meinung zum Thema

( 13 )
  • Nic Scheitler meint:
    18.07.2010, 12:03 Uhr
    @fragezeichen huet den Steen vun den Weisen font,vermescht zwar Äppel mat Biren,zweifelt un der Fitness an un der Arbechtsmoral vun verschidenen Beamten,(wat un Iwerhieflechkkéit grenzt),fönnt deen Formularschlamassel (et freet sech wien dat alles erfönnt an vir néideg hält?) als Fortschrëtt,geséit awer am groussen Ganzen keng Problemer bei der Polizeiarbecht.Ech géif deem Här,(wann dat méigleg wir) uroden op engem Polizeibüro eng Kéier eng 16.Stonnenschicht ( 8 normal Stonnen an déi Iwerstonnen durch Ëmstänn bedingt) matzemachen.
    Niewebéi bemierkt: Därfen Polizisten och en geregelt Familienliewen hun oder fällt dat önnert "Risque du métier"?
  • Ron John meint:
    18.07.2010, 04:40 Uhr
    @Daniel Terrens

    jo natirlech... dat behaapt jo keen...dass se net dofir bezuelt gin...

    mais wann een e bessen iwerleet, dann wier et jo mei logesch, sei geifen fir dei selweschten paye dobaussen um terrain sin, wou sech dei grouss masse vun leit ophaalen...

    wei wann 80% vun den beamten um bureau setzen den bericht schreiwen, formulairen auszefellen, protokoll ze schreiwen asw....

    dei leit feelen op der strooss...
    et ass wuel mei einfach eng persoun dobaussen ze iwerfaalen, wann 1 patrouille am emkrees vun 15 km ass.. wei wann der 6 duerch d'geigend fueren.

    dat huet neischt mat der paye ze din. hei get jo och net kritiseiert dass dei leit ze mann verdingen oder ze vill arbescht hun... mais den schweierpunkt vun der arbescht falsch verdeelt ass..
  • Ron John meint:
    18.07.2010, 04:33 Uhr
    emmer dei

    "ich glaube...", "ech denke...", "et keint jo sin...", "vielleicht...."

    elo hun mer nees een artikel an letzebuerg iwert d'police ze liesen kritt...elo wees all mensch hei am forum, wei den hues leeft...

    d'fragezeichen huet schon quasi eng uniform un...well deen wees natirlech wei alles ofleeft... weivill leit den daag op een commissariat gin. an weivill telefons appel'en eran kommen...an weivill stonnen duerchnett een beamten sport an der woch meet...

    emmer nemmen mam fanger op d'police weisen...an meckeren, soueren, critiseieren... asw.

    mais wann dann owes den monni anbriecher am haus ass..dann ruffen mer awer d'schnell police, ... wann et brennt..dann ruffen mer schnell d'pompjeen asw... dann ob eng keier sin all dei verwaltungen nees erem "gudd", dei hei permanent vun den leit kritiseiert gin...

    1A...weider esou. Esou Leit brauchen mer.
  • .. Fragezeichen meint:
    17.07.2010, 15:30 Uhr
    Formulare über Formulare... Es ist wohl manchmal nervig sich in diesem Dschungel der Formulare zurecht zu finden. Aber nennen sie mir einen Beruf wo heutzutage keine Formulare benutzt werden.
    Jeder regt sich doch auf über die Flut von Formularen, nicht nur bei der Polizei auch im Pflegedienst, ja in jedem Dienstleistungsbetrieb.
    Vielen ist leider nicht bewusst, dass dies ein Fortschritt ist und kein Rückschritt. Stellen sie sich mal vor, all diese Formulare müssten auf der Hand verfasst werden. Heutzutage kann man mit einigen Mausklicks auf alle internen Formulare zurückgreifen.
    Ich glaube das Problem liegt nicht bei der Schreibarbeit, sondern allgemein bei der Arbeitsmoral einiger Beamter.
    Ich bin noch immer der Überzeugung, dass die Mehrheit kein Problem in der Schreibarbeit sieht.
    Dass ein gewisser Zeitdruck aufkommt ist eben Teil der Arbeit. Es ist schliesslich der Kläger der so schnell wie möglich den Täter dingfest machen möchte. Jeder der einmal Opfer von einer Straftat wurde, ist froh wenn der Täter schnell gefasst und abgeurteilt wird. Es ist dies eine menschliche Reaktion und auch gut so.
    Ich glaube nicht, dass so ein Szenario wie im Artikel beschrieben täglich auf ein und der selben Dienststelle vorkommt. Und soviel ich bescheid weiss, gibt es einen Bereitschaftsdienst bei der Polizei wenn durch einen Einsatz plötzlich Mangel an Personal besteht.
    Die feiwilligen Feuerwehrleute stehen ja auch in der Nacht auf wenn sie gerufen werden. Ich glaube ja nicht, dass Unterlassene Hilfeleistung bei den Rettungskräften ein Thema ist.
    Die besagten Doppelschichten sind sicherlich nervenaufreibend und gehen an die Substanz.
    Die Feuerwehr löscht ja auch das Feuer bis es aus ist.
    Vielleicht liegt es auch nur an der Fitness einiger Beamte, die plötzlich zu schnell an ihre Grenzen stossen. Ich möchte natürlich niemandem zu nahe treten. Ich bin noch immer der Meinung, dass die Mehrheit der Beamten sich gewissenhaft vorbereitet und körperlich sowie mental in Form ist. Dass nach einer doppelschicht der Akku leer ist, ist doch nochmal. Die jungen Beamten glaube ich, können das aber gut verkraften.
    Es gibt zwei Möglichkeiten, wenn man eine zu schwere Last tragen muss: entweder man trägt weniger Last oder man sucht sich Hilfe. Ich bin der Überzeugung, dass eine gute Arbeitsaufteilung innerhalb einer Mannschaft hilfreich sein kann. Wenn jedoch die Kommunikation nicht stimmt kann auch die Arbeit nicht ordentlich verrichtet werden.
    Geteiltes Leid ist halbes Leid.
    Schreibtischarbeit ist übrigens ein gute Ausgleich zu Verfolgungsjagten. Dann fahren die Gemüter wieder etwas herab.
  • JUSTITIA .. meint:
    17.07.2010, 14:37 Uhr
    Just nach en Zousaatz, et sin jo awer nach Patrouillen vun Mersch déi kënnen am Noutfall asprangen...
    Mee se sin trotzdeem iwwerall ënnerbesaat!
    Missten nët mool méi Léit rekrutéiert gin, anstatt all Joer "just" 65, vun deenen der minimum 5-8 hir ITB nët packen? Do missten d'Strukturen verbessert gin; fir och méi Léit kënen auszebilden, oder?
    Waat mengt dir dozou Här Fontana??
  • JUSTITIA .. meint:
    17.07.2010, 14:33 Uhr
    @ DEHM & FONTANA,

    wann ech mëch geiirt hun, dann sorry;-)
    Ech haat do vun engem mool eng aaner Info kritt, ma vlait war op deem Daag eppes an se waaren dofiir zou méi...
    Wéi gesoot : sorry!
  • pippo fontana meint:
    17.07.2010, 11:53 Uhr
    @ Justitia:

    Dach daat stemmt 2 Dikkrech 1 Woltz an eng Ölwen dann senn mer op 4. Et senn der secher och alt mool mei, mee wann Congés Zaiten senn asw senn se seier matt 4 Patrouillen ennerwee.
  • Steve DEHM meint:
    16.07.2010, 22:36 Uhr
    @ JUSTITIA

    Daat stemmt mat 1 patrouill dei iwreg as. Woltz huet 1, Elwen 1, an dikkrech wann et gudd geet 2. souvill zu deem thema..........
  • Julie Debicke meint:
    16.07.2010, 19:48 Uhr
    Ojeeee!

    Wann e Privatbetrieb esou géing gefouert ginn wär ën no 1 Joër an der Faillite.

    Just 2 Sachen:

    "Auf Basis dieser Anhörung wird ein schriftliches Vernehmungsprotokoll verfasst."

    Dat kann éng Schreiwkraft machen. Den zoustännegen Polizist brauch et nëmmen nach eng Kéier duerch ze liësen iër et ënnerschriwen gëtt.

    "...Gesetzestexte ... diese im Dienstbuch nachzuschlagen."

    Domat soll keen Polizist seng Zeit verléieren. Alt nees eng Arbëcht fir ë Salarié oder ë Fonctionnaire, wann et dann muss sin.

    Loosst dat do vun enger Consulting Firma checken an mir hun nees masseg Polizisten um Terrain, d.h do wou si gebraucht ginn.
  • JUSTITIA .. meint:
    16.07.2010, 17:05 Uhr
    En traureg Réalitéit as daat do...
    Un der ganzer Situatioun muss sëch dringend eppes änneren, et kann jo awer nët sin, datt e Polizist méi hannert dem Schreiwdësch ass wéi dobaussen op der Strooss wou e gebraucht gët. Wäl do gehéiren se hin, an nët dauernd hannert e Schréiwdësch!

    @ Daniel Terrens

    Ët geet dach héi nët em d'Fro vun den Suen!!!
    Dann hoffen ech fir Iech datt der nët eng Kéier schnell Hëllef braucht, an ze laang op sou e "gudd bezueltenen" Fonctionnaire waarden musst, deen nët konnt direkt/guer nët kommen, wäl en seng Pabeiren huet missen schreiwen...

    Bemerkung an die Redaktion:
    Zum Polizeibezirk Diekrich gehören meinem Wissen nach,aber auch die "Centre d'Intervention secondaire" in Wiltz und Troisvierges! Das im gesamten Ösling nur eine Patrouile verfügbar ist, stimmt so also nicht.
  • .. Ludes meint:
    16.07.2010, 16:34 Uhr
    Waat schafft dir Här Terrens ? Ech sinn fouwellzeg.
  • Daniel Terrens meint:
    16.07.2010, 14:10 Uhr
    léif Redaktioun, secher hunn eis Polizisten et net einfach an mussen och vill Berichter schreiwen mee sin se dofier net ausgebild gin an hunn se dofier net och de Status '' fonctionnaire d'état'' ? Et muss een awer och e bessen reel bleiwen aner Leit gin fier vill manner Geld schaffen an musse kucken datt se durch de Mount kommen an un déi gett keng Zeil verschwend. Ausserdem fannen ech datt eis Polizisten gut bezuelt sin vis à vis vun eisen Noperen aus dem Frankreich Däitschland oder der Belsch.
  • yuri DrSchiwago meint:
    16.07.2010, 13:01 Uhr
    d'Polizisten sen geploot :-)))