Die Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker
09.03.2009 08:08 Uhr, aktualisiert 09.03.2009 09:02 Uhr

„Alles, was ich höre und sehe, bleibt hier im Saal!“



Foto: Shutterstock
Ein Mitglied der Anonymen Alkoholiker hat erkannt, dass er sein Leben nicht mehr meistern kann.

(jot) - Charlotte und Charel gehören den Anonymen Alkoholikern an. Wort.lu hat sich mit den beiden trockenen Alkoholabhängigen unterhalten, um einen Eindruck von dieser oft falsch verstandenen Gruppe zu bekommen.

Die Anonymen Alkoholiker sind eine zwanglose, weltweite Gemeinschaft von Männern und Frauen aus allen Gesellschaftsschichten, die sich regelmäßig treffen, um von ihrer Sucht loszukommen. In Luxemburg gibt es in fünf Städten Gruppen der Anonymen Alkoholiker, nämlich in Luxemburg, Diekirch, Differdingen, Ettelbrück und Esch/Alzette. Die Gruppen, in denen entweder luxemburgisch, französisch oder englisch geredet wird, sind unabhängig voneinander.

Die Anonymen Alkoholiker orientieren sich an einem Zwölf-Schritte-Programm. Der erste Schritt beispielsweise besteht darin, dass der Alkoholiker anerkennt, dass er dem Alkohol gegenüber machtlos ist und sein Leben nicht mehr meistern kann.

Keine Hierarchie

Bei den Anonymen Alkoholikern gibt es keine Hierarchie. Jeder ist gleichberechtigt. Verschwiegenheit wird von allen Gruppenteilnehmern erwartet. Bei der Gruppe, der Charlotte und Charel angehören, steht beispielsweise ein Schild auf dem Tisch: „Wen du hier siehst, was du hier hörst, wenn du gehst, bitte lass es hier.“

In einem geschlossenen Meeting treffen nur Betroffene aufeinander. Ärzte beispielsweise nehmen also nicht teil. „Es gibt ja genügend medizinische Anlaufstellen für Alkoholabhängige“, betont Charlotte. Jeder Interessierte, zum Beispiel Ärzte, Psychologen oder Familienangehörige, kann jedoch an einem offenen Meeting teilnehmen.

Wie viele Alkoholiker an den wöchentlichen Meetings teilnehmen, kann Charlotte nicht pauschal beantworten: „Dies ändert sich von Woche zu Woche. Eine Gruppe fängt jedenfalls bei zwei Leuten an.“ Bei den Anonymen Alkoholikern wird keiner bevormundet. „Wir reden immer nur aus eigener Erfahrung!“, unterstreicht Charel. Jeder greife aus den Gesprächen in der Gruppe auf, was ihm persönlich als wichtig erscheint. Dies verhindere aber nicht, dass schonungslos angesprochen wird, zu welchen Konsequenzen exzessiver Alkoholkonsum führen kann.

Die Al-Anon-Familiengruppen

Selbst Alkoholiker, die längere Zeit trocken sind, kommen regelmäßig zu den Treffen. „Durch die Anonymen Alkoholikern vergisst man nicht, wie dreckig es einem in der Vergangenheit ging“, erklärt Charel.

Den Anonymen Alkoholikern liegt Charel zufolge das Schicksal der einzelnen Menschen sehr stark am Herzen. Die Selbsthilfegruppe ist übrigens nicht prinzipiell gegen den Alkoholkonsum anderer Leute. Charlotte erläutert diesen Standpunkt: „Die Mitglieder unserer Selbsthilfegruppe können nicht mit Alkohol umgehen. Wir versuchen also an den Alkoholiker, der noch nicht trocken ist, die Botschaft weiterzugeben, die die Gruppe uns selbst gegeben hat.“

Auch für die Angehörigen von Alkoholkranken gibt es eine Selbsthilfegruppe. Sie können sich in den Al-Anon-Familiengruppen treffen.

Kontakt

Die Anonymen Alkoholiker sind unter der Nummer 81 10 66 zu erreichen.

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