Interview mit Patrick Dury vom LCGB
28.11.2008 15:59 Uhr

"Morgen braucht das Unternehmen seine Mitarbeiter"

Für den Gewerkschaftler steht fest, dass an den Produktionsstandorten kaum noch Personal abgebaut werden kann.



Foto: Guy Jallay
Patrick Dury vom LCGB: "Es bleibt noch alles zu tun. Die Tripartite vom 19. Dezember müssen wir zu einem erfolgreichen Ende bringen".

Was wiegt für einen Gewerkschaftler nun schwerer: die negative Botschaft vom Abbau von 400 Arbeitsstellen oder die positive Botschaft von der Beschäftigungsgarantie?

Patrick Dury: Letztlich sind es doch die negativen Nachrichten vom Abbau der Arbeitsplätze, die hängen bleiben. In diesem Fall wiegt das Negative schwerer.

Was werden die Gewerkschaften - was wird Ihre Gewerkschaft - nun tun? Welcher Spielraum bleibt?

Eigentlich bleibt noch alles zu tun. Wir müssen jetzt die notwendige Zeit bekommen, beispielsweise um jene Maßnahmen vorzubereiten, mit denen die freiwilligen Abgänge ermöglicht werden sollen. Bereits am 19. Dezember wird eine Stahl-Dreierkonferenz stattfinden und die müssen wir auf jeden Fall erfolgreich zu Ende bringen.

War die Fusion mit Mittalsteel - rückblickend - für Luxemburg eine gute oder eine schlechte Sache? Wäre es ohne Mittal besser oder noch schlimmer gekommen?

In meinen Augen stellt sich diese Frage nicht, weil wir nachträglich überhaupt nicht einschätzen können, wie sich die Lage ohne die Fusion entwickelt hätte. Die Fusion ist heute ebenso eine Tatsache wie die Krise auf dem Stahlmarkt eine Tatsache ist. Wichtig ist doch, dass es Wege gibt, um niemanden in die Arbeitslosigkeit schicken zu müssen.

Seit Tagen wird darüber spekuliert, dass die jetztige Krise für ArcelorMittal ein willkommener Anlass gewesen sei, um Arbeitsplätze abzubauen.

Ich kann diese Auslegung nicht teilen. Ich kann nicht erkennen, dass die konjunkturelle Krise benutzt werden soll, um Mitarbeiter zu entlassen beziehungsweise abzubauen. Man muss aber auch sehen, dass gerade am Hauptsitz des Konzerns in Luxemburg in den vergangenen sechs Jahren die Zahl der Beschäftigten sehr gestiegen war - von 250 auf rund 1.000.

Aus Ihrer Sicht - wird es beim Abbau von Arbeitsplätzen in der Verwaltung bleiben? Oder wird es bald auch die Produktionsstandorte treffen?

Die Luxemburger Produktionsstandorte sind mittlerweile so modern, dass dort nicht mehr viel abgebaut werden kann. Und letztlich darf man auch nicht vergessen, dass der Konzern spätestens morgen oder übermorgen seine Mitarbeiter wieder brauchen wird, wenn die Zahl der Aufträge erneut steigt. Viele gehen ja davon aus, dass wir das Schlimmste im zweiten Halbjahr 2009 hinter uns haben werden. Noch einmal: Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen zurzeit Lösungen für Konjunkturprobleme finden.

Interview: Fern Morbach

Ihre Meinung zum Thema

( 1 )
  • Jeannot Pesché meint:
    28.11.2008, 18:54 Uhr
    Sehr geehrter Herr Patrick Dury, Sie glauben wohl noch an den "Heiligen NIKOLAUS"??

    Grosse Worte in den Mund nehmen und nichts dahinter!

    Der Standort Luxemburg wie angekündigt im Jahr 2010 für alle Zeiten geschlossen werden! Und dann reden Sie noch von einem weiteren Abbau und Modernisierung, sei dies nicht mehr notwendig!!??

    Eins ist sicher: Keine Gewerkschaft kann den Standort Luxemburg noch retten, denn Herr Mittal hat immer noch das Sagen und das Geld!!!

    Schade, dass diese Fusion den Standort Luxemburg in Gefahr gebracht hat!!!

    Deshalb, bitte ich Sie den Mund nicht so voll zu nehmen....