Dramatischer Arbeitsplatzabbau
28.11.2008 11:07 Uhr, aktualisiert 28.11.2008 16:02 Uhr

Die Notbremse von ArcelorMital

In Luxemburg sollen rund 400 Arbeitsplätze abgebaut werden.



Foto: Marc Wilwert
Hat unerfreuliche Nachrichten für den Standort Luxemburg: ArcelorMittal-Manager Michel Wurth.

(FeMo) – Rund 400 Arbeitsplätze will der Stahlkonzern ArcelorMittal am Standort Luxemburg abbauen. Betroffen sind vor allem die Verwaltung und der Verkauf.

Freiwillige gesucht

Entlassungen soll es keine geben. Bei ArcelorMittal setzt man auf so genannte freiwillige Abgänge. Man will aber auch auf Instrumente wie die "Cellule de reclassement" zurückgreifen. Am Sitz von ArcelorMittal sind zurzeit rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Abbau betrifft demnach fast die Hälfte.

Das wurde am Freitagvormittag nach einem Treffen der Luxemburger „Sidérurgie asbl“ mit Vertretern des Managements von ArcelorMittal bekannt. Um 9 Uhr hatten sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber im ArcelorMittal-Sitz im Rousegäertchen im Bahnhofsviertel in Luxemburg-Stadt getroffen. Unmittelbar nach dem Treffen äusserte sich als einziger John Castegnaro vor der Presse. Der frühere OGBL-Präsident ist Mitglied des Verwaltungsrates von ArcelorMittal.

Bereits am Donnerstag hatte der Konzern angekündigt, weltweit 9.000 Jobs streichen zu wollen, um so bis zu einer Milliarde Euro jährlich einsparen zu können. In Europa soll die Zahl der Beschäftigten um 6.000 verringert werden. Klar war seitdem auch, dass es auch am Standort Luxemburg zu einem Arbeitsplatzabbau kommen werde. Insgesamt will der Stahlproduzent etwa drei Prozent seiner weltweit 326.000 Mitarbeiter entlassen.

Am Donnerstag hatten ausländische Gewerkschaftler die Vorschläge von ArcelorMittal in Frage gestellt. Es sei kaum vorstellbar, dass sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten genügend "Freiwillige" finden liessen. Wer wolle schon das Risiko auf sich nehmen, einen Job aufzugeben um danach keinen neuen zu finden?

Die Vereinigung „Sidérurgie asbl“ wurde im Mai 2002 von den beiden Luxemburger Gewerkschaften LCGB und OGBL gegründet. Auslöser war damals die Fusion von Aceralia, Arbed und Usinor zur Arcelor. Die Vereinigung versucht in erster Linie, die Interessen der an den Luxemburger Standorten Beschäftigten des Unternehmens zu vertreten und und zu verteidigen.

In seiner Samstagsausgabe veröffentlicht das "Luxemburger Wort" ein ausführliches Gespräch mit dem Arbedmanager.

Ihre Meinung zum Thema

( 7 )
  • Paul Frisch meint:
    30.11.2008, 07:31 Uhr
    Ich hatte schon vor (10-15) Jahren vorausgesagt,dass der Standort Luxemburg verschwinden wird.Seit Mittal&Co.das Ruder nun in der Hand hat,haben sich meine Voraussagen immer mehr bestätigt.
    Nein,nicht die Gewerkschaften sind schuld,wenn das Rad jetzt nicht mehr rund läuft und Entlassungen angekündigt werden,denn Mittal schlägt sich doch nicht mit Gewerkschaften,der hat andere wichtigere Dinge zu tun,nähmlich einen Ausgleichstandort für Luxemburg zu finden,wo die Produktion noch preiswerter zu realisieren ist,als in Drittländern (Indien,China,u.s.w)
    Denn wenn der Kapitalismus in einem Qurtal nur einen Cent weniger verdient,als im vorherigen,dann bricht Panik aus und der Rotstift kommt nicht zur Ruhe.
    Nun ist die Gelegenheit gekommen und die wird Mittal nicht ungenutzt verstreichen lassen.
    Es bleibt nicht mehr viel zu tun,packen wirs an und beenden das Kapitel Luxemburg.
    Bis dann........
  • Jeannot Pesché meint:
    29.11.2008, 19:26 Uhr
    @ Marc Welter

    < Wann och de Mittal de Mond (ze) voll hëlt, wen kritt dann nach e Stëck vum Kuch versprach, fir de Mond ze haalen an d´Spill mat ze maachen? >

    Esou wäit ech dees Geschicht gesinn, sinn eis Gewerkschaften déi dât Steck Kuch kreien!! Wëll d'ei sinn net méi wéei frouh doriwer!!

    Si soen nëmen " JO an Amen " an stiechen déi Gelder an Täsch, ann denn Arbechter bleiwt op der Strëck....

    < Als Aktiounär misst ee sëch jo schummen! >

    Gudd, dass ech këng Aktien beim Herr Mittal hunn!! Dann brauch ech mech och net zu schummen....
  • Marc Welter meint:
    29.11.2008, 15:18 Uhr
    Waat mech schockéiert ass, dat den Herr Mittal diärf maachen waat e wëllt, an keen an der Manager-Etage traut sech dem ze widdersetzen.

    Wann och de Mittal de Mond (ze) voll hëlt, wen kritt dann nach e Stëck vum Kuch versprach, fir de Mond ze haalen an d´Spill mat ze maachen? Mein Virschlag wier, fir de Mittal an seng Directioun ze entloosen. An d´Aktiounären brauchen och keng Dividend ënner dëssen Konditiouen. Als Aktiounär misst ee sëch jo schummen!
  • Jeannot Pesché meint:
    28.11.2008, 18:15 Uhr
    Hab ich schon seid langem angekündigt!!

    Meine Vorhersagen bestätigen sich immer mehr! Hierzu nochmal meine Ankündigung.

    Im Jahr 2010 wird der Standort Luxemburg verschwunden sein!!

    Schade um die Arbeitnehmer die jetzt bald auf der Strasse stehen werden!!!!!!!!!

    Meine Meinung zu den Gewerkschaften!!

    Was machen diese jetzt noch und weshalb brauchen wird die noch??????????

    Schluss mit lustig und Ende des Standortes Luxemburg!!!
  • Jean Altmann meint:
    28.11.2008, 14:38 Uhr
    Was wir nun bei Arcelor-Mittal neuerdings erleben ist eine Neuauflage der Stahlkrise, Ende der 70er und zu Beginn der 80er Jahre, die einen massiven Stellenabbau bei der ARBED zur Folge hatte. Rund 400 Arbeitsplätze, vor allem in der Verwaltung und im Verkauf sollen diesmal am Standort Luxemburg abgebaut werden. Wie bei ähnlichen Anlässen so soll auch diesmal auf die bereits praktizierten Instrumente der so genannten freiwilligen Abgänge, oder " Cellule de reclassement", eine andere Bezeichnung für die " Division anti-crise", besser bekannt unter der Bezeichnung DAC, die bei den ehemaligen Stahlarbeitern der ARBED noch heute einen bitteren Nachgeschmack erzeugt, zurückgegriffen werden. Dabei glaubte man nach der erfolgten Übernahme von Arcelor durch den Weltmarktführer Mittal, den Standort Luxemburg definitiv abgesichert zu haben. Ein Trugschluss, wie sich neuerdings herausstellt.Man wird den Verdacht nicht los, dass die gegenwärtige Krise ein willkommener Anlass ist, längst beschlossene Rationalisierungsmassnahmen im Personalbereich zu legitimieren. Die Leidtragenden werden wie immer die kleinen und mittleren Angestellten sein.
  • R. Stahl meint:
    28.11.2008, 13:49 Uhr
    D'Personal soll ofgebaut gin an den Aktiounären wëll ArcelorMittal Enn des Joërs 4 Milliarden Dollar un Dividenden ausbezuelen. Dat ass dégueulasse ! E gudde Patron gif fir d'éischt d'Dividende sträichen, iert e gif driwwer nodenken, Leit ofzebauen. Mee well de Mittal selwer den Haaptaktionär ass, ass him de Portemonnaie méi no, ewéi säi Personal.
  • eraus Riicht meint:
    28.11.2008, 12:05 Uhr
    Dat do ass kéng Folleg vun der Wirtschaftskris mee en Schrëtt vir den Sëtz vum Konzern vun Lëtzebuerg fort ze kréien dowéinst gëtt eben d'Verwaltung hei iwwerproportional gekappt. D'Wirtschaftskris ass do en wonnerbaren Virwand...