Am Montag begann vor der Kriminalkammer Luxemburg ein größerer Mordprozess gegen drei Angeklagte, bei dem über ein Dutzend Zeugen aussagen werden und der sich über vier Wochen erstrecken wird.
Vor Gericht stehen Corinne D., die am 27. Juni 2006 ihren Lebensgefährten Antonio C. in dessen Wohnung in Berschbach bei Mersch mit einem Kopfschuss getötet haben soll, sowie ihre Freundin Yvonne M., die bei der Beseitigung der Leiche geholfen haben soll. Die sterblichen Überreste des Opfers wurden am 1. Juli in dessen ausgebrannten Auto in einem Wald im Grenzgebiet in Frankreich entdeckt.
Der dritte Angeklagte Paul K. soll die Tatwaffe besorgt haben. K. war am Montag nicht vor Gericht erschienen, da er nicht in Haft sitzt und sich zur Zeit beruflich im Ausland aufhält – seit Juni 2008 können Angeklagte sich vor Gericht von ihrem Anwalt vertreten lassen, ohne selbst vorstellig zu werden. Eine Tatsache, die Richter Prosper Klein zu der Bemerkung veranlasste, man könne ja “gleich die Gerichtsprozesse via Internet abhalten und den neuen Gerichtspalast zur Kindertagesstätte umfunktionieren”.
Der Prozess verspricht, langwierig und kompliziert zu werden. Nicht nur wegen der großen Zahl an Zeugen, die aussagen werden, sondern weil offenbar eine Reihe wichtiger Indizien der Version des Tathergangs widersprechen, den die beiden angeklagten Frauen lieferten.
Die 38-jährige Corinne D. hatte nach ihrer Verhaftung die Tat zugegeben, aber das Tötungsdelikt als Affekthandlung einer misshandelten Frau dargestellt. Das Opfer habe sie jahrelang misshandelt und in der Tatnacht sogar vergewaltigt und die Treppe hinuntergestoßen, woraufhin sie sich gewehrt und ihn dabei getötet habe.
Eine Version, die die psychiatrische Gerichtsexpertin am Montag zum Teil als glaubwürdig darstellte, indem sie Corinne D. bescheinigte, unter einer Persönlichkeitsstörung zu leiden, die sie abhängig von ihrem Freund gemacht habe, dem sie regelrecht “hörig” gewesen sei.
Der vorsitzende Richter Prosper Klein ließ jedoch gleich zu Beginn des Prozesses keinen Zweifel daran, dass er die Darstellung der beiden Frauen für ein Schutzbehauptung halte. Es gebe mehrere Hinweise, dass die Tat geplant gewesen sei und nicht im Affekt geschah. Er glaube auch nicht an die psychische Abhängigkeit und Verletzbarkeit der Hauptangeklagten, die er eher als “manipulierende und falsche Person” darstellt.
Klein sprach die Tatsache an, dass Corinne D. während der Vernehmungen und bei der Rekonstruktion der Tat mehrmals unter Tränen zusammengebrochen sei, dann aber auf Videoaufnahmen kurze Zeit später ruhig und gelassen wirke, quasi “wie auf Knopfdruck” verändert. Er bezweifelte die Echtheit dieser Gefühlsausbrüche, die er als “vollkommen unglaubwürdiges Schmierentheater der schlimmsten Art” bezeichnete.
Die Mitangeklagte Yvonne M. sei seiner Meinung nach ebensowenig die hilfsbereite Freundin, als die sie sich den Ermittlern gegenüber dargestellt habe. Die 49-Jährige habe seit längerem eine tiefergehende Beziehung zu D. gesucht und einen geradezu “unheilvollen Einfluss” auf diese gehabt, indem sie sie regelrecht gegen ihren Freund aufgehetzt habe und dieser eine "rosige Zukunft" zu zweit vorgegaukelt habe. Vieles spreche zudem dafür, so Klein, dass das Opfer keineswegs der brutale und besitzergreifende Mann gewesen sei, als der er durch die beiden Frauen dargestellt worden sei.
Es gebe zudem ausreichend materielle Beweise, die auf eine geplante und kaltblütig durchgeführte Tat hinweisen würden: "Die ganze Geschichte stinkt zum Himmel. Die Angeklagten versuchen uns von Anfang an an der Nase herumzuführen," so Klein. Der Prozess wird am Dienstagnachmittag mit der Anhörung weiterer Zeugen fortgesetzt.