Nationalsprache
14.10.2008 07:40 Uhr

Lëtzebuergesch-Boom

Großes Förder-Paket wurde geschnürt



Foto: John Lamberty
Mit einem neuen Wörterbuch soll sich Luxemburgisch auch in der Schrift durchsetzen, und nicht nur als Umgangssprache genutzt werden.

(dpa). - Noch nie war das Interesse an der luxemburgischen Sprache so groß wie heute: Die Luxemburgisch-Kurse am Sprachenzentrum der Hauptstadt sind immer komplett ausgebucht. An der Universität Luxemburg übersteigt die Zahl der Anwärter, die sich zu Lehrern der luxemburgische Sprache weiterbilden wollen, die vorhandenen Plätze bei weitem. Und seit der Anerkennung des „Lëtzebuergeschen“ als Nationalsprache im Jahr 1984 sind bereits mehrere Dutzend Romane auf Luxemburgisch erschienen.

„Die Sprache hat eine große Entwicklung gemacht“, sagt Luxemburgs Kulturministerin Octavie Modert. Um das Erwachsenenwerden der jungen Sprache zu unterstützen, hat das Großherzogtum jetzt ein großes Förder-Paket geschnürt.

In der Mache ist derzeit etwa das erste umfassende Wörterbuch des Luxemburgischen, das „Lëtzebuerger Online Dictionnaire“. Bereits rund 6000 Einträge bis zum Buchstaben F haben die Linguisten in dem fünfsprachigen Internet-Wörterbuch (www.lod.lu) verfasst. 2011 soll es dann mit 24 000 Artikeln komplett sein - und Übersetzungen sowie textliche Einordnungen aller luxemburgischen Vokabeln ins Deutsche, Französische, Portugiesische und Englische bieten. „Bisher war das Luxemburgische vor allem eine Umgangssprache“, sagte Modert. Das neue Wörterbuch hilft, die moselfränkische Dialektsprache in dem knapp 500 000-Einwohner-Staat auch stärker in Schrift durchzusetzen.

Kommt ab 2010/2011 das Schulfach „Luxemburgisch“?

Auch in der Schule: Denn bislang „schwätzen“ die Kinder zwar alle Luxemburgisch miteinander in der Klasse - die Schulbücher aber sind fast alle auf Deutsch und Französisch. SMS und E-Mails werden zwar meist auf „Lëtzebuergesch“ geschrieben. In den Schulheften aber stehen deutsche und französische Sätze. Das wird sich ändern: Möglicherweise schon ab 2010/2011 soll an Schulen das Fach „Luxemburgisch“ eingeführt werden, sagt der Dekan der Fakultät für Sprachwissenschaft und Literatur, Geisteswissenschaft, Kunst und Erziehungswissenschaften an der Uni Luxemburg, Professor Michel Margue. Ein Literatur-Fach könnte folgen.

Das bedeutet, das die Nachfrage nach Lehrern noch größer wird. „Man kann nicht abschätzen, wie viele es sein werden“, sagte er. Sicher ist: „Es gibt einen riesigen Nachholbedarf.“ Nach dem ersten Lehrstuhl für luxemburgische Linguistik, der 2006 in Luxemburg eingerichtet wurde, kommen 2009 drei weitere Professuren hinzu. Das Fach Luxemburgistik gebe es noch im belgischen Namur, im britischen Sheffield und in Trier. Das Kulturministerium gibt in diesem Jahr 1,2 Millionen Euro aus, um die Landessprache - linguistisch ist ein hochdeutscher Kulturdialekt - zu fördern.

„Es ist wichtig, dass die Sprache auch ein akademisches Niveau bekommt“, sagt Ministerin Modert. Deshalb wird an der Uni auch fleißig geforscht: Über Orthografie und Grammatik der Sprache, luxemburgische Familiennamen oder Luxemburgisch im Ausland. Seit 1995 gibt es auch das staatliche „Lëtzeburger Literaturarchiv“ in Mersch, das neue literarische Werke sammelt und Bestände über luxemburgische Autoren aufbaut.



Foto: Guy Jallay
Laut Luxemburgs Kulturministerin Octavie Modert habe die luxemburgische Sprache eine große Entwicklung gemacht.

Aufschwung an Produktionen in der luxemburgischen Literatur

„Seit 1984 hat es einen enormem Aufschwung an Produktionen in der luxemburgischen Literatur gegeben“, sagt Archiv-Leiterin Germaine Goetzinger. Seitdem seien mehr als 30 Romane in Luxemburgisch erschienen - die ersten überhaupt. Das Literaturarchiv hütet bereits 275 Texte und Dokumente. In der EU ist Luxemburgisch keine offizielle Amtssprache und gilt als Minderheitssprache.

„Luxemburgisch ist lange unter Wert verkauft worden“, sagt Sprachenexpertin Denise Besch vom Kulturministerium. Jetzt sei die Sprache „so lebendig wie noch nie“. Das liege auch daran, dass die vielen Ausländer im Großherzogtum das Luxemburgische genauso lernten - und es dann plötzlich eine gemeinsame Sprache aller wird. Der Ausländeranteil liegt in Luxemburg bei rund 40 Prozent. „Wir sehen die Sprache als Mittel für Integration und Zusammenhalt“, sagt Ministerin Modert.

Wachsende Bedeutung der Sprache für die Luxemburger

Auch die gut 120 000 Grenzgänger, die Tag für Tag aus Deutschland, Belgien und Frankreich über die luxemburgische Grenze nach Luxemburg fahren, haben die wachsende Bedeutung der Sprache für die Luxemburger erkannt - und lernen fleißig: Sprachkurse in grenznahen Gemeinden sind ebenfalls gut gefüllt. „Wenn man in Luxemburg arbeitet, muss man ein Minimum an Luxemburgisch beherrschen. Sonst hat man es sehr schwer“, sagt ein Ministeriumsmitarbeiter.

Ihre Meinung zum Thema

( 3 )
  • Andy Maar meint:
    15.10.2008, 08:33 Uhr
    Ech fannen et emol wichteg, datt eis Sprooch iwwerhapt emol bewert gëtt. Et seet jo keen, datt doduerch déi aner Sprooche vernoléissegt giffe ginn. Ausserdeem muss eiser Sprooch gehollef ginn, fir datt se an 20 Joer net ausgestuerwen ass. Am Ament ass et jo absolut onnëtz dëss Sprooch ze léieren... eng Opwertung dréit da villäicht dem Prinzip vun den Integratiounssprooch Rechnung!
  • christiane sterges meint:
    14.10.2008, 21:00 Uhr
    vollkommen eens mam Claude Oswald ..e gudde Root aus der flämescher Belsch : déi eege Sprooch weder ënner- nach iwerbewerten !!!
  • Claude Oswald meint:
    14.10.2008, 18:28 Uhr
    Et soll een d'Lëtzebuergescht net iwwerbewäerten. All Hurra-Patriotismus ass op d'laang Siicht nëmme schiedlech, a mer schmieren eis selwer un.

    An der Schoul hunn ech séngerzeit geléiert, dass et fir dat klengt Lëtzebuerg wichteg ass, dass mer eis dobaussen an der grousser Welt mat de Leit verstännege kënnen, wa mer wëlle mat virukommen.

    Et ass also extrem wichteg, dass mer anstänneg Däitsch, Franséisch an Englesch schwätzen. Dat ass eis grouss Tromp, déi mer an der Hand hunn, an déi eis eng Partie Virdeeler bréngt. Dofir muss een d'Bedäitung vum Lëtzebuergesche ménger Meenung no relativéieren.

    Ech hu jiddefalls d'Erfahrung a méngem Privatbereich gemaach, dass déi tëschemënschlech Kommunikatioun ouni d'Englesch an e puer Wuert Russesch déi ech an der Schoul geléiert hat, net méiglech gewiescht wier. An enger Welt déi ëmmer méi grouss an international gëtt, spillt d'Englesch als Verkéierssprooch eng enorm wichteg Roll.