„Disneyland“, „furchtbare Formen“, „überwältigend schön“, „Beweis für Sehnsucht nach Romantik“ – die Kontroverse zur „Cité judiciaire“ trieb gestern zum Tag der offenen Tür weitere Blüten. Überall fachsimpelten Besucher, die zu Tausenden in die neue Heimat der luxemburgischen Justiz strömten. Bautenminister Claude Wiseler stellte indes einige Änderungen
an den Sitzungssälen in Aussicht.
Ausdrucksstärker hätte die Botschaft kaum sein können. Für die Besucherzeit setzte die Mittagssonne die vier kritikumwobenen Skulpturen über dem Haupteingangsportal ins rechte Licht.
Es formierten sich Menschentrauben, die über die Architektur der acht Gebäude berieten. Neugierige hielten Teile des 149,8 Millionen-Euro-Baus mit ihrer Privatkamera für die Ewigkeit fest. Ob die Kritik nun überwiegend positiv oder negativ ausfiel, konnte die nicht repräsentative LW-Umfrage unter 20 Befragten nicht eindeutig feststellen. Fest steht: Die Architektur regte zu Diskussionen an.
„Man fühlt sich wie im Disneyland, schrecklich. Es ist eine Collage aus historisierenden Elementen. Die Justiz müsste sich offener, transparenter zeigen“, kritisierte eine Kunstlehrerin. Trotz der „riesigen Frontmauer wie in einer Burg wirkt die Cité judiciaire sehr sympathisch und funktional“, meinte ein anderer Besucher. „Überwältigend schön“, sagte sein Begleiter. Für einen jungen Mann hätte die Wahl der Steine eher auf Sandstein fallen müssen.
Eine Artistin glaubte, der Architekt habe die Vergangenheit aufleben lassen wollen, das sei in „unserer multikulturellen Welt doch nicht verwerflich“. Claude Wiseler zeigte sich angesichts des großen Andrangs hocherfreut.
Was die Probleme um die Größe mancher Sitzungssäle betreffe, so will der Bautenminister einen leichten und kostengünstigen Umbau von vier Sälen zu drei oder zwei nicht ausschließen. Zwei Reserveräume seien ohne weiteres zu Sitzungssälen umzufunktionieren. Es handele sich nicht um eine Fehlplanung, hieß es. Vielmehr habe die Erhöhung der Justizsektionen von zwölf auf 18 während der Bauphase eine einwandfreie Aufteilung beeinträchtigt. Doch vorerst möchte Wiseler einen Abschlussbericht, der alle Beanstandungen zusammenfasst und im Dezember vorliegen wird, abwarten und mit kühlem Kopf reagieren.
Gemeinsam mit der Stadt Luxemburg ist in Kürze die Ausweitung des hauptstädtischen Fahrradkonzepts „Vel'oh“ auf die „Cité judiciaire“ geplant. Für die rund 450 Justizmitarbeiter und zwischen 1 000 und 1 500 täglichen Besucher haben die Behörden bereits Maßnahmen ergriffen: Wochentags verbindet nämlich ein kostenloser Pendeldienst das „Centre Aldringen“ (Quai 9) mit der „Cité judiciaire“.