(dpa). - Der Karneval von Venedig verzaubert wieder Touristen und Einheimische. Dies schon bei der Eröffnung: Zum traditionellen „Volo dell'angelo“, dem Engelsflug, schwang sich eine junge Schöne vom Campanile auf den Markusplatz. In einer Konfettiwolke stürzt sich die 22-Jährige vom 99 Meter hohen Glockenturm unter brausendem Beifall in die maskierte Menge. Der Engel ist in diesem Jahr die 22-jährige Bianca Brandolini D'Adda - eine Großnichte des Fiat-Magnaten Gianni Agnelli.
„Ich hatte schreckliche Angst“, erzählt das Mädchen in einem raschelnden, weißen Rüschenkleid kurz nach der Landung dem italienischen Fernsehen. Dennoch sei es so schön gewesen, dass sie sofort noch einmal springen würde. Ihr„ Landeplatz“, die berühmte Piazza San Marco, ist für das zehntägige Kostümfest auch in diesem Jahr komplett in einen fantastischen Zaubergarten verwandelt worden.
„Carnevale di Venezia“, das klingt den Narren in aller Welt wie Musik in den Ohren. Die meisten denken an aufwendige Masken, prunkvolle Kostüme: Der venezianische Mummenschanz hat sich jedoch verändert. Nach dem Motto„ Sensation - 6 Sinne für 6 Stadtviertel“ sieht das Programm keine Masken in den offiziellen Umzügen mehr vor und will die karnevalsmüden Einwohner von Venedig stärker einbeziehen. Jedes Stadtviertel hat einen bestimmten Sinn zugeteilt bekommen, wobei der „6. Sinn“ - der Geist samt seiner Vorstellungskraft - dem Viertel San Marco zugeordnet wurde, dem Herzen der Stadt rund um den Markusplatz.
Als einen Höhepunkt der Karnevalstage präsentierte der künstlerische Leiter Marco Balich diesmal ein Spiel: Bei dem„ Carnivalia“ getauften Amüsement können Besucher sich in einer Art Schnitzeljagd durch die Lagunenstadt bewegen. Dabei entdecken sie auf den Spuren des legendären Frauenhelden Casanova venezianische Geschichte und Geschichten rund um das Fest der Verkleidung.
Das „schönste Fest der Welt“ in venezianischer Version dauert noch bis zum 16. Februar.