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Minister Wiseler vor dem Autofestival
29.01.2010 10:53 Uhr, aktualisiert 30.01.2010 10:05 Uhr

„Verkehrssicherheit und Umweltgedanken“

Ausbau des öffentlichen Transportes geht Hand in Hand mit brauchbaren Infrastrukturen für den Individualverkehr



Foto: Marc Wilwert
Minister Claude Wiseler: „Der Staat soll sowohl bei Umweltthemen als auch in Sicherheitsfragen eine Vorreiterrolle spielen und die Weichen stellen.“

Interview von Teddy Jaans

Am Samstag ist Auftakt des bis Montag, 8. Februar dauernden Autofestivals. Rund 200 Partnerbetriebe öffnen einmal mehr Tür und Tor für die wichtigste Veranstaltung im Luxemburger Automobiljahr. Wir sprachen im Vorfeld mit dem zuständigen Minister Claude Wiseler über Verkehrsplanung, Transportwesen und Regierungsprogramm.

Die Regierung strebt für das Jahr 2020 den sogenannten „Modal Split 75/25“ an, was bedeutet, dass ein Viertel aller Transportbewegungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt werden soll. Welche Investitionen und Infrastrukturen bedingt dieses Konzept?

Den Modal Split kann man nur umsetzen, wenn man den öffentlichen Transport attraktiv gestaltet. Einerseits brauchen wir dazu moderne Umsteigeplattformen, wo man schnell und bequem von einem Transportmittel in ein anderes umsteigen kann und beispielsweise auch Park&Ride-Parkplätze, die in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Ich denke da etwa an die Bahnhöfe Luxemburg, Ettelbrück oder die neu zu errichtenden „Gares périphériques“ rund um die Hauptstadt. Als zweites Element sehe ich die Priorisierung des öffentlichen Transportes auf viel befahrenen Einfallstraßen, auch wenn diese Maßnahmen in der praktischen Umsetzung nicht immer auf die größte Zustimmung stoßen, weil notgedrungen Fahrspuren oder Abstellplätze wegfallen.

Welche Projekte werden Sie in nächster Zeit umsetzen?

Prioritär müssen wir die großen Zentren des Landes – Nordstad, Luxemburg und Belval – miteinander verbinden. Die Fertigstellung der Nordstraße und der Bau der „Liaison Micheville“ in Esch/Alzette scheinen mir logisch, will man den wirtschaftlichen Entwicklungen des Landes Rechnung tragen. Zudem müssen wir die neuen Entwicklungszentren wie den „Ban de Gasperich“ und Cessingen straßentechnisch erschließen. Aus budgetären Gründen werden wir allerdings in naher Zukunft die Notwendigkeit und den Nutzen aller Projekte eingehend prüfen müssen.

Wie steht es um die geplante Trambahn?

Für mich ist die Tram ein Bestandteil des Mobilitätskonzeptes, weil sie uns erlaubt, die großen Mengen von Pendlern, die wir über die Schiene nach Luxemburg transportieren wollen, auch binnen kurzer Zeit innerhalb der Hauptstadt an ihren Arbeitsplatz zu bringen. Die Tram macht als Teil eines Ganzen durchaus Sinn.

Fest installierte Radargeräte sollen 2012 in Betrieb gehen. Welches Gefühl hat man als Minister, wenn man eine solch „unpopuläre“ Maßnahme umsetzen muss?

Ist sie denn unpopulär? Wir wollen ja keine „Radarfallen“. Wir informieren die Automobilisten in aller Offenheit über die Standorte der Geräte. Es geht um die Absicherung unserer Straßen und um weniger Tote und Verletzte, nicht um Einnahmen. Sollte das unpopulär sein, würde auch das mich nicht stören, wenn ich im Gegenzug menschliches Leid verhindern kann. Und davon bin ich überzeugt. Im Übrigen stehen die Geräte im Regierungsprogramm, haben also eine breite Zustimmung gefunden.



Foto: Anouk Antony
Die Sicherheit auf den Straßen soll erhöht werden. Auf der N7 sind einige Neuerungen geplant.

Wie muss man sich das angekündigte Sicherheitsaudit des Straßennetzes vorstellen?

Für die N7 (Nordstraße, ab Friedhof in Richtung Norden) haben wir die Unfälle der vergangenen zehn Jahre untersucht und Lösungen ausgearbeitet. Ich denke da an den Verteilerkreis auf „Schinker“. Mit der N11 (Echternacher Strecke) sind wir mit der Analyse noch nicht fertig, dennoch sind bauliche Maßnahmen mit der Entschärfung der Kreuzung in Höhe von Bech/Consdorf schon im Gange. Begradigungen, neue Beleuchtungen, Geschwindigkeitsbeschränkungen und Straßenmarkierungen sind weitere Mittel, die wir dort wo nötig anwenden werden.

Wie stehen Sie zum geforderten Ausbau der N7 auf vier Fahrspuren?

Sollte die demografische und verkehrstechnische Entwicklung im Landesnorden einen Ausbau sinnvoll erscheinen lassen, wollen wir uns diesbezüglichen Überlegungen nicht verschließen. Einstweilen hat die Sicherheit auf dieser Strecke Vorrang.

Was hat Sie zur angekündigten Kampagne für die sogenannten „schwächeren“ Verkehrsteilnehmer bewogen?

Wir haben unter den Verkehrstoten des vorigen Jahres einen überdurchschnittlichen Prozentsatz an Fahrradfahrern und Fußgängern festgestellt und wollen das Verantwortungsgefühl der Autofahrer ihnen gegenüber stärken. Zudem wollen wir die Straßenverkehrsordnung wo nötig an den zunehmenden Fahrradverkehr anpassen. Regelwerke sollten intuitiv verständlich sein und veränderten Realitäten angepasst werden.

Konzentriert man sich bei der staatlichen Förderung abgasarmer Autos nicht zu sehr auf Kohlendioxid? Wie steht es mit Stickoxiden und Feinstaubemissionen?

Bei den Rußpartikeln ist es so, dass 83,1 Prozent der 2009 zugelassenen Dieselfahrzeuge weniger als fünf Milligramm pro Kilometer ausstoßen, ihre Abgase also wirksam gereinigt werden. Bei den CO2-Emissionen ist der Handlungsbedarf noch weitaus größer, weshalb wir uns vorerst auf das Haupttreibhausgas Kohlendioxid konzentrieren.



Foto: Shutterstock
Dauerthema beim Autofestival sind die Emissionswerte.

Bei allen Vorbehalten, haben die Luxemburger Instanzen schon ernsthaft über Pilotprojekte zur Förderung der Elektromobilität nachgedacht?

Derzeit ist kein größeres konkretes Projekt in der Realisierung. Wir sind uns aber auch bewusst, dass die Elektromobilität eine der wesentlichen Fragen der Zukunft sein wird. Sicher ist ja wohl auch, dass sie zumindest Europa eine andere Abhängigkeit von Energierohstoffen verschaffen wird, als dies aktuell der Fall ist. Auch wirtschaftlich tun sich mit ihr neue Möglichkeiten auf. Aus diesen Gründen behalten wir das Thema im Auge und ich kann mir sehr wohl eine Reihe Projekte vorstellen. Zudem läuft die Entwicklung in diesem Bereich ja rasend schnell.

Was sind Ihre Erwartungen an das Autofestival?

Zusammen mit den beiden Händlervereinigungen haben wir mit den staatlichen Förderprämien wichtige Weichen gestellt. Ich denke da an die Verdopplung der Prämie für besonders energiesparende Modelle (CO2-Ausstoß unter 100 Gramm je Kilometer) zum 1. Januar. Ich hoffe im Sinn der Umwelt und der Händler, dass die Luxemburger sich viele umweltschonende Wagen anschaffen werden.

Ihre Meinung zum Thema

( 3 )
  • Pink Mister meint:
    29.01.2010, 18:05 Uhr
    Zitat:
    Wie steht es um die geplante Trambahn?
    "Für mich ist die Tram ein Bestandteil des Mobilitätskonzeptes, weil sie uns erlaubt, die großen Mengen von Pendlern, die wir über die Schiene nach Luxemburg transportieren wollen, auch binnen kurzer Zeit innerhalb der Hauptstadt an ihren Arbeitsplatz zu bringen. Die Tram macht als Teil eines Ganzen durchaus Sinn."

    Falls et drems geet d'Pendler op der Schinn bis an den Staatzentrum an op de Kierbierg ze brengen, fierwaat doen mier se dann op der Gare emsteigen? Fierwaat den Zuch net direkt weiderfueren loossen bis op den Aldringer? All Verkéiersingenieur wees dass d'Emklammen e grousst Argument ass géint d'Benotzen vun engem Tram oder Bus. Ech wéilt och nët op der Gare 15 Minutten verléieren an mat 20'000 aanere Leit (20% vun 100'000 Frontalier'en) all moies aus der Gare op de Quai vum Tram laafen an dann em meng Plaaz am Tram oder Bus kämpfen. Ech géing léiwer vun Hagondange oder Tréier direkt bis virun d'Post oder op e Kierchbierg fueren, do wou d'Aarbechtsplaazen sin.

    Den Projet vum Zuch ennert der Staad ass jo beschriwwen (www.rer.lu). Leider get en vun der politescher Konkurrenz (falls een daat Konkurrenz nenne kann) promovéiert an dann kréien verschiddener vun eisen Ministeren kaal Féiss. Nëmme keng Fehler maachen, Här Wiseler. Mee de gréisste Fehler ass näicht ze maachen oder just daat weider ze féieren waat déi aaner virun engem ugefaang hun. wou bleiwt de Courage?
  • Nic Scheitler meint:
    29.01.2010, 17:34 Uhr
    Wäre es nicht an der Zeit,das Verantwortungsgefühl der Fussgänger und Radfahrer zu vestärken???Ich bin der Meinung dass ein gewisses Verantwortungsgefühl bei den Autofahrern vorhanden ist.Bei einem grossen Teil der erstgenannten habe ich allerdingst meine Zweifel ob sie wissen dass auch sie den"Code de la Route" einhalten müssen.Denn, wieso laufen Fussgänger wie aufgescheuchte Hühner ohne nach links oder rechts zu schauen über die Strasse, Jugentliche provokativ bei ROT die Strasse überqueren usw??? Es wären noch eine grosse Anzahl solcher Beispiele anzuführen. Diese würden aber den Rahmen eines Kommentares sprengen.
    Gesetzeshüter passen anscheinend nur auf die bösen Autofahrer auf.Ich habe noch nie gesehen dass Radfahrer welche im Pulk fahren jemals verwarnt wurden. Nicht immer ist der Autofahrer bei einem Vekehrsunfall der Schuldige.Verstärkte Verkehrserziehung bei den anderen Verkehrsteilnehmern
    würde wahrscheinlich zu einer Verminderung der Unfälle führen.
  • Romain Schmit meint:
    29.01.2010, 11:49 Uhr
    ooooh Mann!
    Gin et och nach Politiker dei Iddien hun?
    Mussen mer lo op Beckerech goen an den Gira an d'Regierung schleefen fir datt endlech eppes geschitt?
    Armseilech letzebuergesch Regierung...