Interview von Teddy Jaans
Am Samstag ist Auftakt des bis Montag, 8. Februar dauernden Autofestivals. Rund 200 Partnerbetriebe öffnen einmal mehr Tür und Tor für die wichtigste Veranstaltung im Luxemburger Automobiljahr. Wir sprachen im Vorfeld mit dem zuständigen Minister Claude Wiseler über Verkehrsplanung, Transportwesen und Regierungsprogramm.
Den Modal Split kann man nur umsetzen, wenn man den öffentlichen Transport attraktiv gestaltet. Einerseits brauchen wir dazu moderne Umsteigeplattformen, wo man schnell und bequem von einem Transportmittel in ein anderes umsteigen kann und beispielsweise auch Park&Ride-Parkplätze, die in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Ich denke da etwa an die Bahnhöfe Luxemburg, Ettelbrück oder die neu zu errichtenden „Gares périphériques“ rund um die Hauptstadt. Als zweites Element sehe ich die Priorisierung des öffentlichen Transportes auf viel befahrenen Einfallstraßen, auch wenn diese Maßnahmen in der praktischen Umsetzung nicht immer auf die größte Zustimmung stoßen, weil notgedrungen Fahrspuren oder Abstellplätze wegfallen.
Prioritär müssen wir die großen Zentren des Landes – Nordstad, Luxemburg und Belval – miteinander verbinden. Die Fertigstellung der Nordstraße und der Bau der „Liaison Micheville“ in Esch/Alzette scheinen mir logisch, will man den wirtschaftlichen Entwicklungen des Landes Rechnung tragen. Zudem müssen wir die neuen Entwicklungszentren wie den „Ban de Gasperich“ und Cessingen straßentechnisch erschließen. Aus budgetären Gründen werden wir allerdings in naher Zukunft die Notwendigkeit und den Nutzen aller Projekte eingehend prüfen müssen.
Für mich ist die Tram ein Bestandteil des Mobilitätskonzeptes, weil sie uns erlaubt, die großen Mengen von Pendlern, die wir über die Schiene nach Luxemburg transportieren wollen, auch binnen kurzer Zeit innerhalb der Hauptstadt an ihren Arbeitsplatz zu bringen. Die Tram macht als Teil eines Ganzen durchaus Sinn.
Ist sie denn unpopulär? Wir wollen ja keine „Radarfallen“. Wir informieren die Automobilisten in aller Offenheit über die Standorte der Geräte. Es geht um die Absicherung unserer Straßen und um weniger Tote und Verletzte, nicht um Einnahmen. Sollte das unpopulär sein, würde auch das mich nicht stören, wenn ich im Gegenzug menschliches Leid verhindern kann. Und davon bin ich überzeugt. Im Übrigen stehen die Geräte im Regierungsprogramm, haben also eine breite Zustimmung gefunden.
Für die N7 (Nordstraße, ab Friedhof in Richtung Norden) haben wir die Unfälle der vergangenen zehn Jahre untersucht und Lösungen ausgearbeitet. Ich denke da an den Verteilerkreis auf „Schinker“. Mit der N11 (Echternacher Strecke) sind wir mit der Analyse noch nicht fertig, dennoch sind bauliche Maßnahmen mit der Entschärfung der Kreuzung in Höhe von Bech/Consdorf schon im Gange. Begradigungen, neue Beleuchtungen, Geschwindigkeitsbeschränkungen und Straßenmarkierungen sind weitere Mittel, die wir dort wo nötig anwenden werden.
Sollte die demografische und verkehrstechnische Entwicklung im Landesnorden einen Ausbau sinnvoll erscheinen lassen, wollen wir uns diesbezüglichen Überlegungen nicht verschließen. Einstweilen hat die Sicherheit auf dieser Strecke Vorrang.
Wir haben unter den Verkehrstoten des vorigen Jahres einen überdurchschnittlichen Prozentsatz an Fahrradfahrern und Fußgängern festgestellt und wollen das Verantwortungsgefühl der Autofahrer ihnen gegenüber stärken. Zudem wollen wir die Straßenverkehrsordnung wo nötig an den zunehmenden Fahrradverkehr anpassen. Regelwerke sollten intuitiv verständlich sein und veränderten Realitäten angepasst werden.
Bei den Rußpartikeln ist es so, dass 83,1 Prozent der 2009 zugelassenen Dieselfahrzeuge weniger als fünf Milligramm pro Kilometer ausstoßen, ihre Abgase also wirksam gereinigt werden. Bei den CO2-Emissionen ist der Handlungsbedarf noch weitaus größer, weshalb wir uns vorerst auf das Haupttreibhausgas Kohlendioxid konzentrieren.
Derzeit ist kein größeres konkretes Projekt in der Realisierung. Wir sind uns aber auch bewusst, dass die Elektromobilität eine der wesentlichen Fragen der Zukunft sein wird. Sicher ist ja wohl auch, dass sie zumindest Europa eine andere Abhängigkeit von Energierohstoffen verschaffen wird, als dies aktuell der Fall ist. Auch wirtschaftlich tun sich mit ihr neue Möglichkeiten auf. Aus diesen Gründen behalten wir das Thema im Auge und ich kann mir sehr wohl eine Reihe Projekte vorstellen. Zudem läuft die Entwicklung in diesem Bereich ja rasend schnell.
Zusammen mit den beiden Händlervereinigungen haben wir mit den staatlichen Förderprämien wichtige Weichen gestellt. Ich denke da an die Verdopplung der Prämie für besonders energiesparende Modelle (CO2-Ausstoß unter 100 Gramm je Kilometer) zum 1. Januar. Ich hoffe im Sinn der Umwelt und der Händler, dass die Luxemburger sich viele umweltschonende Wagen anschaffen werden.