von henri Leyder
Noch bis Sonntag steht Brüssel im Zeichen des 88. Automobil- und Motorradsalons. Hoch sind die Erwartungen, dass der 2009 abgesackte inländische Markt sich erholt. Die meisten Aussteller liegen deshalb dem „grünen Automobil“ förmlich zu Füßen.
Der Frankfurter Salon stand im Herbst förmlich unter Strom, Brüssel segelt genau so entschieden auf der Welle des reduzierten CO2-Ausstoßes. Bis auf die Nobelmarken haben alle Hersteller ihre „Low Emission“-Modelle ins Rampenlicht gerückt. Der möglichst niedrige Treibhausgas-Ausstoß soll die Probleme an der Verkaufsfront richten, schließlich gingen in Belgien in 2009 die Umsatzzahlen um 11,1 Prozent zurück. Der Staat und die Regionen, vor allem Wallonien, bezuschussen den Kauf von „sauberen“ Kleinwagen zudem mit ansehnlichen Prämien.
Obwohl die „Fédération belge de l’Automobile et du Cycle (Fébiac)“ den Brüsseler Salon vor einigen Jahren mit dem Titel „European Motor Show Brussels“ gekrönt hat, kommt er nicht aus dem Schatten von Frankfurt, Paris, Genf, Detroit und seit wenigen Jahren auch Bologna heraus. Die großen Neuheiten fehlen bis auf wenige Ausnahmen. Sechs Weltpremieren, mit starkem Gefälle im Interessenniveau, sind zu verzeichnen: der ganz neue Fiat Doblò, der Citroën-Prototyp C-Zero, das Mini One Cabrio, die facegelifteten Ford Galaxy und S-Max sowie die Sparversion Ecosport des Hyundai i30.
Das Prädikat „Europäische Premiere“ ist die Silbermedaille in der Hitparade. Nur einen Tag nach seinem Debut in Detroit glänzte in Brüssel der neue Audi A8 auf dem Stand der Marke mit den vier Ringen. Eine Silbermedaille holen sich außerdem: Alfa Brera Italia Independent, Fiat 500 1.3 Mjet 95 hp, Nissan 370Z Roadster und Porsche Boxster Spyder. 60 Mal gibt es Bronze mit dem Prädikat „Belgische Premiere“. Hinzu kommen 18 Concept Cars oder Prototypen, die immer wieder viel Interesse bei den Besuchern finden. 53 Motorräder sind erstmals in Belgien, sieben erstmals in Europa ausgestellt, und zwar drei Can-Am Sypder, drei Yamaha und eine MBK Booster.
Die Krise hat nicht nur Spuren beim Verkauf hinterlassen. Die meisten Stände sind lieblos hergerichtet, durften offensichtlich keinen Cent zu teuer werden. Die drei französischen Marken heben sich aber etwas vom allgemeinen Trend ab. Sie bemühen sich nicht ohne Grund um den belgischen Kunden. Schließlich waren Renault, Peugeot und Citroën bis Ende 2009 Marktführer zwischen Knokke und Athus. Auch der Motorradsektor setzt alles daran, wieder Rückenwind zu bekommen.
Im Vergleich zum Vorjahr sind 2009 nämlich 8,57 Prozent weniger motorisierte Zwei- und Dreiräder verkauft worden. In Brüssel lockt denn auch so manches Sonderangebot, sowohl auf dem „Moto Salon“ (Hallen 1 und 2) als auch auf dem „Auto Salon" (Hallen 3 bis 10). Die „88. European Motor Show Brussels“ ist noch bis zum kommenden Sonntag täglich von 10 bis 20 Uhr, an den Wochenendtagen von 10 bis 18.30 Uhr, am Freitag von 10 bis 22 Uhr geöffnet.