Ferienlektüre
05.08.2009 06:56 Uhr

Entspannung und Vorbereitung

Laurent Zeimet


Foto: Monique Hermes
Ferienzeit ist Lesezeit: Auch Politiker nutzen ihren Urlaub zur Lektüre.

Wir erinnern uns noch an den Wahlkampf: Wenn Politiker eine Freizeitbeschäftigung angeben sollen, erzählen viele, dass sie eigentlich gerne lesen, aber oft nicht die nötige Zeit zum Stöbern bleibt. Nach der Wahl und nach der Regierungsbildung verabschieden sich die Volksvertreter nun langsam, aber sicher in den Urlaub und dürften Zeit finden, sich dem Lesevergnügen hinzugeben.

Ferienzeit ist Lesezeit. Die passende Sommerlektüre gehört für manche Zeitgenossen ins Reisegepäck wie die Zahnbürste.

Die einen erstellen sich eine Reisebibliothek, andere fällen ihre Entscheidung erst am Urlaubsort. Es kommt ja auch auf die Stimmung an, in der man sich gerade befindet. Félix Braz von den Grünen ist eher ein Typ, der sich spontan in der Provence in einen Bücherladen begibt und nach Lust und Laune eine Lektüre aussucht. Nur ein Buch geht mit auf die Reise, „The catcher in the Rye“, der Fänger im Roggen von Jerome D. Salinger. Die Novelle musste Braz zwar schon in der Schule lesen, aber diesen Klassiker kann man immer wieder neu entdecken.

Fraktionskollege François Bausch geht da systematischer vor. Vor der Abreise werden die Urlaubsbücher mit Bedacht ausgewählt. Oben auf der Liste steht zunächst ein Roman, genauer ein „Öko-Krimi“, „Zorn der Wölfe“ des chinesischen Schriftstellers Jiang Rong. Ein Student wird während der Kulturrevolution in die Mongolei geschickt, um das Leben der nomadisierenden Viehzüchter kennenzulernen. „Als die kommunistische Führung das wirtschaftliche Potenzial der mongolischen Steppe entdeckt, drohen Profitgier und blinder Fortschrittsglaube das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur zu zerstören“, heißt es in der Kurzbeschreibung über dieses „Abenteuer-Epos aus dem Reich der Mitte“. Nach diesen 704 Seiten hat François Bausch für seinen Griechenland-Urlaub noch zwei politische Sachbücher in der Reserve. „Wohlstand für viele: Globale Wirtschaftspolitik in Zeiten der ökologischen und sozialen Krise“ des amerikanischen Volkswirts Jeffrey D. Sachs und vom Historiker Eric J. Hobsbawm „L'Empire, la démocratie et le terrorisme“, Gedanken zum 21. Jahrhundert.

Anregungen für die Rentrée

Anregungen für seine politische Arbeit hat sich auch der CSV-Fraktionsvorsitzende Jean-Louis Schiltz ausgesucht. „Post politique“ von Mathieu Laine, will er in Südfrankreich durchlesen. Der junge französische Rechtsanwalt Mathieu Laine unterrichtet an der Sciences Po. In seinem zweiten Buch stellt er die These auf, dass die Politik sich in Details verliert, der Staat nicht der Retter in der Not sein kann. Schiltz ist nicht unbedingt dieser Ansicht. „Ich lese dieses Buch, weil ich mich eben dagegen wehre, dass andere bestimmen als die Politik“. Vor einiger Zeit hatte sich der Fraktionsvorsitzende mit „Postdemokratie“ von Colin Crouch auseinandergesetzt und dies sei nun die „logische Folge“. Wenn Schiltz zu einem Roman greift, dann in der Regel zu einem Werk des französischen Autors Jean-Christophe Rufin. Der Diplomat ist zurzeit Botschafter Frankreichs im Senegal und hat zuletzt einen Öko-Thriller „Le parfum d'Adam“ verfasst, der auch François Bausch gefallen dürfte.

Koalitionspartner Lucien Lux hat sich für seine Ferien nahe Barcelona den Roman „Eskandar“ bei seiner Frau ausgeliehen. „Im Leben meines Helden Eskandar spiegelt sich die dramatische Geschichte, all die Wünsche, Träume und verpassten Chancen meiner Heimat Persiens im letzten Jahrhundert“, beschreibt der Autor Siba Shakib die Handlung seines Romans. Neben dieser eher unterhaltsamen Lektüre, will sich Lucien Lux in die Ursachen und Auswirkungen der Finanzkrise vertiefen.

Fachbücher für Claude Meisch

Ein Thema, mit dem sich auch Oppositionsleader Claude Meisch auseinandersetzen will. Gleich mehrere einschlägige Fachbücher hat er sich zur Seite gelegt, die er auf Gran Canaria studieren will. Der Bürgermeister von Differdingen möchte die Freizeit aber weiter nutzen, um sich in Sachen Stadtentwicklung weiterzubilden. Dem Chef der Liberalen könnte man noch „Die Ausplünderung der Mittelschicht“ vom Wirtschaftsjournalisten der „Süddeutschen Zeitung“, Marc Beise, empfehlen. Dessen Analyse deckt sich mit den Wahlkampf-Argumenten der Demokratischen Partei und könnte als Inspiration für die bevorstehenden Auseinandersetzungen dienen.

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