(cf) - 2.400 Produzenten und Händler aus 47 Ländern, 40.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 50.000 Besucher und jede Menge Events rundherum: Bordeaux feiert in diesen Tagen wieder die Weine, die Spirituosen und sich selbst: die 15. Auflage der Vinexpo-Messe hat begonnen.
Mit einem "Thank you for coming" begrüßt die Hauptstadt der Gironde seine Gäste. Die kilometerlangen Quais an der Garonne, denen Bürgermeister Alain Juppé mit Hilfe eines gigantischen Investitionsprogrammes zu altem Glanz verholfen hat, luden am Wochenende zur "Fête de la fleur" ein.
Die Vinexpo selbst begann am Sonntag und dauert bis Donnerstag Abend. In den Ausstellungshallen und im Kongresszentrum am "Lac", im Norden der Millionenstadt, wird alles angeboten, was auch nur irgendwie mit Wein zu tun hat: teuerste Crus und unbekannte Etiketten aus Bordeaux, unbekannte Schätze aus der Bourgogne, Malbec-Monster aus Argentinien, Barrique-Cabernets aus Chile oder Coppolas "Varietals" und Blends aus Kalifornien. Dazu Isley-Whiskys, Prestige-Cognacs, uralte Portweine und jede Menge Likörflaschen, von denen man noch nie gehört hat.
Praktisch alles darf verkostet werden, aber nicht einfach so zum Spaß: Die Aussteller buhlen um einen neuen Importeur, einen tüchtigen Generalvertreter oder gute Noten der Kritiker. Die Vinexpo ist aber mehr als eine Profi-Weinmesse. Mindestens so wichtig wie die Ausstellung selbst sind die Events, die außerhalb des Messegeländes veranstaltet werden.
Für die (betuchten bzw. krisenfesten) Châteaus ist die Vinexpo die ideale Gelegenheit, mal wieder so richtig zu klotzen und Kollegen, Handelspartner, lokale Notabilitäten und nicht zuletzt Journalisten aus aller Welt einzuladen.
Von der Krise wird zwar geredet, aber man klammert sie einfach mal aus: Korken drauf! Manche Châteaus bevorzugen heiter-rustikale Gartenfeste, anderen setzen auf Prestige. So oder so: Die Einladungen zu diesen Gala-Dinners sind sehr begehrt und wecken bisweilen Begehrlichkeiten bei jenen, die nicht eingeladen wurden. Das ist in Bordeaux nicht anders als in anderen Wein-Regionen...
Zu diesen besonders beliebten Events gehören die Abendessen, die von den Vereinigungen der verschiedenen Appellationen/Regionen organisiert werden.
Am Samstag lud zum Beispiel Saint-Emilion zum Fest der Jurade ein, und gleichzeitig freute sich die Stadt über den 10. Jahrestag der Ernennung zum Unesco-Weltkulturerbe.
In Pessac/Talence, in der südlichen Peripherie von Bordeaux, war das Château La Mission Haut-Brion Gastgeber des Dinners, zu dem die Crus Classés von Graves (Pessac-Léognan) alle zwei Jahre einladen. Empfangen wurden die 530 Gäste von Prince Robert de Luxembourg und seiner Mutter, der Duchesse de Mouchy. Zwei Stunden zuvor hatte das Happening im Château Haut-Brion begonnen, mit einer Verkostung des Jahrgangs 2006. Das Château Haut-Brion befindet sich gleich gegenüber auf der anderen Seite der Rue Jean-Jaurès: Es gehört, wie "La Mission" der Familie des Cousins von Großherzog Henri...
Für Prinz Robert und viele seiner Gäste stand am Sonntag ein weiterer Höhepunkt in der Agenda: Das Château Lafite-Rothschild in Pauillac war Austragungsort des traditionellen Pressedinners, das vom "Conseil des Grands Crus Classés" der Médoc- und Sauternes-Weine organisiert wird. Im Garten des Schlosses von Baron Eric de Rothschild versammelten sich die 300 Privilegierten, selbstverständlich in "cravate noire" (Smoking mit Fliege) und "robe longue", bevor sie nach einem langen Gang durch die Katakomben des Schlosses in den runden Barrique-Keller gelangten.
Dort, wo der 2008-er Jahrgang in den Eichenfässern schlummert, warteten festlich geschmückte Tafeln auf die Gäste: der beeindruckende, vom katalanischen Architekten Ricardo Bofill entworfene Keller mutierte an dem Abend zum Edelrestaurant…