Von Hülya Atasoy
MP3-Player sind hip und chic: Immer mehr Jugendliche besitzen inzwischen ein solches Gerät, das digital abgespeicherte Musik abspielen und dabei in der Regel die gleiche Lautstärke wie ein Presslufthammer erreichen kann. Gesundheitliche Folgen sind da schon fast vorprogrammiert.
„Wer zu oft zu laute Musik hört, schädigt die empfindsamen Haarzellen in der Hörschnecke. Da sie sich aber nur zum Teil regenerieren können, sind Hörschäden wie etwa ein Tinnitus oder auch gezielte Hörschäden auf einer bestimmten Frequenz die Folge“, warnt Jean-Marc Hild, Direktionsbeauftragter beim „Services Audiophonologiques“ des Gesundheitsministeriums.
Hild steht mit dieser Sorge nicht alleine da. Auch die EU-Kommission weiß, dass MP3-Player die Hörfähigkeit schädigen können. Einer Studie zufolge, die Ende vergangenen Jahres in Brüssel vorgestellt wurde, besteht die Gefahr, dass bis zu zehn Prozent aller Nutzer von Musik-Abspielgeräten, also bis zu zehn Millionen Menschen, einen dauerhaften Verlust ihres Hörvermögens erleiden, wenn sie über fünf Jahre hinweg jede Woche mehr als eine Stunde täglich laute Musik von über 89 Dezibel hören. Die für Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissarin Meglena Kuneva befürchtet, dass „gerade die jungen Menschen, die mit ihren MP3-Playern und Mobiltelefonen häufig sehr laut Musik hören, unwissentlich ihr Gehör dauerhaft schädigen.“
Der durchschnittliche Geräuschpegel bei MP3-Playern liegt bei 75-85 Dezibel. Erreichen können die Geräte jedoch mehr: bis zu 100 Dezibel sind möglich (bei „getunten“ Geräten sogar bis zu 110 Dezibel). Damit liegt der Lärmpegel eindeutig im gehörschädigenden Bereich – dieser beginnt nämlich bei 85 Dezibel.
Dabei muss beachtet werden, dass sich die Schallintensität bei einer Zunahme der Lautstärke um drei Dezibel verdoppelt. Wie Hild erklärt, ist bei 97 Dezibel nach 150 Minuten die zulässige Schallbelastung für eine Woche erreicht, bei 100 Dezibel nach 75 Minuten und bei 109 Dezibel nach 9 Minuten.
Die Lautstärke spielt folglich eine erhebliche, jedoch nicht die alleinige Rolle, um einen Hörschaden zu erleiden. Wie Hild erklärt, kommt es nämlich auch erheblich auf die Dauer der Aussetzung an: „Es sind beide Elemente zusammen.“ Das Heimtückische dabei: die Schäden machen sich nicht immer sofort bemerkbar, sondern treten in vielen Fällen erst Jahre später auf. „Die Folgen einer zu lauten MP3-Player-Nutzung werden sich in Zukunft zeigen, wenn nämlich die Erstnutzer eines Hörgerätes immer jünger werden“, sagt der Experte.
Für Hild gilt die Faustregel „Je leiser, desto länger“. Dies solle aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass zu lautes Musikhören allein einen Hörschaden verursacht, meint er. Auch alldiejenigen Dinge, die auf den Kreislauf einwirken, spielen eine Rolle: „Bekommen die Hörzellen, die ja auch durchblutet sind, durch einen schlechten Kreislauf zu wenig Sauerstoff, sterben sie ab.“ Negativ beeinflusst wird die Blutzirkulation unter anderem durch eine falsche Ernährung, Müdigkeit oder auch durch Zigaretten- oder Alkoholkonsum. „So wie ein Raucher weiß, dass er durch seinen Nikotinkonsum Gefahr läuft, an Lungenkrebs zu erkranken, so muss auch jeder, der laut Musik hört, sich der Gefahr einer bleibenden Gehörschädigung bewusst sein“, meint Hild. Dass dies aber nicht immer der Fall ist, bedauert der Experte. Daher gebe es auch vor allem im Bereich der Aufklärungsarbeit noch viel Nachholbedarf. Vor allem in Schulen und in Diskotheken müsse die Jugend gezielt über die Gefahren zu lauter Musik informiert werden.
Ohrstöpsel aus Schaumstoff: Sie sind sehr wirksam und können die Lautstärke um bis zu 30 Dezibel reduzieren. Ganz einfache Standard-Ausführungen sind für kleines Geld in der Apotheke erhältlich. Individuell angefertigte „Musiker-Ohrstöpsel“ bieten einen besseren Klang, sind aber auch entsprechend teurer. Bis zu 150 Euro müssen dafür berappt werden.
Übrigens: Auf Wunsch verteilt die Rockhal in Esch/Alzette bei einem Konzertbesuch kostenlose Ohrstöpsel.
Disco, Club und Party: Zum Schutz der Hörfähigkeit muss niemand vollständig auf das Ausgehen verzichten. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, sich nicht zu nah an den Musikboxen aufzuhalten.
Ruhephase: Nach einer lauten Disconacht sollten die Ohren für mehrere Tage geschont werden. Lärmbelastungen sollten für mindestens drei bis vier Tage vermieden werden.
Lebensstil: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann einem Hörleiden vorbeugen.
20 Dezibel: Atmen
40-50 Dezibel: Geräusche in der Wohnung, Regen
55 Dezibel: Gespräch
70 Dezibel: Fernseher
85 Dezibel: Straßenverkehr
90 Dezibel: Lastwagen, Rasenmäher
100 Dezibel: Ghettoblaster, Presslufthammer
110 Dezibel: Diskolärm
120 Dezibel: Düsenjet
Zur Info: Wegen der gesundheitlichen Bedenken prüft die Europäische Kommission derzeit, mit welchen Maßnahmen Kinder und Jugendliche besser vor den Gefahren einer Hörschädigung durch MP3-Player und ähnliche Musikabspielgeräte geschützt werden können.
Services Audiophonologiques; 3, rte d’Arlon; L-8009 Strassen; Tel.: 44 54 64-251