(dpa) - "Smartphones und Tablets sind die Zeitungen der Zukunft", sagte Mathias Döpfner, der Chef des deutschen Axel-Springer-Verlags, vor fünf Monaten auf einer Fachmesse und sprach von einer glänzenden Zukunft für die Medienbranche.
Inzwischen glänzt der Hoffnungsträger iPad in den Augen vieler Medienmanager nicht mehr ganz so wie sein Display. In der Branche herrscht Aufregung, weil Apple auch bei Zeitungsabos auf dem iPad die Hand aufhält und obendrein Abonnenten-Daten für sich behalten will.
"Mit dem Preisdiktat haben wir unsere Probleme", sagte der Hauptgeschäftsführer desVerbandes Deutscher Zeitungsverleger, Dietmar Wolff, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Es sei zwar positiv, dass Apple über Abo-Modelle nachdenke. Der iPad-Hersteller habe aber "Schleusen aufgebaut, die in der Praxis so nicht funktionieren werden".
Gemeint ist eine Mitteilung von Apple vom Dienstag, in der erklärt wird, wie Abonnements digitaler Inhalte auf dem iPad künftig gehandhabt werden sollen. Dieser Beschluss lässt den Verlegern die Möglichkeit, ihren Kunden ein Abonnement außerhalb der iPad-App anzubieten - also außerhalb der Software für das Lesen der digitalen Ausgaben auf dem iPad. In diesem Fall müssen die Verlage die Bestellmöglichkeit aber zusätzlich auch innerhalb der App zu mindestens den gleichen Konditionen bereitstellen.
Bei diesen "In-App-Käufen" kassiert Apple einen Anteil von 30 Prozent. Erfahrungsgemäß bevorzugen die meisten App-Nutzer eine Bestellung direkt in der Anwendung gegenüber dem Umweg etwa auf Website des Anbieters. BDZV-Hauptgeschäftsführer Wolff sagte dazu: "Für langfristige Abos ist das keineswegs akzeptabel und angemessen."
Für die Verlage dürfte es schwer sein, iPad-Leser dazu zu bewegen, auf das einfache und gewohnte Bestellverfahren direkt in der App zu verzichten und stattdessen "das vergleichsweise unbekannte Verfahren der Verlage" zu wählen.
Beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hieß es, das vorgelegte Modell bedeute erhebliche Einschränkungen für das App-Geschäft der Verlage. Es sei zwar positiv festzuhalten, dass es jetzt ein eigenständiges Abo-Modell für die Verlage gebe. Die damit einhergehenden Bedingungen gingen aber zu weit. Die Verleger bemühten sich daher weiter um Gespräche mit Apple.
Im Streit um den Zugriff auf die Kundendaten soll die Entscheidung bei den Nutzern liegen. Mit ihrer Zustimmung würden Name, E-Mail-Adresse und Postleitzahl an den Verlag übermittelt, teilte Apple mit.
"Ich habe den Eindruck, dass leichtes Entgegenkommen bei Apple besteht, aber die bis dato klare Forderung der Verlage nach freiem Zugang zu den Kundendaten wird so nicht erfüllt", hieß es in der Chefredaktion einer Tageszeitung. Anders als in den USA oder Großbritannien hänge der wirtschaftliche Erfolg eines Verlags in Europa zu einem erheblichen Teil von der eigenen Kunden- beziehungsweise Abo-Datei ab.
Aus der Sicht von Apple stellt sich die Sache sehr viel einfacher dar. Vorstandschef Steve Jobs erklärte das Verfahren mit der Formel: "Wenn Apple einen neuen Abonnenten für die App gewinnt, erhält Apple einen 30-prozentigen Anteil; wenn der Verleger einen bestehenden oder neuen Abonnenten für die App gewinnt, behält der Verleger 100 Prozent." Dies sei "die gleiche innovative Lösung zur Abrechnung digitaler Abonnements", die Apple für die iPad-Zeitung "The Daily" vereinbart habe - dieses Angebot des Konzerns News Corp. wurde kürzlich vom US-Großverleger Rupert Murdoch vorgestellt.
Beim Blick auf die Zukunft der Zeitung schauen einige schon über das iPad hinaus: Das weitaus offenere Google-System Android bietet sich verstärkt als Alternative zum Tablet-Pionier Apple an. Der von Google voraussichtlich beanspruchte Umsatzanteil von zehn Prozent sei wesentlich realistischer, sagte Wolff.
Vom Tablet-Computer als Vertriebsweg erhoffen sich die Verlage eine tragfähige Strategie, die den "alten Medien" einen gesicherten Platz im digitalen Leben bieten soll. Möglicherweise, so räumen viele in der Branche ein, haben sie die Suche danach zu spät begonnen.