Von Teddy Jaans
Die Reisewelle rollt, der lang ersehnte Urlaub im Ausland kann endlich angetreten werden. Findet die Anreise mit dem eigenen Wagen statt, bietet sich der Automobilclub nicht nur mit praktischen Ratschlägen, sondern auch mit Vignetten und Sendern für die elektronische Maut in Frankreich (Télépéage) an.
„Absoluter Spitzenreiter ist die Schweizer Autobahnvignette mit 16.000 verkauften Exemplaren im Jahr 2009. Dicht dahinter folgt das österreichische Pickerl mit 12.000 Stück jährlich, wobei die 10-Tages-Vignette am meisten Anklang findet“, so Lex Friederich vom Empfangs- und Beratungsdienst des ACL in Helfenterbrück. Im Gegensatz zur Schweizer Vignette, die für ein ganzes Jahr gilt, ist diejenige für Österreich zeitlich begrenzt. Es können aber beispielsweise für einen zweiwöchigen Urlaub zwei Vignetten kombiniert werden.
Neben diesen kann man sich in Bartringen auch Vignetten für Tschechien und seit April dieses Jahres auch für Ungarn besorgen. Letztere wird über Internet vom ACL angefragt, ein Papierausdruck ersetzt den Aufkleber. „Reisende von Luxemburg nach Serbien nutzen die Strecke durch Ungarn sehr gerne, um die überteuerte Maut in Slowenien zu umgehen“, weiß Friederich. Sehr beliebt ist auch immer noch die italienische Viacard, eine Art Pre-paid-Karte, mit der man spezielle Terminals an den Mautstellen ansteuern kann. Immerhin 3.700 dieser Karten wurden im vorigen Jahr verkauft. Selbst Gutscheine für den Eisenbahntransport durch den schweizerischen Lötschbergtunnel bietet der ACL an.
„Das völlig automatische Zahlungssystem ,Télépéage‘ für das französische Autobahnnetz hat in den vergangenen beiden Jahren eingeschlagen wie eine Bombe“, so Friederich weiter. Dazu wird bei der Sanef (Société des Autoroutes du Nord et de l'Est de la France) eine Art Abonnement angefragt, der Kunde erhält einen kleinen Sender und kann fortan die speziell eingerichteten Spuren an den Zahlstellen ganz Frankreichs durchfahren.
Damit entfällt für ihn die lästige Warterei an den Mautstellen, da die jeweils linken Spuren immer für das „Télépéage“ reserviert und somit frei von Stau sind. „Ein Kunde von uns war von Luxemburg nach Bordeaux ganze zwei Stunden schneller unterwegs als sein Bekannter, der keinen solchen Sender bei sich hatte“, so Lex Friederich. Die fällige Maut wird automatisch per Kreditkarte abgebucht.
Für Ferienreisende besonders interessant: Die Fixkosten von 2 Euro pro Monat werden nur für die Monate berechnet, während derer das System benutzt wird. Allein im Juli dieses Jahres wurden nicht weniger als 1.100 Télépéage-Anträge beim ACL gestellt. Leider konnte man für Italiens Telepass ein entsprechendes Abkommen noch nicht aushandeln.
Wichtig für Deutschlandbesucher ist die Umweltplakette, die mittlerweile zum Befahren von 40 Stadtzentren obligatorisch ist. Diese kann ebenfalls beim ACL angefragt werden und wird von der Dekra in Deutschland bearbeitet. Nach rund acht Tagen bekommt man die Plakette (Grün, Orange oder Rot) nach Hause zugesandt. Zwar kontrollieren bei unseren deutschen Nachbarn die Ordnungsämter im Regelfall nur bei abgestellten Fahrzeugen die Plaketten, aber wer der Polizei aus irgendeinem anderen Grund in eine Kontrolle gerät, muss mit mindestens 40 Euro zusätzlicher Verwarnung rechnen.
Wegen des großen Andrangs bis Mitte August wurde das 12-köpfige Team des ACL mit Aushilfskräften verstärkt, so dass für eventuelle Fragen zu Planung und Organisation auch noch Zeit bleibt. „Wir sehen uns als Dienstleister, wobei unsere Berater allesamt auch reisefreudige Menschen sind und für die Belange der Kunden ein offenes Ohr haben“, so Lex Friederich abschließend.
Abschließend noch einige interessante Zahlen, was Bußgeldhöhen im Ausland anbelang: Bis zu 5.500 Euro kostet eine Geschwindigkeitsübertretung um 50 km/h in Großbritannien, in Österreich kostet dieselbe „Sünde“ noch 2.180 Euro. Vergisst man in Belgien, die Warnweste bei einer Panne oder einem Unfall auf der Autobahn zu tragen, kostet das mit 1.375 Euro genauso viel wie eine nächtliche Alkoholfahrt in Italien, die in Tschechien immerhin noch mit 970 Euro geahndet wird. Und auch in unserem Nachbarland Frankreich kosten Geschwindigkeitsübertretungen zwischen 450 und 1.500 Euro.
Voraussichtlich ab Herbst, wenn eine diesbezügliche EU-Direktive in den Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt wurde, sollen Verwarnungen in der ganzen Europäischen Union zugestellt werden. In dem Fall wird man zahlen müssen, auch wenn man nicht direkt von der Polizei gestoppt wurde. Noch nicht ganz klar ist, ob der Tatzeitpunkt oder das Zustellungsdatum für die Vollstreckung ausschlaggebend sein werden. Wie auch immer, eine korrekte Fahrweise bleibt empfehlenswert, und das nicht nur wegen der hohen Bußgelder.