119 Menschen sind in den vergangenen zehn Jahren in Luxemburg bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, bei denen das Fahrzeug gegen einen Baum geprallt war. Insgesamt 862 Personen wurden bei solchen Zusammenstößen im gleichen Zeitraum verletzt.
So steht es in der Antwort von Claude Wiseler, Minister für nachhaltige Entwicklung und Infrastrukturen, auf die parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Gast Gibéryen (ADR). Der Minister pflichtet in seinem Schreiben dem Parlamentarier bei: „Es stimmt, dass bei vielen schweren Unfällen ein Straßenbaum in die Kollision verwickelt ist. Die Lösung kann allerdings nicht darin bestehen, alle Bäume, die am Straßenrand gepflanzt wurden, zu entfernen.“
Überall dort, wo es möglich sei, würden die Straßenbäume von Leitplanken gesichert. Über besonders gefährliche Strecken würden Experten in einer Arbeitsgruppe ein Sicherheitsaudit durchführen und bei neuen Baumpflanzungen im Prinzip Distanzen von zwei bis fünf Meter zum Straßenrand eingehalten, heißt es aus dem Ministerium.
„Auch ein Abstand von zwei bis fünf Meter der Bäume zum Straßenrand bringt nichts. Damit die Geschwindigkeit eines Wagens, der mit 70 km/h fährt, ausreichend abgebremst wird und der Impakt im Prinzip keine tödlichen Folgen mehr haben kann, müssten die Bäume, laut einer US-Studie, zehn Meter vom Straßenrand entfernt stehen“, sagt Jeannot Mersch, Präsident der „Association nationale des victimes de la route“.
„Jeder vierte Tote bei einem Verkehrsunfall in Luxemburg ließ bei einer Kollision mit einem Baum sein Leben. Entlang neuer, moderner Straßen gehören keine Bäume. Wir wollen natürlich nicht, dass bestehende Bäume gefällt werden, allerdings sollte man keine neuen mehr pflanzen und unbedingt Leitplanken an gefährlichen Straßenabschnitten anbringen“, so Jeannot Mersch, der dafür plädiert, anstelle von Bäumen, Hecken entlang der Straßen zu pflanzen.
Ein Seitenaufprall mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 70 km/h könne bereits tödlich für Fahrer oder Beifahrer sein, erklärt der AVR-Präsident. „Im Ausland hat man das Problem mit folgenden Maßnahmen in den Griff bekommen: Reduzierung der erlaubten Geschwindigkeit, konsequente Geschwindigkeitskontrollen, automatische Radarkontrollen, Aufklärungskampagnen, Infrastrukturmaßnahmen wie Leitplanken und neue Straßen. Dies sind natürlich auch die Lösungsansätze für Luxemburg“, sagt Jeannot Mersch.
Isabelle Medinger, Direktorin der „Sécurité routière“, ist gleicher Meinung. Natürlich müssten die gefährlichen Stellen entschärft werden und anstatt von Bäumen könne man z. B. Hecken pflanzen, sagt Isabelle Medinger. „Ich denke dabei auch an das Prinzip der ,Forgiving Roadsides‘, bei dem der Straßenrand so gestaltet wird, dass ein von der Fahrbahn abgekommenes Fahrzeug abgefangen werden kann und die Insassen keine gravierenden Verletzungen erleiden.“
Den ungekürzten Artikel finden Sie im Luxemburger Wort von Dienstag.