Der Besuch des ukrainischen Präsidenten Janukowitsch in Moskau ist in mancher Hinsicht ein Fanal. Fünf Jahre nach der Orangenen Revolution in der Ukraine sind ihre Bannerträger politisch gescheitert. Aber nicht nur dort hat Russland wichtige außenpolitische Erfolge verbuchen können: Auch gegenüber Georgien hat der Kreml „Terrain“ wettgemacht: Georgiens abtrünnige Gebiete Abchasien und Südossetien sind heute russische Vorposten. Galt dem russischen Militär eine Nato-Osterweiterung um die Ukraine und Georgien lange als größte Bedrohung, so hat sich jüngst das strategische Umfeld spektakulär zugunsten Russlands gewendet. Von einer Einkreisung kann keine Rede sein.
In Analogie des im Kalten Krieg von US-Außenminister John Foster Dulles propagierten „Rollback“ sowjetischen Einflusses in Europa, könnte Moskau von einem Zurückdrängen des westlichen Einflusses in seiner Einflusssphäre Osteuropa sprechen. Nachbarn wie Polen und die baltischen Staaten sehen dies mit gemischten Gefühlen – zumal US-Präsident Obama hat die Raketenabwehr auf Eis gelegt hat. Doch auch Moskau hat sich in manchen Streitfragen bewegt. So hat der Kreml nach jahrelanger Blockade der Reform des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs zugestimmt. Auch bei den UN-Sanktionen gegen den Iran zeichnet sich ein Gesinnungswandel in Moskau ab. Eine „Entente“ bleibt also möglich.