(jw) – Nach der Zusage zum Kauf einer umstrittenen CD mit Informationen über deutsche Steuersünder hat im Nachbarland Deutschland offenbar die Jagd auf Fiskusflüchtlinge begonnen. Laut dem Nachrichtenmagazin “Spiegel” führt eine Spur der bayerischen Steuerfahndung auch zu einem Geldinstitut nach Luxemburg.
Der “Spiegel” berichtet davon, dass Steuerfahndern in mehreren Bundesländern entsprechende Pakete angeboten wurden. In München sollen die Beamten Kunden zweier Banken auf der Spur sein. Dabei handelt es sich offenbar um eine kleinere schweizerische Bank und ein Geldinstitut aus Luxemburg. Auch wenn Luxemburg in dem Bericht als “Fürstentum” bezeichnet wird, so steht dort zu lesen, dass Daten von “mehr als tausend deutschen Kunden angeboten worden sind”. Bestätigen wollten die bayerischen Behörden dies allerdings nicht.
Unterdessen soll auch der Kauf der umstrittenen CD mit den deutschen Steuersündern am Wochenende über die Bühne gehen. Wie das Magazin “Focus” berichtet, sind vier deutsche Steuerfahnder aus Wuppertal nach Frankreich unterwegs, wo der Informant die CD überreichen soll. Der Anbieter fürchtet, dass er bei einer Übergabe in Deutschland verhaftet werden könnte und man die CD beschlagnahmt.
Ebenfalls berichtet der “Focus” über eine spektakuläre Selbstanzeige eines Steuersünders aus Berlin. Er habe den Finanzbehörden sein Konto in der Schweiz gestanden und die Begleichung seiner Steuerschuld in Höhe von 4,5 Millionen Euro vereinbart. Damit hätte sich die Kaufsumme von 2,5 Millionen Euro bereits ausgezahlt.
In einem anderen Fall hat die französische Justiz Deutschland Zugriff auf die ihr vorliegenden Steuersünder-Daten der HSBC Privatbank in Genf angeboten. Unter den Bankkunden seien auch zahlreiche Deutsche, sagte Staatsanwalt Eric de Montgolfier aus Nizza dem "Focus".
Britische Behörden haben ihrerseits laut "Financial Times" (Samstag) Interesse bekundet, die jetzt von Deutschland erworbenen Daten bezüglich ihrer Bürger auszuwerten. Dies ist im Rahmen europäischer Amtshilfe ohnehin üblich.