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Schwierige Sicherheitslage
29.01.2010 09:14 Uhr, aktualisiert 29.01.2010 14:38 Uhr

Zahl der Erdbeben-Opfer steigt auf 170 000

Behörden waren von 150 000 Opfern ausgegangen


16-Jährige lebend geborgen
Foto: dpa
Ein 16-jähriges Mädchen wurde lebend gerettet und befindet sich in der Obhut von Medizinern der französischen Armee.

(dpa) - Eine junge Haitianerin hat 15 Tage unter den Trümmern eines vom Erdbeben zerstörten Wohnhauses überlebt. Ein französisches Team rettete die 16-Jährige am Mittwoch und sprach von einem "Wunder".

Die Frau, die stark ausgetrocknet war, habe etwas von einer Flasche Limonade gestammelt, die sie am Tag des Jahrhundertbebens eventuell dabei gehabt habe, sagten Helfer. Auch könnte sie in den Trümmern eines Badezimmers Zugang zu etwas Wasser gehabt haben.

Bei dem Beben der Stärke 7,0 seien etwa 170 000 Menschen ums Leben gekommen, sagte Staatspräsident René Préval auf einer Pressekonferenz. Zuvor hatten die Behörden die Zahl der Toten mit mindestens 150 000 Menschen angegeben.

Mehr als 130 Menschen konnten die Einsatzkräfte bislang lebend aus den Trümmern bergen. In der Nacht zum Donnerstag erschütterte ein Nachbeben der Stärke 4,1 Haiti. Das Epizentrum war nach Angaben der US-Erdbebenwarte in einer Tiefe von 58,4 Kilometer etwa 30 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Weitere Opfer oder Schäden gab es nach Berichten vom Donnerstag offenbar nicht.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton rief die Weltwirtschaft auf, Geld für Haiti bereitzustellen und dort zu investieren. "Sie werden es nicht bereuen und sich besser fühlen, wenn Sie sich beteiligen", sagte Clinton, der UN-Sonderbeauftragter für Haiti ist, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Der brasilianische Außenminister Celso Amorim, warnte in Davos davor, dass die Jugend Haitis abwandere. "Sie können zeigen, dass es nicht nur die Gier gibt", sagte Amorim den versammelten Wirtschafts- und Bankenführern aus aller Welt. Haiti brauche neben Investitionen auch Zoll- und Quotenfreiheit für seine Exportprodukte, vor allem Textilien und Lederwaren. Auch gelte es, die gewaltigen Umweltsünden, etwa den Raubbau an den Wäldern, zu beenden.

Dauerhafte Unterstützung erforderlich

Das kirchliche Hilfswerk Adveniat rief zu einer dauerhaften Unterstützung beim Wiederaufbau Haitis auf. "Unsere Hilfe beginnt, wenn die eigentliche Katastrophe längst vergessen scheint und die alltägliche Katastrophe der Armut andauert", sagte der Vorsitzende der Bischöflichen Kommission Adveniat, der Münsteraner Bischof Felix Genn, am Donnerstag in Essen.

Viele Menschen in Haiti versuchen, dem Chaos zu entkommen und ins Ausland zu gehen. Ein französisches Flugzeug brachte in der Nacht zum Donnerstag 40 haitianische Kinder nach Paris, die von Franzosen adoptiert worden waren. An Bord waren auch 50 Helfer, die in Port-au- Prince bei ihrem fast zweiwöchigen Einsatz 15 Menschen lebend aus zerstörten Gebäuden geborgen hatten.

Schwierig ist nach wie vor die Lage der Obdachlosen, die Vereinten Nationen schätzt ihre Zahl auf 800 000 bis zu einer Million. "Wir suchen verzweifelt Zelte und Behelfsunterkünften" sagte UN- Generalsekretär Ban Ki Moon am Mittwoch (Ortszeit) in New York. Auch die Versorgung mit Essen sei kritisch, obwohl sich die Situation allmählich bessere. Nach eigenen Angaben haben die Vereinten Nationen 77 Prozent ihres Haiti-Fonds zusammen. Nach dem Erdbeben hatte der Generalsekretär einen Nothilfefonds in Höhe von 575 Millionen Dollar (410 Millionen Euro) von den Mitgliedsländern verlangt.

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