Island
29.01.2009 12:19 Uhr

Künftige Regierungschefin gegen mehr Walfang

Internationales Ansehen des Landes leidet



Foto: AP
Island erkennt das Verbot auf kommerzielle Jagd der Internationalen Walfangkommission (IWC) nicht an.

(dpa) - Islands künftige Regierung will den Walfang kräftig einschränken oder ganz verbieten. Die als Ministerpräsidentin erwartete Sozialdemokratin Jóhanna Sigurdardóttir sagte am Donnerstag am Rande von Koalitionsverhandlungen in Reykjavik, man werde eine Entscheidung des noch geschäftsführend amtierenden Fischereiministers Einar Gudfinnsson für erhöhte Fangquoten "aller Voraussicht nach rückgängig machen".

Gudfinsson hatte noch nach der Rücktrittserklärung von Ministerpräsident Geir Haarde und dessen großer Koalition jährlich 150 Finnwale und 100 Zwergwale für die kommerzielle Jagd bis 2013 freigegeben. Im vergangenem Jahr waren lediglich 40 Zwergwale zum Abschuss freigegeben worden.

Sigurdardóttir soll eine Linksregierung führen, deren Amtsantritt für das Wochenende erwartet wird. Sie erklärte, die massive Erhöhung der Walfangquote "in letzter Minute" durch den abtretenden Fischereiminister von der konservativen Unabhängigkeitspartei habe sie "doch sehr verwundert".

Schon in der großen Koalition hatten sich die dort beteiligten sozialdemokratischen Minister ausdrücklich gegen die Zulassung des kommerziellen Walfangs durch den Fachminister ausgesprochen. Dieser hatte aber das alleinige Entscheidungsrecht.

Die Sozialdemokraten sowie die mit ihnen künftig regierenden Rotgrünen begründen ihren Widerstand gegen den Walfang vor allem mit dem Verlust an internationalem Ansehen für Island. Auch die heimische Fremdenverkehrsbranche setzt sich mit diesem Argument für eine Beendigung des international heftig kritisierten Walfangs vor der Atlantikinsel ein.

Die kommerzielle Jagd auf die riesigen Meeressäuger ist seit 1986 durch die Internationale Walfangkommission (IWC) verboten. Island erkennt das Verbot nicht an, weil die Bestände mehrerer Arten vor den eigenen Küsten für ausreichend groß gehalten werden.

Ihre Meinung zum Thema

( 1 )
  • Antonietta Tumminello meint:
    30.01.2009, 14:44 Uhr
    Durch Jahrzehnte lang andauernden Walfang wurden viele Wal- und Delfinarten an den Rand der Ausrottung gebracht. Auch heute sind diese faszinierenden Meeressäuger immer noch der Bejagung und zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Meeresverschmutzung, durch Boote und Unterwasserbohrungen verursachter Lärm, Verlust ihres Lebensraumes, Beifang in Fischnetzen und die globale Erwärmung, die unsere Meere verändert, sind einige der vom Menschen verursachten Bedrohungen.