Von Andreas Holpert
Die Folgen der Wirtschaftskrise haben sich auch beim Strom- und Gasverbrauch ausgewirkt. Bei den privaten Kunden sei der Verbrauch zwar konstant geblieben, bei den Industriekunden habe es jedoch einen starken Einbruch um bis zu 25 Prozent gegeben, erklärte Jean Lucius, CEO von Enovos Luxembourg, in einem Gespräch mit dem LW. Positiver Nebeneffekt des geringeren Energieverbrauchs ist ein geringerer CO2-Ausstoß.
Auf den Gas- und Stromverbrauch der Privathaushalte hatte die Krise 2009 keine große Wirkung. Im Gasgeschäft konnte die Zahl der Kunden sogar um etwa zehn bis 15 Prozent gesteigert werden. Der Verbrauch sei stabil geblieben, so Lucius. Beim Strom gab es auch im vergangenen Jahr wieder einen leichten Anstieg, weil die Bevölkerung weiter anwachse und zusätzliche neue Geräte in Betrieb genommen werden.
Bei den industriellen Kunden habe es 2009 hingegen einen dramatischen Verbrauchsrückgang sowohl beim Strom als auch beim Gas gegeben. „Die Krise hat auch in Luxemburg auf den Strom- und Gasverbrauch gedrückt“, sagte der Enovos-CEO. Wesentlich dafür verantwortlich sei die Verringerung der Produktion vor allem in ernergie-intensiven Betrieben gewesen, was bereits seit Oktober 2008 zu einem niedrigeren Energiebedarf geführt habe.
„Der Gasverbrauch liegt im Jahresdurchschnitt 20 bis 25 Prozent unter dem Vorjahreswert, beim Strom ist es ein Minus von zehn bis 12 Prozent“, erklärte Lucius. Eine überraschende Entwicklung sei das vor dem Hintergrund, dass z. B. bei Goodyear weniger Reifen produziert wurden oder in vielen Unternehmen kürzer gearbeitet worden ist, allerdings nicht. Den Unterschied zwischen dem Nachfragerückgang bei Gas und Strom begründet Lucius damit, dass Enovos z. B. ArcelorMittal mit Gas aber nicht mit Strom versorgt.
Der Stahlriese ist der größte Industriekunde und Aktionär des Luxemburger Energiekonzerns. Den Strom für seine Elektrostahlwerke bezieht der Riese von der Sotel.
Dass die Industrie in Luxemburg weniger Energie genutzt hat, spürte Enovos auch finanziell. Das Energieunternehmen hatte den Strom für 2009 bereits 2008 eingekauft. „Den nicht genutzten Strom haben wir vergangenes Jahr über den Markt zurückverkauft, allerdings zu Preisen, die deutlich unter unseren Einkaufspreisen von 2008 lagen“, sagte der CEO. Beim Gaseinkauf sei die Entwicklung noch viel schlimmer gewesen, weil durch den Nachfrageeinbruch in ganz Europa plötzlich ein Überangebot an Gas bestanden habe, das über die Spotmärkte zum Verkauf angeboten wurde. Die Preise seien dementsprechend gefallen, was zu Verlusten geführt habe. Druck sei zudem auf die Verträge entstanden, weil viele Kunden meinten, statt sich langfristig zu binden, kurzfristig bessere Preise erzielen zu können.
Enovos habe dank seiner flexiblen Gas-Lieferverträge frühzeitig den Bedarf zurückfahren können, um nicht zu viel am Markt verkaufen zu müssen. „Wir haben im Gasgeschäft keine Verluste gemacht“, betonte Lucius. Auf die Resultate der Gesellschaft, die vor einem Jahr aus der Fusion von Cegedel, Soteg und SaarFerngas hervorgegangen ist, hatten die negativen Erfahrungen im Stromhandel jedoch keinen Einfluss. „Enovos erzielte 2009 ein gutes Resultat“, betonte Lucius. Als Grund dafür nannte er die gute Einkaufs- und Vertragspolitik des Energieversorgers, der trotz Verlusten im Stromgeschäft insgesamt aber über ein gutes Portfolio-Management verfüge.
Hier habe sich auch die Fusion ausgezahlt, die den Einkauf und den Handel in viel größeren Mengen ermöglicht, womit sich Effekte der Krise auffangen ließen. Die Resultate dürften auch weiterhin stabil bleiben, obwohl der Druck auf die Margen beim Abschluss der neuen Lieferverträge für 2010, 2011 und 2012 wegen des Überangebots am Markt gestiegen sei. Für Stabilität sorge vor allem der konstant steigende Verbrauch bei den Privatkunden. Enovos sei wie viele Energiekonzerne nicht allein abhängig von der Industrie, sagte Lucius. Neben der Krise blieb auch das Wetter nicht ohne Einfluss auf den Energiebedarf, was sich für Enovos allerdings positiv auswirkte. Bis Dezember sei es noch ein normales Jahr gewesen. Aber 2010 hätten die kalten Temperaturen den Energieverbrauch in den Privathaushalten spürbar ansteigen lassen, so Lucius. Bei der Abdeckung des künftigen Energiebedarfs agiert Enovos vorsichtig. Es sei schwer, den tatsächlichen Verbrauch vorherzusagen.
Nach den Erfahrungen im vergangenen Jahr mit den Verlusten im Stromgeschäft habe der Konzern für 2010 nur das Minimum eingekauft – also die Menge, die sicher verkauft wird. Bei Mehrbedarf werde nachgekauft. „Wir wollen die Situation vermeiden, dass wir Strom an den Markt zurückverkaufen müssen“, betonte Lucius. Bei Gas besteht über die bestehenden Verträge eine größere Flexibilität. „Das Minimum, das wir vertraglich abnehmen müssen, können wir sicher verkaufen“.
In den ersten drei Monaten kann Enovos in der Industrie wieder einen steigenden Energieverbrauch messen. „Wir liegen jedoch bei Gas 15 bis 20 Prozent und beim Strom sieben bis acht unter dem Niveau von 2008“, so der Enovos-Chef. Hier muss sich das Unternehmen auch einem zunehmenden Wettbewerb stellen. Man habe die Preise angepasst. Die Zahl der Kunden schwanke nur unwesentlich, so Lucius.
Beim Abschluss von langfristigen Neuverträgen – länger als drei Jahre – gibt es Klauseln, die Anpassungen ermöglichen. Bei den Privatkunden rechnet Enovos mit einem steigenden Strombedarf von zwei bis drei Prozent. Beim Gas hänge viel vom Wetter ab. In der Industrie fehle noch die klare Tendenz, ob die Konjunktur wieder anspringe oder die Wirtschaft erneut in eine Krise schlittert.