wort.lu | Business | Frieden: "Bankgeheimnis besteht auch noch in fünf Jahren"
 
28. „Journée boursière“ auf Kirchberg
05.03.2010 08:07 Uhr, aktualisiert 05.03.2010 08:39 Uhr

Frieden: "Bankgeheimnis besteht auch noch in fünf Jahren"

Finanzminister Luc Frieden sprach vor einer Rekordzahl an Gästen



Foto: Marc Wilwert
Eindringlich warnte Finanzminister Luc Frieden vor steigender öffentlicher Verschuldung.

(pley) - Das Bankgeheimnis wird auch noch in fünf Jahren bestehen. Der Inhalt und die Reichweite der Vertraulichkeit, die es bietet, werden sich allerdings verändern. Dies erklärte Finanzminister Luc Frieden am Donnerstag Abend bei der 28. „journée boursière“, zu der sich eine Rekordzahl von 1 000 Gästen im neuen Konferenzzentrum auf Kirchberg eingefunden hatte.

Den Luxemburger Banken gab Frieden den Rat, die nächsten fünf Jahre zu nutzen, um ihren Kunden die bestmögliche Beratung und die bestmöglichen Produkte zu bieten. Im Grunde gehe es bei den andauernden Diskussionen im EU-Finanzministerrat und in Foren wie dem G20 nicht um das Bankgeheimnis an sich, sondern um die Beziehung der Bürger zu ihren Steuerverwaltungen. Innerhalb Europas gelte es zu klären, wieviel Vertraulichkeit erwünscht und wieviel notwendig sei.

Die Luxemburger Regierung betrachte das Bankgeheimnis als wesentliches Instrument des Schutzes der Privatsphäre, sagte der Minister. Gleichzeitig sei es legitim, wenn alle Staaten verlangen, dass ihre Gesetze – auch ihre Steuergesetze – von all ihren Bürgern befolgt werden. „Wir wollen kein Platz sein, wo Kunden zum Nachteil ihres Heimatlandes hinkommen“, unterstrich er. Die verschiedenen Gesetzesvorschläge in Steuerfragen, die dem Finanzministerrat vorliegen, würden nicht mit den Vorgaben des G20 übereinstimmen, monierte Frieden.

Mit zweierlei Maß messen?

Die Europäische Union müsse sich ernsthaft fragen, ob sie wirklich mit zweierlei Maß messen wolle – mit dem automatischen Informationsaustausch in ihren Binnengrenzen, und mit dem Austausch auf Anfrage außerhalb. Er bedauerte, dass nur wenige Länder die „ausgezeichnete Funktionsweise“ der Quellensteuer würdigen würden. Luxemburg habe in den Jahren 2007 und 2008 insgesamt 320 Millionen Euro, und im vergangenen Jahr 170 Millionen Euro an die Heimatstaaten von Bankkunden überwiesen.

Frieden kündigte für die kommenden Monate heftigen Widerstand im Finanzministerrat an. „Wir werden den Texten, die jetzt auf dem Tisch liegen, nicht zustimmen!“, sagte er, und richtete sich dabei besonders an die im Saal anwesenden Botschafter. Es mache wenig Sinn, das Vergangene zu verteidigen, vielmehr gelte es, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Dazu gehöre ein verbessertes rechtliches Umfeld. Etwa im Bereich der Investmentfonds, wo noch vor dem Sommer mit einer Regelung zu rechnen sei, die den Platz auch für die noch wenig vertretenen Indexfonds attraktiver mache.

Tadel für Länderexamen des GAFI

Lob und Tadel gab es für das rezente Länderexamen des GAFI (Groupe d'action financière). Das internationale Gremium messe kleine Länder oft mit Instrumenten, die nur für große Länder geeignet seien. Nichtsdestotrotz werde Luxemburg die wichtigsten Empfehlungen, etwa die Verhängung schärferer Sanktionen und die Kontrollen vor Ort durch die CSSF, in den nächsten Wochen umsetzen. Eindringlich warnte Frieden vor steigender staatlicher Verschuldung. Noch in diesem Jahr müsse der Rückgang eingelegt werden, um die Ausgaben zu beschränken. Eine öffentliche Schuld von 30 Prozent des BIP würde in Luxemburg jährlich etwa 350 Millionen Euro für die Zinstilgung erfordern.

Dies sei nur dann zu rechtfertigen, wenn die aufgenommenen Mittel zur Verbesserung der Infrastruktur verwendet würden, nicht zur Finanzierung laufender Ausgaben. Im Kern gehe es bei der Notwendigkeit eines Sparkurses um die Souveränität Luxemburgs, denn „wenn wir verschuldet sind, sind wir nicht länger frei“.

Ihre Meinung zum Thema

( 2 )
  • Romain Dehm meint:
    06.03.2010, 00:41 Uhr
    Diese Rede ist ein finanzpolitisches Fiasko.Fern ab jeder Realität die sich innerhalb und ausserhalb der EU abspielt,will der luxemburger Politgeist wieder als Musterschüler vor den Karren springen.Sehr effektiv schält sich in dieser Rede die Kapitulation unserer Politikergilde gegenüber dem massiven Druck deutscher Herrkunft heraus.So jedenfalls wird der Bvd Royal,auch kleine Wall-Street genannt,in einigen Jahren eher einem verlassenem Ort ähneln wo sich Unkraut durch den Asphalt drängt und ein stürmischer Wind durch die leeren Prachtgebäude den Supergau des Bankenplatzes Luxemburg verkündet.Ein teutonischer Adler sitzt herrisch auf der"Gölle Fra" und von fern und nah dringen die Klänge von Ennio Moricones Meisterwerk "Spiel mir das Lied vom Tod" in die Ohren der verlumpten und ausgemergelten Kreaturen des ehemaligen stolzen und wiederspenstigen Musterknaben Europas.Wo sind sie geblieben,die Widerstandskämpfer,die mit ihrer zähen Diplomatie und unerschüttlichem Selbstvertrauen den Totengräber mit geschwellter Brust entgegentraten.Dupont,Werner,Thorn und auch einst Junker waren der Fels in der Brandung,die jeder Welle egal wie heftig sie auch war,trotzig die Stirn bot.Und jetzt?Kleinlautes Aufmupfen und ängstliche Diplomatie sind jedenfals nicht die politischen Werkzeuge die von Nöten wären,um eine drohende Niederlage im europäischem Kampf um den attraktivsten Bankenplatz abzuwenden.Was haben wir zu befürchten,wenn wir den Neidern die Stirn bieten?Etwa ein Handelsboykott,oder ein Rausschmiss aus der Eu? Mitnichten,denn wir bewegen uns im legalem Steuerecht Europas.Mit der Einführung der Zinsteuer,die in jedes europäische Land überwiesen wird,wenn auch anonym,sind wir vor Vorfürfen jeder Art gewapnnet.Auch bei kriminellen Verdachtsmomenten wird jetzt schon grenzüberschreitend mit den jeweiligen Behörden zusammengearbeitet.Was will man mehr?Eines vorweg,es wird immer Schwarzgeld geben,auch in dr BRD. Für dieses Phänomän kann es keine europäische Lösung geben,es sei denn,alle nicht europäischen "Steueroasen" und deren gibt es zuhauf,würden sich an einer gerechten Lösung beteiligen.Alles andere käme nur einer Kapitalverschiebung in genau diese "Steueroasen" gleich.So dämmlich kann doch kein halbwegs intelligenter Mensch sein,um dieses nicht zu erkennen.Also "Roude Leiw" erhebe dich und zeige denen die Zähne die selbst im Glashaus sitzen.
  • D. W. meint:
    05.03.2010, 10:30 Uhr
    Interessanter Artikel, der allerdings Angst um Luxemburgs Zukunft weckt. Denn was bedeuten diese Aussagen eigentlich?

    1. "Das Bankgeheimnis wird auch noch in fünf Jahren bestehen. Der Inhalt und die Reichweite der Vertraulichkeit, die es bietet, werden sich allerdings verändern." Bedeutet: Das Bankgeheimnis bleibt. Wir definieren diesen Begriff einfach um! Auch wenn wir bei Geldschnüffeleien aus dem Ausland künftig helfen werden, heißt dies ja immer noch nicht, dass der Nachbar einfach bei der Bank über mein Guthaben nachfragen kann. Also: Was wollt Ihr denn, wir HABEN doch das Bankgeheimnis.

    2. "Wir wollen kein Platz sein, wo Kunden zum Nachteil ihres Heimatlandes hinkommen". Bedeutet: "Wir sind jetzt halt mal damit einverstanden, dass die Leute ihr Geld hier künftig nicht mehr anlegen wollen und dass Luxemburgs Staatshaushalt den Bach runtergeht".

    3. "Die Europäische Union müsse sich ernsthaft fragen, ob sie wirklich mit zweierlei Maß messen wolle – mit dem automatischen Informationsaustausch in ihren Binnengrenzen, und mit dem Austausch auf Anfrage außerhalb." Bedeutet: Luxemburg empfiehlt der EU, den automatischen Informationsaustausch GENERELL abzuschaffen und überall nur noch auf Anfrage Information austauschen. Aha, das ist also Luxemburger Realismus.

    4. "Es mache wenig Sinn, das Vergangene zu verteidigen, vielmehr gelte es, die Weichen für die Zukunft zu stellen." Bedeutet: "Wir wollen Euer Schwarzgeld nicht mehr, jetzt entwickeln wir einfach tolle neue Finanzprodukte, die es noch nirgends auf der Welt gibt und graben allen anderen Finanzplätzen (London, Paris, Frankfurt, Schweiz) auf diese Weise das Wasser ab. Die werden das schon nicht merken.