Die Luxemburger Fondsindustrie hat die Turbulenzen nach der Finanzkrise gut überstanden. Der Finanzplatz konnte seine Position als wichtigster Standort für den grenzüberschreitenden Fondsvertrieb behaupten. Die Investmentfondsvereinigung Alfi will sich dafür einsetzen, das Fondsgeschäft nachhaltig zu stärken. „Die Konkurrenz schläft nicht, und wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern“, zog Claude Kremer, Präsident der Alfi, am Freitag Bilanz.
Kremer wollte nichts beschönigen: „Das Risiko der Verlagerung von Aktivitäten in Niedriglohnländer besteht. Umso mehr muss Luxemburg sich anstrengen, neue Aktivitäten zu fördern und Nischen besetzen“, betonte der Alfi-Präsident. Durch eine Erweiterung der kritischen Masse könne auch die Basis der Aktivitäten vergrößert werden. Die Alfi will dabei eine aktive Rolle spielen. Kremer nannte fünf „Baustellen“, auf denen die Fondsvereinigung im Interesse ihrer Mitglieder besonders intensiv tätig werden will.
Zu den Prioritäten zählt die Alfi die Förderung eines besseren Verständnisses zwischen Fondsanbietern und Endkunden. Vetriebsgesellschaften müssten den Anlegern besser erklären, was die Fondsindustrie eigentlich macht, so Charles Müller, stellvertretender Generaldirektor der Alfi. Über ein Investment-Center sollen die Fondsakteure Investoren Hinweise, Ratschläge und Erklärungen geben – eine Verbindung zwischen den Anbietern und den Endkunden.
Ein weiteres ehrgeiziges Projekt sei die geplante Repräsentanz in Hongkong. Noch im Verlauf dieses Jahres wolle die Alfi dort ein Büro aufmachen. Asien sei ein wichtiger Markt für luxemburgische Fonds und Hongkong sei als internationale Plattform die richtige Tür zu diesem Markt, betonte der Alfi-Präsident. Bereits heute seien viele ausländische Fonds in Hongkong notiert, rund 50 Prozent davon würden das Label „Made in Luxembourg“ tragen. Vor Ort, wo auch viele heimische Kunden eine Niederlassung hätten, will man für luxemburgische Finanzprodukte werben und den Kontakt zu Aufsichtsbehörden pflegen.
Eine der wichtigsten Aufgaben sieht die Fondsvereinigung in der aktiven Begleitung von Gesetzen und Direktiven. Kremer wies in diesem Zusammenhang insbesondere auf die neue EU-Fondsrichtlinie Ucits-IV hin, die den grenzüberschreitenden Vertrieb erleichtern und den Anlegerschutz erhöhen soll.
Bis 2011 soll die Direktive in den EU-Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. Kremer ist zuversichtlich, dass Luxemburg mit einer schnellen Umsetzung seine Vorreiterrolle im Fondsgeschäft wird behaupten können. Intensiv beschäftigt sich die Organisation zudem mit der geplanten Richtlinie zur Regulierung alternativer Fondsprodukte.
Luxemburg hat sich die gute Position im internationalen Fondsgeschäft in der Vergangenheit auch durch seine Innovationskraft erarbeitet. „Wir müssen unserem Ruf als Produktschmiede gerecht werden“, so Kremer. Neben der Werbung für Spezialitäten sollen Nischen ausgebaut werden, die sich an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten. Die Alfi begrüßte ausdrücklich den attraktiven steuerlichen Rahmen für islamische Finanzprodukte. Außer „Islamic Finance“ nannte Kremer als Beispiele für das Nischenangebot noch Mikrofinanz-Fonds oder den Bereich „Verantwortungsvolles Investieren“.
Die letzte „Baustelle“ betrifft die Wettbewerbsfähigkeit. Die Alfi betreibe aktives Lobbying bei der Regierung, um die Attraktivität des Standorts zu verbessern. Die internationale Konkurrenz schlafe nicht, so Kremer. Es reiche auch nicht aus, konform mit allen EU-Regeln zu sein. Besonders auf der Kostenseite gäbe es anhaltenden Druck auf die Akteure. Der Alfi-Präsident sprach von „juristischen Unsicherheiten“, die abgeschafft werden müssten. Der Steuerproblematik bei der Umsetzung der Ucits-IV-Direktive werden z.B. nicht genügend Beachtung geschenkt, hieß es.