(vb) – Die Staatsanwaltschaft hat drei Tage lang eine umfangreiche Razzia bei der Luxemburger Niederlassung der ehemaligen isländischen Kaupthing-Bank durchgeführt. Es geht um den Verdacht illegaler Machenschaften, berichtet das britische Wirtschaftsblatt "Financial Times".
Nach Informationen des Blattes seien 40 Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft von Mittwoch bis Freitag vergangener Woche in den Büros der Kaupthing-Bank am Boulevard Kennedy auf Kirchberg gewesen und hätten Akten sichergestellt sowie Bankangestellte befragt. Sie seien von isländischen Strafverfolgern unter der Leitung des bekannten Finanzermittlers Olafur Hauksson unterstützt worden.
Die Luxemburger Bankenaufsicht CSSF ist nicht in die Aktion eingebunden.
Nach der Pleite der isländischen Kaupthing-Bank, die lange Zeit die hauptsächlich belgischen Kunden der Niederlassung auf Kirchberg um ihre Ersparnisse bangen ließ, war das Geldhaus in "Banque Havilland" umbenannt worden. Die gesunden Vermögensanteile wurden von der Investmentfirma Blackfish Capital aufgekauft, hinter der eine britische Unternehmerfamilie steht. Die toxischen Papiere wurden in die Bad Bank "Pillar Securitisation" ausgegliedert.
Nach dem Bericht der "Financial Times" soll die Kaupthing-Bank vor ihrem Zusammenbruch illegale Geschäftspraktiken angewendet haben. So sei ein Großteil der Kreditvergabe an den Hauptaktionär und eine kleine Gruppe von ausgewählten Kunden erfolgt. Der Hauptaktionär habe, so die Vorwürfe, das Geld zum Teil verwendet, um den Aktienkurs in die Höhe zu treiben.