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25. – 29.01.2010
29.01.2010 19:04 Uhr

Investoren bleiben nervös

Anne Arend und Pierre Stoll aus dem Handelsraum der Banque de Luxembourg geben jede Woche einen Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse auf den Finanzmärkten.

Europa: Wirtschaftsvertrauen seit 10 Monaten am Steigen

Im laufenden Monat hat sich das Wirtschaftsvertrauen noch einmal verbessert. Dies ist der zehnte monatliche Anstieg in Folge. Gestützt wurde die Exportwirtschaft durch eine anziehende Nachfrage nach Wirtschaftsgütern, was natürlich auch den Ergebnissen der Unternehmen zugute kommt. Ein Index der Europäischen Kommission, welcher die Konjunkturerwartungen von Managern und Konsumenten abbildet, stieg auf 95,7 Punkte, was die Erwartungen der Analysten bei weitem übertraf, da letztere von einem Anstieg auf 92,3 (Dezember 91,3) ausgegangen waren. Nichtsdestotrotz sind sich die Volkswirte einig: berauschend sind die Aussichten nicht, die Erholung der Wirtschaft wird weitergehen, aber etwas langsamer als im zweiten Halbjahr 2009.

Auch der deutsche Konjunkturbarometer IFO des Instituts für Wirtschaftsforschung steigt seit 10 Monaten ununterbrochen an. Die Erwartungen liegen, wie bereits schon während der vorigen Monate, deutlich über der aktuellen Lage (100,6 Punkte gegenüber 91,2).

USA wie so oft mit gemischten Zahlen

Der Häusermarkt bleibt das Sorgenkind der Amerikaner: nach Angaben des Instituts S&P/Case Shiller sind die Häuserpreise in den 20 größten Ballungszentren der USA im vergangenen November um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat zurückgegangen. Die Mehrheit der Analysten hatte dagegen mit einem leichten Preisanstieg von 0,1 Prozent gerechnet. Auf Jahressicht gingen die Häuserpreise um 5,3 Prozent zurück, statt der von den Experten prognostizierten 5,0 Prozent.

Laut dem Case-Shiller-Institut haben sich die Preise regional stark unterschiedlich entwickelt. Während sie in fünf Großräumen stiegen, wurden in Regionen wie Las Vegas oder Seattle neue Vier-Jahres-Tiefs ermittelt. Auch die Zahl der verkauften Häuser lag von Monat zu Monat mit 5.79 Millionen deutlich unter den 6.26 Millionen die erwartet wurden.

Dagegen fassen die US-Verbraucher Vertrauen: Der Index, den das Forschungsinstitut Conference Board ermittelt, ist im Januar im dritten Monat in Folge gestiegen, nämlich von 53,6 auf 55,9 Punkte. Dies ist gleichzeitig der höchste Wert seit September 2008, als die Hypotheken- und Finanzkrise die Weltwirtschaft erfasste. Dies gibt Hoffnung auf eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes, da der private Konsum für rund zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukt verantwortlich ist.

US-Earningsseason mit ein paar Erfolgsmeldungen...

Nach Glanzresultaten von Intel und AMD reiht sich auch Texas Instruments in die Reihe jener ein, welche Analysten und Investoren positiv überraschten. Im vierten Quartal 2009 verdiente der Konzern 655 Millionen USD (107 Millionen im gleichen Vorjahreszeitraum). Auch das Pharmaunternehmen Johnson & Johnson meldete einen Sprung in punkto Umsatz und klettert im vierten Quartal um 9 Prozent auf 2,21 Milliarden USD. Auch der Computer und Handy Hersteller Apple erfreut mit sehr guten Zahlen: Gewinn von 3,4 Milliarden im vierten Quartal bei einem Umsatz, der 32 Prozent über dem Vorjahreswert liegt.

... aber auch Enttäuschungen...

So gilt der weltgrößte Baumaschinenhersteller Caterpillar als Spiegel der Konjunktur. Lediglich 2,50 Dollar Gewinn pro Aktie prognostiziert das Unternehmen für 2010, während Analysten von 2,71 Dollar ausgegangen waren. Caterpillar setzt all seine Hoffnungen auf eine weiterhin anziehende Konjunktur in den Schwellenländern, vor allem in China. Die Volkswirtschaft dürfte laut Caterpillar um mehr als zehn Prozent wachsen.

Die amerikanische Notenbank (FED) setzt Nullzinspolitik fort

Trotz einer leichten Konjunkturbelebung hält die Federal Reserve an der expansiven Geldpolitik bis auf weiteres fest. Keine Inflationsbefürchtung und eine Konjunkturlage, welche voraussichtlich “für einen längeren Zeitraum” Anlass bietet, die Zinsen weiterhin extrem niedrig zu halten, sind die Begründungen des FOMC (Offenmarktausschuss der FED).

Griechenland plaziert erfolgreich eine Anleihe über 8 Milliarden Euro

Griechenland hatte am Montag eine fünfjährige Anleihe im Volumen von acht Milliarden Euro am Markt vertrieben und war damit bei Anlegern auf reges Interesse gestoßen. Die Regierung in Athen muss jedoch einen kräftigen Renditeaufschlag dafür zahlen: Der Zinssatz des Papieres liegt nach Angaben Griechenlands bei 6,1 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie der vergleichbare deutscher Papiere.

Nach der erfolgreichen Platzierung will Griechenland im Februar eine weitere Anleihe auf den Markt bringen, diesmal mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Der gesamte Kapitalbedarf Griechenlands liegt in diesem Jahr bei 53 Milliarden Euro - mehr als 13 Milliarden Euro sind bereits geschafft. Unterdessen haben Ratingagenturen wie Standard & Poor's , Moody's und Fitch die Notierung heruntergeschraubt bedingt durch ein Haushaltsdefizit von 12,7 Prozent des Inlandproduktes.

Wie die Financial Times berichtete, versuchte anscheinend Goldman Sachs laut unbekannten Quellen die Anleihe an Chinas “State Administration of Foreign Exchange” zu verkaufen. China hätte dieses Geschäft jedoch abgelehnt und Griechenland wollte diese Nachricht nicht bestätigen.

US-Wirtschaftswachstum legt im 4. Quartal 2009 kräftig zu

Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt ist im vierten Quartal mit 5,7 Prozent so kräftig gewachsen wie seit gut sechs Jahren nicht mehr. Das ist mehr als doppelt so viel wie im dritten Quartal mit 2,2 Prozent. Ein stärkeres Wachstum hatte es zuletzt im Sommer 2003 gegeben. Analysten hatten mit einem Plus von 4,6 Prozent gerechnet.

Auch der Einkaufsmanagerindex liegt im Monat Januar mit 61,5 deutlich über den Erwartungen der Analysten, welche nur 57,2 erwartet hatten.
Aber auch die Stimmung der US-Verbraucher hellt sich im Januar weiter auf. Der Index der Universität Michigan steigt auf 74,4 Punkte nach 72,8 Punkten im Dezember 2009. Damit hat der an den Finanzmärkten viel beachtete Index ein zwei-Jahres-Hoch erreicht.

Wie reagierten die Börsen diese Woche?

Die Aktienmärkte haben sich als sehr volatil entpuppt. So verlor der DJ Eurostoxx50 am Donnerstag 2.9 Prozent. Über die Woche schließt der Index aber nur mit leichten Verlusten von rund 0.7%. Die recht guten Zahlen aus Amerika bescheren dem S&P500 Unterstützung. Der Index verliert wohl auch ein bisschen, steht aber mit einem Minus von 0,4% leicht besser da als die Europäer.

Das ‘Griechenproblem’ beschert dem Euro einen Verlust gegenüber dem US-Dollar, welcher sich über die ganze Woche hinzog. Am Ende steht die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,3925 gegenüber 1,4150 am Anfang der Woche. Auch die Feinunze Gold verliert leicht, was sich mit einem Minus von 1,2 Prozent ausdrückt. Das Fass Öl hingegen schließt die Woche unverändert bei 74,25 Dollar.

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