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Anstieg der Arbeitslosenrate
27.01.2010 08:20 Uhr

Krise trifft lothringische Grenzgänger

Besserung der Lage vorerst nicht in Sicht



Foto: afp
Die Stahlindustrie zählt in Lothringen nach wie vor zu den wichtigen Arbeitgebern.

von Cordelia Chaton

Die Wirtschaftskrise in und um Luxemburg schlägt sich in den lothringischen Arbeitslosenzahlen nieder. Laut einem Bericht des „Républicain Lorrain“ stiegen diese stark an. Zum ersten Mal seit 1990 nimmt die Zahl der französischen Grenzgänger ab.

Thionville verzeichnet den dritthöchsten Anstieg der Arbeitslosenrate in der Großregion nach Le Bassin Houillier und Briey, dicht gefolgt von Longwy. Der nördliche Bereich des Mosel-Beckens zählt rund 12 000 Arbeitssuchende; davon 6 834 in Thionville und 4 793 in Hayange. Im Bereich Longwy suchen 4 400 Menschen Arbeit. Dies entspricht einer Zunahme zwischen 27 und 37 Prozent je nach betrachtetem Bezirk innerhalb eines Jahres.

44 Prozent Zunahme

Der Bericht des Lothringischen Wirtschafts- und Sozialrates kommt sogar auf 44 Prozent Zunahme. Der Bericht hält fest: „Lothringen ist durch die Wirtschaftskrise stärker betroffen als der nationale Durchschnitt“ und verweist auf 9,9 Prozent Arbeitslosenrate in Lothringen im Vergleich zum gesamtfranzösischen Wert von 9,1 Prozent. „Zum ersten Mal seit 1990 erhöht Lothringen nicht sein Kontingent an Grenzgängern in Luxemburg“, stellt der Bericht weiter fest.

Tatsächlich gibt es einen Rückgang von über 500 Stellen. Von dieser Situation sind vor allem junge Arbeitssuchende – in erster Linie Männer – betroffen. Die Autoren rechnen nicht mit einer Besserung in den kommenden Monaten, sondern eher mit einem Anstieg der Arbeitslosenrate auf über zehn Prozent für Lothringen. In einigen Bezirken kann es weit mehr sein. In Lothringen arbeitet mehr als jeder Zehnte in Luxemburg. Der Stand von 95 700 Grenzgängern (1.1.2009) dürfte bald die 100 000 überschreiten. Damit sind die Grenzgänger für die Wirtschaft des Départements ausschlaggebend.

Die Statistiken leiden auch unter der herausragenden Stellung der Zeitarbeit. Denn zahlreiche Arbeitnehmer sind dort tätig, haben aber durch die Krise ihren Job verloren. Es sieht nicht nach Besserung aus. Pascal Sinnes vom Pôle emploi in Thionville stellt in der französischen Presse klar: „Einige reden vom Aufschwung. Aber es ist die Krise; wir sind mittendrin. 2010 wird noch schwierig. Und wir wissen weder, was die großen Unternehmen machen werden, noch, was in Luxemburg geschieht.“ Immerhin, seit Dezember hat er das Gefühl, dass es nicht weiter bergab geht, sondern stagniert.

Der Pôle emploi entstand vor einem Jahr durch die Zusammenlegung der französischen Adem („Administration d'emploi“) und der Assedic („Association pour l'emploi dans l'industrie et le commerce“). Auch in Longwy macht sich die Krise des Nachbarlandes bemerkbar. „Achtzig Prozent der Arbeitssuchenden waren zuvor auf der anderen Seite der Grenze beschäftigt“, wird Regis Classen vom Pôle emploi in Longwy zitiert. Dennoch spielt Nationalität offenbar keine Rolle bei den Entlassungen. Eures-Berater Eric Barthélémy: „Die Unternehmen haben sich nicht in erster Linie von Nicht-Luxemburgern getrennt.“ Er sieht in der Nähe Lothringens zu Belgien und Luxemburg mehr „eine Chance als alles andere“.

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