wort.lu | Business | Amerika und China beeinflussen die Märkte
 
18. – 22.1.2010
22.01.2010 17:51 Uhr

Amerika und China beeinflussen die Märkte

Anne Arend und Pierre Stoll aus dem Handelsraum der Banque de Luxembourg geben jede Woche einen Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse auf den Finanzmärkten.

Positive Nachrichten vom US-Immobilienmarkt

Die Baugenehmigungen in den Vereinigten Staaten konnten im Monat Dezember um 11% ansteigen, wogegen der Markt eher mit einem Status quo gerechnet hatte. Experten deuteten dies als Zeichen dafür, dass der Aufschwung im Häusermarkt doch nachhaltig zu sein scheint. Die schwächeren Zahlen im Bereich der Baubeginne werden jetzt lediglich auf das schlechte Winterwetter zurückgeführt. Die Baufirmen rechnen auch weiterhin mit wachsenden Verkaufszahlen, da die staatlichen Steuererleichterungen für Erstkäufer bis Juni verlängert und sogar noch erweitert wurden.

Neuer Riesenkonzern

Seit August 2009 laufen die Verhandlungen um eine Übernahme des englischen Süßwarenherstellers Cadbury durch den Nahrungsmittelkonzern Kraft. Das letzte Angebot stieg von 10,5 auf 11,9 Milliarden englische Pfund. Gemeinsam kommen die Firmen Kraft und Cadbury auf einen Umsatz von umgerechnet 50 Milliarden Euro. Damit rücken sie deutlich näher an Nestlé heran, der Weltmarktführer bei Lebensmitteln ist.

Inflationsschock in England

Ein unerwartet hoher Preisanstieg im Dezember 2009 von 2,9 % (die Analysten waren von 2,6 % ausgegangen) katapultierte das englische Pfund auf den höchsten Stand seit vier Monaten. Mit 2,9 % liegt die Jahresrate in Großbritannien deutlich über der von der Bank of England (BoE) angestrebten Marke von 2,0 %.

Experten gehen aber nicht davon aus, dass der Ursprung dieses Preisanstiegs auf die enorm hohe Liquidität zurückzuführen ist, welche von der BoE in Umlauf gebracht worden ist. Der Anstieg der Jahresteuerung in Großbritannien geht auch eher auf Sonderfaktoren zurück: Ende 2008 hatte die Regierung die Mehrwertsteuer vorübergehend gesenkt, um den Konsum in der Rezession anzukurbeln. Aus diesem Grund hatten auch die Einzelhändler ihre Preise kräftig gesenkt.

US-Earnings Season mit unterschiedlichen Resultaten bei den Banken

Gespannt waren die Investoren, wie das vierte Quartal 2009 bei den US-Banken ausgefallen ist. Der Star unter den Banken war ganz klar Goldman Sachs, der die Gewinnerwartungen des Marktes bei weitem übertraf: ein Gewinn von 8,30 USD je Aktie, wobei lediglich 5,20 USD erwartet wurden. Für das Jahr 2009 kommt Goldman Sachs auf einen Gewinn von 13,4 Milliarden Dollar.

Dagegen enttäuschte die Bank of America mit tiefroten Zahlen im vierten Quartal 2009: ein Minus von 5,2 Milliarden oder 0,6 USD pro Aktie. Schuld an der anhaltend schwierigen Situation des Instituts ist die Tatsache, dass sie die größte Retail-Bank der USA und der größte Geldgeber von privaten Konsumentenkrediten ist. Dieser Markt steht im Moment stark unter Druck, da viele amerikanische Haushalte unter Lohnkürzungen und starker Arbeitslosigkeit leiden und es daher mehr und mehr zu Kreditausfällen kommt.

Auch Citigroup kommt aus der Verlustzone nicht raus. Im vierten Quartal 2009 schrieb die Bank nach zuletzt drei positiven Quartalen einen Verlust von 7,6 Milliarden US-Dollar. Der Grund hierfür ist die Rückzahlung von Geldern, die sie vom amerikanischen Staat erhalten hatte (TARP Programm).

Arbeitslosigkeit bleibt ein Problem in Amerika

Diese Woche mussten mehr Amerikaner als erwartet die Arbeitslosenhilfe beantragen. Der Markt hatte 440 000 Erstanträge erwartet, doch es wurden 482 000 eingereicht. Das Arbeitsministerium erklärte, die Zunahme sei auf einen feiertagsbedingten Überhang von Anträgen zum Jahresende zurückzuführen. Nichtsdestotrotz hatte die Nachricht einen negativen Einfluss auf die Finanzmärkte, sie wurde dann aber noch von Obamas neuem Regulierungsprogramm für Banken übertrumpft.

Obama kündigt Einschnitte bei der Risikobereitschaft der Banken an

US-Präsident Barak Obama zieht Konsequenzen aus der Finanzkrise und kündigte am Donnerstag verschiedene Maßnahmen an, um die Risikobereitschaft der Banken einzuschränken. Ein Teil des Plans könnte die Auftrennung der Geldinstitute in Handelsbanken und Investitionsbanken sein, zudem soll der Eigenhandel von Banken eingeschränkt werden. Die Maßnahmen haben zum Ziel, dass die Banken nicht mehr zu groß werden und in einer Krise vom Staat gerettet werden müssen. Als die Bank Lehman Brothers im September 2008 zusammenfiel, war der Rettungsplan der US-Regierung, nämlich Milliarden Dollar in die Banken zu pumpen, die einzige Möglichkeit, um das Bankensystem zu retten.

Einige Lobbyisten kündigten bereits ihren Widerstand an. Sie argumentieren, das Banken-Aufsichtssystem sei zu modernisieren und die Bankenindustrie sollte nicht in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückgeführt werden.

China tritt auf die Wachstumsbremse

Um einer Überhitzung der Wirtschaft entgegenzuwirken, hat China eine Reihe von Maßnahmen getroffen, die der rasanten Wirtschaftsdynamik einen Dämpfer versetzen sollen. Einerseits werden die Mindestreserven nach oben geschraubt, welche die Banken bei der chinesischen Zentralbank hinterlegen müssen. Dies hat zur Folge, dass die in großer Menge vorhandenen Liquiditäten etwas abgeschwächt werden.

Andererseits haben die chinesischen Behörden den Banken bis Ende Januar untersagt, neue Kredite an die Wirtschaftsakteure zu geben. Die Überhitzung der chinesischen Volkswirtschaft wird weniger von einem Konsumrausch der chinesischen Bevölkerung ausgelöst als vielmehr von der Tatsache, dass die chinesischen Unternehmen aufgrund von Investitionsprogrammen weiterhin sehr stark wachsen. Unter den Analysten gibt es jedoch Zweifel, ob die Maßnahmen Früchte tragen werden.

Wie reagierten die Märkte?

Die Börsen konnten den schlechten Nachrichten nicht standhalten. Insbesondere die Rede von Präsident Obama war für starke Kurskorrekturen in der zweiten Wochenhälfte verantwortlich. Der Dow Jones Eurostoxx 50 hat rund 4 % eingebüßt, beim amerikanischen S&P 500 stand am Freitagnachmittag ein Minus von etwa 3,5 % zu Buche.

Die Bilanzprobleme Griechenlands drückten diese Woche weiterhin auf die Gemeinschaftswährung. Anfangs der Woche kostete der Euro noch 1,437 US-Dollar, am Ende der Woche waren es nur noch 1,41 USD. Dies war auch der Hauptgrund, weshalb sowohl das Gold als auch das Öl Verluste hinnehmen mussten. Das Gold schließt die Woche bei 1.090 US-Dollar pro Unze ab, das Öl kostet noch rund 75 US-Dollar das Fass.