Auch diese Woche bleibt die Lage um Griechenlands Finanzen angespannt. Um seiner angeschlagenen Industrie unter die Arme zu greifen, wollte der Staat die Restrukturierung professioneller Kredite vereinfachen. Dies gefiel der Europäischen Zentralbank aber nicht, da ein solches Gesetz das Vertrauen in Griechenland und seine Banken erheblich untergraben könnte. In einem solchen Fall wüsste man tatsächlich nicht mehr, welche Banken dann auf einmal restrukturierte Kredite in ihren Büchern aufweisen und welche Betriebe solche Kreditrestrukturierungen beantragt haben. Dies war auch einer der Gründe, weshalb das Kreditrisiko des Landes Griechenland von den Finanzmärkten diese Woche teurer eingestuft wurde. Andere Ursachen hierfür waren zum Beispiel ein Artikel anfangs der Woche in der Financial Times, der von einem möglichen Abschied Griechenlands von der Gemeinschaftswährung sprach, sowie die Kommentare eines Analysten, dass Griechenland vielleicht noch dieses Jahr seine Staatskredite restrukturieren müsste.
Die US-Handelsbilanz im Monat November lieferte diese Woche ein unerwartet hohes Defizit in Höhe von 36,4 Milliarden US-Dollar. Die Analysten gingen von einem Defizit von 34,8 Milliarden US-Dollar aus. Positiv ist zu vermerken, dass sowohl die Importe (+2,6%) als auch die Exporte (+0,6%) zulegen konnten. Allerdings haben seit dem Tiefpunkt des US-Handelsdefizits im Mai 2009 die Importe einen Zuwachs von 16,9% verzeichnet (ausgehend von einer Basis von 149,3 Milliarden USD), wogegen die Exporte nur um 11,9% zulegen konnten (ausgehend von einer kleineren Basis von 123,5 Milliarden USD). Es zeichnet sich also in Amerika ein nachhaltiges strukturelles Defizit ab.
China wird weltweit als Motor des aktuellen Aufschwungs angesehen, was bei einer Wachstumsrate von 9% auch nicht verwunderlich ist. Allerdings verkündete die chinesische Zentralbank jetzt, dass sie den Mindestreservesatz für Geschäftsbanken erhöhen werde, da die Regierung einer wirtschaftlichen Überhitzung vorbeugen wolle. Sie möchte auf diesem Weg etwas Liquidität aus dem Bankensystem herausnehmen und damit den Rhythmus des Kreditwachstums leicht verlangsamen. Dies ist auch ein erster Versuch, um der aufwachenden chinesischen Inflation sowie den schnell steigenden Immobilienpreisen entgegenzuwirken. Die Analysten hatten erst im April mit diesem Schachzug der chinesischen Zentralbank gerechnet. Daher geht man nun davon aus, dass diese Nachricht kurzfristig einen negativen Einfluss auf die viel nach China exportierenden Wirtschaften haben wird.
Die Verkaufszahlen des amerikanischen Einzelhandels mussten im Monat Dezember unerwarteterweise einen Rückgang erleben. Allerdings wurden die Zahlen des Monats November nach oben korrigiert. Für Dezember 2009 hatten die Experten mit einem Anstieg von 0,5% gerechnet, es wurde aber 0,3% weniger eingekauft als noch im Vormonat. Angesichts der Tatsache, dass der Monat November besser und der Monat Dezember schlechter war als erwartet, haben die Analysten geschlussfolgert, dass der Aufschwung aus Verbrauchersicht alles andere als reibungslos sein wird. Gründe hierfür sind immer noch eine hohe Arbeitslosigkeit, entwertete Immobilienpreise sowie schwierige Kreditkonditionen. Demnach schaut der Nachkrisen-Verbraucher immer noch verstärkt auf die Preise seiner Einkäufe und versucht, unnötige Investitionen zu vermeiden.
Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ ihren Leitzinssatz weiterhin auf seinem historischen Tiefstand von 1,00%. Der Chef der EZB, Jean-Claude Trichet, kommentierte hierzu, dass dieser Zinssatz „angebracht“ sei, da sich die europäische Wirtschaft nur mit gemäßigtem Tempo ausdehnen wird. Tatsächlich belasten eine hohe Arbeitslosigkeitsrate sowie die Schwierigkeiten Griechenlands einen nachhaltigen Aufschwung der Eurozone. Zum Beispiel könnten die Autobauer dieses Jahr durch ein Abschaffen der diversen Abwrackprämien und einem weiterhin teuren Euro wieder stark unter Druck geraten.
Der Aluminium Produzent ALCOA ist traditionell das erste Unternehmen, welches seine Quartalszahlen veröffentlicht. Die Zahlen für das 4. Quartal 2009 waren eher ernüchternd und die Aktie geriet kräftig unter Druck. Bedingt durch niedrige Aluminiumpreise und hohe Stromkosten erwirtschaftete das Unternehmen einen Quartalsverlust von 277 Millionen USD.
Auch der Ölkonzern CHEVRON konnte aufgrund niedrigerer Raffineriemargen nicht an die guten Zahlen des 3. Quartals 2009 anknüpfen.
Der Computerhersteller INTEL dagegen konnte die Investoren beflügeln: Mit einem Gewinn von 2,28 Milliarden US-Dollar im 4. Quartal 2009 knüpft das Unternehmen an alte Boomzeiten an. Der Gewinn lag bei 40 Cent je Aktie, dabei waren Analysten nur von 31 Cent ausgegangen. Auch für das 1. Quartal 2010 rechnet das Unternehmen mit einem höheren Umsatz als von den Analysten vorhergesehen.
Nach einer ausgeprägten Jahresendrallye der Aktienbörsen tut sich der Markt im Moment schwer neue Höhen zu erklimmen. Die 3000er Marke beim DJ Eurostoxx50 und der 6000er Level beim DAX stellen Hürden dar, die im Augenblick nicht zu überwinden scheinen. Dazu kommt, dass wie oben angedeutet, die Resultate der amerikanischen Unternehmen mit Spannung erwartet werden und zu einiger Volatilität führen.
Der DJ Eurostoxx50 verliert rund 3 Prozent diese Woche und der S&P500 büsst einen Prozent ein (Stand 16.15 Uhr). Zum Beginn der Woche notierte das Fass Öl noch deutlich über der 80er Marke, Ende der Woche mit 78,50 Doller deutlich unter dieser Marke. Die Europäische Gemeinschaftswährung geriet leicht unter Druck und notiert bei 1,4360 gegenüber dem US Dollar. Auch die Feinunze Gold notiert leichter und verliert rund zwei Prozent über die Woche.