4. – 8.1.2010
08.01.2010 17:50 Uhr, aktualisiert 08.01.2010 17:55 Uhr

Positiver Start ins neue Jahr

Anne Arend und Pierre Stoll aus dem Handelsraum der Banque de Luxembourg geben jede Woche einen Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse auf den Finanzmärkten und kündigen gleichzeitig die wichtigsten Termine für die folgende Woche an.

US-Immobilienmarkt startet enttäuschend ins neue Jahr im Gegensatz zur US-Industrie

Am Anfang der Woche wurden überraschender Weise schlechte Nachrichten vom amerikanischen Häusermarkt veröffentlicht. Der Index, der die Anzahl der sich momentan im Verkaufsprozess befindenden Häuser erfasst, stürzte um 16% ab. Der Markt hatte allerdings nur einen Rückgang von etwa 2% erwartet. Von Analysten wird dies als Anzeichen dafür gedeutet, dass der amerikanische Häusermarkt noch einmal unter Druck kommen könnte, wenn die Finanzierungshilfen bei Eigenheimkäufen Ende dieses Jahres gekürzt werden. Am gleichen Tag konnten jedoch andere positive Nachrichten die Börsenmärkte gleich wieder aufwärts bewegen. Die Bestellungen bei den amerikanischen Betrieben konnten im Monat November um 1,1% ansteigen, angeführt wurden sie von der Nachfrage für professionelle Geräteaustattung.

US ISM-Index mit gemischten Zahlen

Der ISM-Index, welcher die Investitionsneigung der Einkaufsmanager amerikanischer Firmen widerspiegelt, wird sowohl für das verarbeitende Gewerbe als auch den Dienstleistungssektor veröffentlicht. Im Monat November überraschte der erstgenannte Sektor mit einem höher als erwarteten Anstieg auf 55,9 Punkte. Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf „nur“ 54 Punkte gerechnet. Werte oberhalb von 50 werden als Wachstum des jeweiligen Sektors bewertet. Dagegen zeigt der Dienstleistungssektor nicht die gleiche Dynamik auf. Im selben Monat November stieg der Index weniger als erwartet und liegt mit 50,1 Punkten nicht so deutlich über der Expansionsschwelle von 50 Punkten wie der des verarbeitenden Gewerbes. Allerdings stellt der Dienstleistungssektor ungefähr drei Viertel des Bruttoinlandsproduktes der Vereinigten Staaten dar.

EU ISM-Index (alle Sektoren vereint) überraschte positiv

Auch in Europa konnte der ISM-Index die Anleger beflügeln. Der europäische Einkaufsmanagerindex stieg auf 54,2 Punkte und damit mehr als erwartet (Experten waren von einem Anstieg auf 53,7 ausgegangen). Somit liegt Europa deutlich auf der Expansionsseite.

Dagegen bleiben die Einzelhandelszahlen in Europa eher schwach

Die Geschäfte in der Eurozone haben im Monat November weit weniger verkauft als noch im Vorjahr. Tatsächlich erlebten die Einzelhandelszahlen diese Woche einen Rückgang von 4%, wogegen die Finanzexperten nur mit einem Minus von 1,9% gerechnet hatten. Diese enttäuschenden Zahlen lassen befürchten, dass Europa die Finanzkrise noch nicht ganz überstanden hat. Einige Analysten glauben sogar, dass der bisherige wirtschaftliche Aufschwung eher von einer Wiederauffüllung der Warenvorräte als von den tatsächlichen Ausgaben der Konsumenten angetrieben wurde. So lange die Verbraucher nicht wirklich mehr konsumieren, sieht ein nachhaltiger Ausweg aus der Krise schwierig aus.

Griechenland verwirft Gerüchte über EU-Rettungsplan

Aus Südeuropa kamen beruhigende Nachrichten. Griechenland konnte Gerüchte dementieren, dass eine finanzielle EU-Rettungsaktion in Planung sei. Der Minister der Finanzen, George Papaconstantinou, sagte in diesem Zusammenhang: „Wir erwarten nicht von irgendjemandem „gerettet“ zu werden. Ich glaube, dass es völlig klar ist, dass wir machen, was gemacht werden muss, um unser Defizit zu senken und die öffentlichen Schulden unter Kontrolle zu bekommen“. Tatsächlich will das Land eine einmalige Steuer zur Verbesserung seines Budgets erheben, seine Steuerflüchtlinge besser verfolgen und seine öffentlichen Gehälter senken. Papaconstantinou versuchte mit seinen Aussagen die Investoren zu beruhigen, die in letzter Zeit die griechischen Staatsanleihen verstärkt verkauft hatten. Jürgen Stark, ein Mitglied der Europäischen Zentralbank, hatte zum Beispiel angedroht, Griechenland könne keine Hilfe von den anderen Mitgliedern der Eurozone erwarten.

Arbeitslosigkeit bleibt hoch

Am Freitag wurden sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten die Arbeitslosenzahlen veröffentlicht. Leider bleibt die Situation auf beiden Seiten des Atlantiks ernst. In der Eurozone stieg die Zahl unerwartet auf beängstigende 10%, die Analysten hatten mit einer Arbeitslosenquote von 9,9% gerechnet. Demnach entlassen die europäischen Betriebe weiterhin Angestellte, um sich nach der Krise über Wasser zu halten, da steigende Energiekosten und ein starker Euro einen nachhaltigen Aufschwung erschweren. In Amerika waren die Nachrichten genauso schlecht. Im Monat Dezember wurden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, die Arbeitslosenzahl blieb wie im Vormonat bei 10%.

Wie reagierten die Märkte?

Die Aktienbörsen konnten das Jahr positiv anfangen: So legten sowohl der DJ Eurostoxx50 als auch der S&P500 rund einen Prozent zu. Auch das Öl begann das Jahr recht freundlich bedingt durch die aktuelle Kältewelle und legt drei Prozent zu. Obwohl der EURO diese Woche ohne wesentliche Änderung bei 1.4325 ausklingen lässt, verteuert sich die Feinunze Gold um rund drei Prozent.

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