14. – 18.12.2009
18.12.2009 17:26 Uhr, aktualisiert 18.12.2009 17:40 Uhr

Börsen in vorweihnachtlicher Stimmung

Anne Arend und Pierre Stoll aus dem Handelsraum der Banque de Luxembourg geben jede Woche einen Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse auf den Finanzmärkten und kündigen gleichzeitig die wichtigsten Termine für die folgende Woche an.

US-Wirtschaftszahlen gemischt

Am Anfang der Woche wurden die Anleger auf dem falschen Fuß erwischt: der Empire-State-Index, welcher die Geschäftsaussichten des verarbeitenden Gewerbes im US-Bundesstaat New York abbildet, ging im Monat Dezember unerwartet deutlich zurück. Der Rückgang von vorherigen 23,5 Punkten auf aktuell 2,55 Punkte drückte auf die Stimmung der Investoren. Dagegen legte die Industrieproduktion im Vergleich zum Vormonat um 0,8 Prozentpunkte zu, während Analysten mit einem Plus von 0,5 % gerechnet hatten. Die Kapazitätsauslastung lag ebenfalls höher als erwartet bei 71,3 %.

Status quo bei den amerikanischen Zinsen

Die amerikanische Notenbank, auch Federal Reserve genannt, hat am Mittwoch dieser Woche bekräftigt, dass weiterhin niedrige Zinsen von der Zentralbank erwünscht sind. Der Zielleitzins bleibt weiterhin bei 0 bis 0,25% bestehen. Die aktuelle Niedrigzinsphase dürfte noch eine Weile anhalten, da die US-Konjunktur weiterhin schwach bleiben dürfte und der Arbeitsmarkt weiterhin Kopfzerbrechen bereitet (die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 10%). Laut FED gäbe es Anzeichen dafür, dass sich die Wirtschaft langsam erholt.

Inflationsängste kommen und gehen ...

Wie am Dienstag bekannt wurde, erlebten die US-Erzeugerpreise im Monat November einen unerwartet hohen Auftrieb. Der Preisanstieg lag bei 1,8 % gegenüber dem Vormonat. Die Analysten hatten hier mit einem Zuwachs von lediglich 0,8 % gerechnet. Bei der Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) lag das Plus bei 0,5 % im Vergleich zur durchschnittlichen Prognose von 0,2 %. Damit scheint sich der Preisauftrieb in den USA zu beschleunigen. Nichtsdestotrotz sind sich Analysten darüber einig, dass dies zu keinen allzu großen Inflationssorgen führen dürfte. So sind im Monat Dezember die Energiepreise bereits wieder rückläufig.

Die Verbraucherpreise, die einen Tag später publiziert wurden, sprechen dann auch eine wesentlich gemäßigtere Sprache: Ein Plus von 0,4 % im November gegenüber dem Vormonat. „Inflation ist kein Problem“, so die FED, der Preisdruck dürfte noch für längere Zeit gedämpft bleiben. Tatsächlich sieht es in Zukunft auch nicht so aus, als würden die höheren Erzeugerpreise einen nachhaltigen Einfluss auf die Verbraucherpreise haben. Wegen der andauernden hohen Arbeitslosigkeitsrate und dem starken Kapazitätsüberschuss der amerikanischen Wirtschaft werden die Verkäufer die Preise trotz steigender Kosten niedrig halten.

Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften bei den Banken

Gegründet 1974 nach dem Zusammenbruch des Kölner Bankhauses Herstatt, ist der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) angesiedelt. Der Ausschuss hat die Aufgabe, Aufsichtsstandards und Empfehlungen für die Bankenaufsicht zu entwickeln. So entstanden die Regeln von “Basel I”, die im Juni 2004 im neuen Regelwerk “Basel II” verfeinert wurden. Letzteres sieht vor, dass sich die Eigenkapitalunterlegung der Risikoaktiva (gewährte Kredite) stärker am potentiellen Ausfallrisiko orientiert.

Nach der aktuellen Finanzkrise geht es nun darum, das “Eigenkapital” (Kernkapital) neu zu definieren. Es wird überlegt, ob sich die heutige Zusammensetzung des Kernkapitals (Tier 1) aus Anleihen (Hybridkapital) und Aktien in Zukunft nur noch auf Aktien beschränkt werden soll. Allerdings stößt die Forderung auf heftigen Widerstand der Banken. Sollte es zu dieser neuen Regelung kommen, wären sie mit einem Schlag unterkapitalisiert. Nichtsdestotrotz soll die neue Regelung ab 2012 in Kraft treten.

Gemischte Signale der deutschen Wirtschaft

Anfangs der Woche wurde der Index des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Deutschland veröffentlicht. Er spiegelt die Stimmung der deutschen Finanzakteure angesichts der wirtschaftlichen Lage wieder. Diesmal fiel er ziemlich enttäuschend aus. Die Aussichten für die nächsten 6 Monate waren im November schlechter als noch im Vormonat. Dies deutet darauf hin, dass die Analysten den Aufschwung realistischer einschätzen und nicht mehr von sehr stark positiven Märkten ausgehen.

Am Ende der Woche veränderte sich allerdings das Bild, als der Index des Instituts für Wirtschaftsforschung bekannt wurde. Dieser spiegelt die Meinung aller Wirtschaftsakteure zur aktuellen Lage wider und gibt somit ein weit breiteres Bild ab, da er die Meinung aller Teile der Wirtschaft widerspiegelt und nicht nur die des Finanzsektors. Er war überraschend besser als erwartet und befindet sich jetzt auf dem höchsten Stand seit 17 Monaten. Deutschland scheint also doch auf einem guten Weg zu sein.

Entwarnung in Dubai

In den Vereingten Arabischen Emiraten kam es diese Woche zur Entspannung. Der Staat Abu Dhabi kam dem angeschlagenen Nachbarstaat Dubai mit einer Finanzspritze von 10 Milliarden US-Dollar zur Hilfe. Der Machthaber Abu Dhabis, Scheich Khalifa bin Zayed Al Nahyan, wollte so vermeiden, dass Dubai außerhalb der Emirate um Geld bitten muss.

Dank dieser großzügigen Hilfe konnte das arabische Finanzzentrum seine kurzfristigen Anleihe-Fälligkeiten komplett begleichen. Der Restbetrag wird der Firma Dubai World helfen, um ihre anfallenden Kosten zu bezahlen, bis eine nachhaltige Lösung gefunden wird. Abu Dhabis Hilfe erfolgt aber wahrscheinlich nicht komplett selbstlos. Der Scheich Nahyan beabsichtigt, dass die Emirate wieder mehr Einfluss auf das oft abtrünnige Dubai haben.

Griechenland unter Druck

Griechenlands Finanzpolitik kam diese Woche stark unter Beschuss. Am Anfang der Woche fiel der Wert der griechischen Anleihen stark. Um die Lage zu stabilisieren, versuchte der Ministerpräsident George Papandreou die Investoren mit einer Stellungnahme zu beruhigen. Er versprach, das Haushaltsdefizit durch Ersparnisse stark zu kürzen. Bis 2012 soll die finanzielle Lage Griechenlands wieder den Normen der Eurozone entsprechen.

Allerdings waren seine Maßnahmen sehr unpräzise und er sprach hauptsächlich davon, dass die mittleren und unteren Gesellschaftsschichten von Sparmaßnahmen verschont bleiben würden. Daher konnte seine Rede die Finanzspezialisten nicht wirklich beruhigen. Am Ende der Woche hat das Ratingunternehmen Standard & Poor’s deshalb auch die Kreditbonität des Landes heruntergestuft. Dies hat weiteren Druck ausgeübt, nicht nur auf die griechischen Finanzprodukte, sondern auch auf die Gemeinschaftswährung Euro.

Wie reagierten die Märkte?

Der europäische Eurostoxx50 Index schließt die Woche mit einem leichten Verlust von 0,10% und der amerikanische S&P500 verliert 0,50%. Die Feinunze Gold testet die 1100er Marke nach unten und verliert über die Woche 1,6%, was zum Teil auf einen schwachen EURO zurückzuführen ist. Der Euro notierte Anfang der Woche bei 1,46 gegenüber dem US-Dollar und am Ende der Woche steht er bei 1,43 gegenüber dem US-Dollar.

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