Die Woche begann mit dem Verdauungsprozess der Schocknachricht aus der Vorwoche: die Möglichkeit eines Zahlungsverzugs von Dubai. Es waren tatsächlich kurzzeitig Ängste aufgekommen, dass die aktuelle Krise, die ja teils vom Privatsektor auf die ihm zu Hilfe kommenden Staaten übertragen worden ist, nun eine staatliche Verzugswelle mit sich bringen könnte. Der Bankrott Dubais hätte hierfür der Auslöser sein können.
Diese Befürchtungen wurden aber gleich wieder von den Analysten gedämpft. Tatsache ist, dass es in Dubai vielleicht wirklich zum Verzug von Dubai World kommen könnte. Diese Investitionsfirma gehört zwar dem Staat und finanziert eine ganze Reihe von Entwicklungsprojekten in der Region, ihre Schulden sind allerdings nicht vom Staat gesichert. Somit würde ein Verzug der Firma Dubai World nicht gleich einen Zahlungsausfall des Emirats Dubai bedeuten.
Es ist dennoch nicht auszuschließen, dass ein solcher Verzug ernste Konsequenzen für die gesamte Golfregion mit sich bringen könnte. Deshalb hat sich der Rest der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zum Eingreifen bereit erklärt. Die Zentralbank in der Hauptstadt Abu Dhabi wird den betroffenen Banken beispielsweise Liquiditätshilfen gewähren. Es wird daher nicht mehr angenommen, dass ein Zahlungsausfall von Dubai World eine dramatische Wirkung auf die weltweiten Finanzmärkte haben könnte.
Die Zahl der amerikanischen Häuser, die momentan den Besitzer wechseln, konnte im Monat Oktober zum neunten Mal in Folge steigen. Die Wirtschaftsexperten hatten jedoch einen leichten Rückgang erwartet. Allerdings versuchten viele Amerikaner noch eine Steuererleichterung in Anspruch zu nehmen, die im Oktober auslaufen sollte. Diese wurde schließlich doch bis ins nächste Jahr hinein verlängert und soll dazu beitragen, den angeschlagenen US-Immobilienmarkt trotz starker Arbeitslosigkeit dauerhaft aus der Krise herauszuführen.
Die Europäische Zentralbank belässt ihren Leitzinssatz einen weiteren Monat auf seinem historischen Tiefpunkt von 1%. Dies war von den Analysten auch weitgehend erwartet worden. Die Pressekonferenz des EZB-Chefs gab anschließend einen Ausblick darauf, wie die Zentralbank das Ende der Krise plant.
„Die verbesserten Konditionen auf den Finanzmärkten zeigen, dass unsere Liquiditätsmaßnahmen nicht mehr in gleichem Maße benötigt werden wie zuvor“, erklärte Jean-Claude Trichet. Dies bedeutet nicht, dass die EZB alle Finanzhilfen an die Banken sofort zurückzieht. Sie wird jetzt nur einige längerfristige Zinssätze, die sie zur Geldverleihung an Banken verrechnet, wieder leicht ansteigen lassen. Der EZB-Chef hat allerdings betont, dass dies nicht bedeuten würde, dass der Leitzins in nächster Zukunft wieder in die Höhe schnellt.
Der amerikanische Dienstleistungssektor Sektor, der 90% der amerikanischen Wirtschaft ausmacht und sich nicht um Produktherstellung kümmert, erlitt diese Woche einen unerwarteten Rückschlag. Der „ISM index of non-manufacturing businesses“ wurde mit 48,7 Punkten publiziert, im Oktober waren es noch 50,6 Punkte. Eine Zahl unter 50 bedeutet, dass der Sektor nicht wächst. Die Firmen, die im US-Service-Bereich tätig sind, haben ihr Vertrauen an einen schnellen Aufschwung verloren. Die steigende Arbeitslosigkeit drückt zunehmend auf die Kauflust der amerikanischen Verbraucher.
Die Statistiken der Eurozone bestätigten diese Woche, dass unsere Wirtschaft wieder wächst. Das Bruttoinlandsprodukt der Region stieg im dritten Quartal um 0,4% an. Auch die Einzelhandelszahlen waren weniger schlecht als erwartet. Sie sind zwar über ein Jahr gesehen um 1,9% geschrumpft, dies war aber besser als ein vom Markt erwarteter Rückgang von 2,4%.
Am Ende der Woche wurden die Märkte von den amerikanischen Arbeitslosenzahlen positiv überrascht. Sie befinden sich zwar immer noch auf einem sehr hohen Stand von 10%, die Experten hatten allerdings sogar 10,2% erwartet.
Im vergangenen Monat verloren außerhalb des Agrarsektors „nur“ 11.000 Menschen ihre Arbeitsstelle, gerechnet wurde mit 125.000 neuen Arbeitslosen. Von den Finanzexperten wurde dies schnell als Anzeichen dafür gedeutet, dass die krisenbedingte Wirtschaftsstrategie erste Resultate zu zeigen scheint.
So wurde der Autoindustrie mit einem Abwrackprämienprogramm geholfen. Jedoch will die amerikanische Zentralbank die Zinsen erst wieder steigen lassen, wenn sich die Arbeitslosigkeit dramatisch gemindert hat.
Die Börsen suchten diese Woche nach einer klaren Richtung. Anfangs der Woche konnten sie noch steigen, da das Dubai-Debakel weniger ernst schien als zuerst befürchtet. Mitte der Woche jedoch korrigierten sie wieder wegen der wenig überzeugenden wirtschaftlichen Zahlen. Am Freitag verhalfen die ermutigenden Arbeitslosigkeitszahlen aus Amerika den Märkten zu einem positiven Wochenabschluss. Der europäische Eurostoxx 50 stieg um rund 3%, der amerikanische S&P500 konnte um 2% zulegen.