Seit acht Monaten ist der ifo-Geschäftsklimaindex gestiegen. Im November verzeichnet der Index einen Anstieg von 92 Punkten im Vormonat auf 93,9 Punkte. Die Wirtschaft wird aktuell deutlich positiver beurteilt als erwartet, denn Analysten waren von einem Wert von 92,7 Punkten ausgegangen. Die aktuelle Lage hat sich ebenfalls verbessert und stieg in diesen Monat von 87,4 auf 89,1 Punkte.
Spitzenreiter ist weiterhin der Teilindex der Erwartungen, der mit 98,9 Punkten ebenfalls deutlich höher liegt als im Monat zuvor. „Die positiven und die negativen Erwartungen halten sich nun die Waage“, erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn. „Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich weiter aus der Krise.“ Bei den Industrieunternehmen seien die Personalplanungen etwas weniger stark auf Beschäftigungsreduzierung ausgerichtet als bislang.
„Der Konsum in Deutschland werde aber trotz der sich erholenden Konjunktur im nächsten Jahr schwächeln. Steigende Arbeitslosenzahlen dürften der Hauptgrund dafür sein“, sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem gebe es keine Entlastung der Haushalte mehr durch sinkende Energiekosten. „Der Einzelhandel ist aber noch zuversichtlich für die nächsten Monate und erhofft sich ein gutes Weihnachtsgeschäft.“
Die Bankentitel gerieten diese Woche durch unterschiedliche Ursachen unter Druck. Zum einen durch die Einschätzung des IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn (Internationaler Währungsfonds), nach der ein grosser Teil der Verluste bei den Banken noch nicht ans Licht gekommen sei. „Es wäre möglich“, so Strauss-Kahn, „dass noch 50 Prozent der Gesamtverluste in den Bilanzen verborgen seien“.
Im Mittelpunkt der Schlagzeilen stand auch die Lloyds Bank, die bei einer anstehenden Rekord-Kapitalerhöhung neue Aktien zum Schnäppchenpreis anbietet. Sie gehört zu jenen Banken, die am heftigsten von der Finanzkrise getroffen wurden. Im Rahmen eines 23 Milliarden Pfund schweren Finanzierungspakets versucht die Bank auf diesem Weg 15 Milliarden Pfund einzusammeln.
Ausserdem wurde diese Woche bekannt, dass Anfang Oktober 2008 die Bank of England (die Britische Zentralbank) der Royal Bank of Scotland (RBS) und der Halifax Bank of Scotland (HBOS) heimlich riesige staatliche Hilfen angeboten hatte (61,6 Milliarden Pfund), worüber erst jetzt informiert wurde.
Zuletzt warnt die Ratingagentur S&P vor Herabstufungen im Bankensektor. Fast alle der weltweit grössten Banken würden nicht über genügend Kapital verfügen, um ihre Handels- und Investmentbanking-Aktivitäten abzusichern. Die Banken sollten daher möglichst schnell ihre Eigenkapitalquoten stärken.
Nach einer ersten Einschätzung von 3,5% und einer geschätzten Revision auf 2,9 % lag der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes der US-amerikanischen Wirtschaft „nur“ bei 2,8%, was die Anleger natürlich enttäuschte. Ihre Laune hellte sich wieder auf, nachdem das Verbrauchervertrauen trotz eines anhaltenden schwachen Arbeitsmarktumfeldes auf 49,5 Punkte stieg.
Auch der amerikanische Immobilienmarkt zeigt erste Anzeichen einer leichten Belebung: Im Oktober stieg die Zahl der verkauften Eigenheime um 6,2% gegenüber dem Vormonat. Hingegen waren die Auftragseingänge für langlebige Güter im Monat Oktober um 0,6% rückläufig, nachdem Experten ein Plus von 0,5% prognostiziert hatten.
Am Donnerstag Morgen überraschte die Firma Dubai World, die Beteiligungsgesellschaft der Regierung Dubais, mit einem an ihre Gläubiger adressierten Antrag zur Verzögerung ihrer kurzfristigen Schulden. Diese Nachricht verunsicherte die Investoren weltweit.
Obwohl nicht gleich klar war, ob ein potentieller Zahlungsverzug der Firma Dubai World mit einem Zahlungsverzug Dubais gleichzustellen ist, liess diese Nachricht doch jede Menge Zweifel aufkommen. Es stellt sich daher die Frage, wie sicher noch Investitionen in Gesellschaften sind, die von Staaten gesponsert werden. Wenn es tatsächlich zu einem Verzug Dubais kommen würde, wäre dies das grösste Zahlungsproblem seit dem Verzug Argentiniens in 2001.
Nach einem starken Start in die neue Woche, unter anderem dank der positiven Zahlen des amerikanischen Immobilienmarktes, sorgte der „Dubai-Schock“ für einen Markteinbruch zum Ende der Woche. Am Freitag Nachmittag waren der europäische DJ Eurostoxx 50 und der US amerikanische S&P500 aber beide wieder bei bei einem kleinen Plus von rund einem halben Prozent.
Der Euro konnte erstmals wieder für ein paar Tage die psychologische Marke von 1,50 US-Dollar durchbrechen, er schliesst die Woche aber um die 1,4980 Dollar ab. Wegen der Dollarschwäche und der Unsicherheiten auf den Kapitalmärkten konnte der Goldpreis ansteigen und stand kurz bei 1.195 US-Dollar pro Unze. Am Freitag korrigierte er wieder, zusammen mit dem Kurs des Euros. Das Gold kostete dann noch um die 1.175 US-Dollar pro Unze. Auch das Öl wurde etwas billiger und kostete noch rund 75 US-Dollar pro Fass.
Es wird erwartet, dass die Finanznachrichten aus dem Mittleren Osten auch nächste Woche noch die Märkte beeinflussen werden. Vielleicht erhält man dann ein klareres Bild, ob Dubai wirklich Ende Dezember bankrott sein könnte oder ob die anfängliche Panik doch übertrieben war.
Außerdem ist nächste Woche auch der Beginn des Monats Dezember und somit werden eine ganze Reihe von wirtschaftlichen Statistiken veröffentlicht werden. Sie dürften eine erste Schätzung der europäischen Inflation für den Monat November ermöglichen. Allerdings wird zurzeit immer noch keine exzessive Teuerung der Konsumartikel erwartet.
Am Donnerstag wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins bekanntgeben. Dieser sollte weiterhin auf dem sehr tiefen Stand von 1% bleiben. Allerdings wird die Pressekonferenz von EZB-Chef Jean-Claude Trichet mit Spannung erwartet, denn sie soll über die weitere Interventionspolitik der Zentralbank Auskunft geben. Nächste Woche werden auch des Bruttoinlandsprodukt der Eurozone sowie die Einzelhandelszahlen und die Ausgaben der europäischen Haushalte veröffentlicht.
In Amerika wird sich alles um die altbekannten Themen Immobilienmarkt und Arbeitslosigkeit drehen. Letztere dürfte wieder über 10% liegen und es wird auch erwartet, dass sich weniger Häuser im Verkaufsprozess befinden. Nur vom Automarkt werden positive Nachrichten erwartet. Trotz der abgelaufenen amerikanischen Abwrackprämie, dem „Cash for Clunkers“-Programm, müssten im Monat November mehr Autos verkauft worden sein als im Monat zuvor.