9. bis 13. November 2009
13.11.2009 17:42 Uhr

Rezessionsende oder verfrühte Hoffnung?

Anne Arend und Pierre Stoll aus dem Handelsraum der Banque de Luxembourg geben jede Woche einen Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse auf den Finanzmärkten und kündigen gleichzeitig die wichtigsten Termine für die folgende Woche an.

G20 gibt Impuls für positiven Start in die Woche

Am vergangenen Wochenende hatten sich die G20-Finanzminister und Zentralbankchefs im schottischen St Andrews getroffen, um über das Ende der Krise zu diskutieren. Es sollte eine Einigung gefunden werden, wie der Bankensektor in Zukunft dazu beitragen könnte, die Kosten staatlicher Rettungsaktionen zu tragen.

Die Teilnehmer waren sich darüber einig, dass eine Maßnahme in diesem Sinn gefunden werden muss, allerdings konnten sie sich nicht über die Implementierung einer derartigen Steuer einigen. Des Weiteren konnte kein Konsens gefunden werden, wie das Problem der chinesischen Währung gelöst werden könnte. Man hatte gehofft, dass die Teilnehmer gegenüber China härter auftreten würden, um einen freieren Handel des Yuans zu fordern.

Nur in einem Punkt war man sich wirklich einig: die Finanzstimuli sollen noch länger bestehen bleiben, da die Krise immer noch nicht vollständig überbrückt ist. Den Finanzmärkten hat dieser Konsens zu einem guten Start in die neue Woche verholfen.

Deutscher ZEW-Index enttäuscht

Der Index des Deutschen Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hat diese Woche die Analysten enttäuscht. Der ZEW-Index spiegelt die Meinung des deutschen Finanzsektors angesichts der aktuellen und zukünftigen wirtschaftlichen Lage wider.

Obwohl sich die aktuelle Lage leicht verbessern konnte, enttäuschte der Index für die Zukunftsperspektiven. Die Experten hatten einen Rückgang von 56 auf 55 Indexpunkte erwartet, doch es wurde lediglich eine Zahl von 51,1 publiziert. Es wird befürchtet, dass die Finanzstimuli doch irgendwann auslaufen werden und es die deutsche Wirtschaft bis dahin nicht geschafft hat, sich zu erholen. Weiterhin gibt es Bedenken, dass die Arbeitslosigkeit weiterhin auf die Konsumausgaben drücken und der teuere Euro die Exporte hemmen wird.

Bank of England sieht die Zukunft hingegen eher positiv

Aus Großbritannien wehte ein ganz anderer Wind. Die englische Zentralbank erhöhte ihre Prognose fürs Wirtschaftswachstum und sieht auch die Inflation wieder steigen. Sie glaubt, dass Großbritannien die Krise soweit überstanden hat und nicht mehr in eine Rezession zurückfällt. Die Wirtschaft müsste sich jetzt langsam erholen und damit auch die Inflation wieder ankurbeln. Bis 2012 könnte sie sogar wieder über der Zielsetzung von 2% liegen.

Chinas Industrieproduktion boomt

Das "Reich der Mitte" überrascht mal wieder mit seiner sehr dynamischen Wirtschaftsentwicklung. Im Oktober lagen die Industrieproduktion und die Einzelhandelszahlen um 16,1% bzw. um 16,2% höher als im Jahr zuvor. Der Außenhandelsüberschuss schlug mit 24 Milliarden USD im Oktober doppelt so hoch zu Buche wie noch im Monat September.

Der Präsident der Asian Development Bank, Haruhido Kuroda, lobte die Reaktion Chinas auf die globale Weltwirtschaftskrise und sprach sich für eine flexiblere Wechselkurs-gestaltung aus.

Europa entkommt der Rezession

Die Eurozone konnte im dritten Quartal endlich wieder ein positives Wachstum vorzeigen und somit ihre schlimmste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg beenden. Das Bruttoinlandsprodukt der 16 Nationnen konnte um 0.4% von Quartal zu Quartal steigen. Starke Exportzahlen aus Frankreich und Deutschland konnten die zögernde Haltung des europäischen Verbrauchers kompensieren.

Und noch einige Firmenresultate

Dank seiner aktiven Lagerverwaltung und Kostensenkungen hat der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart Stores Inc. das Ergebnis im dritten Quartal steigern können. Der Gewinn lag bei 3,24 Milliarden USD. Mit einer weiterhin aggressiven Preispolitik über die Weihnachtstage hinweg erhofft sich Wal-Mart ein Umsatzplus von 1 bis 2% für das nächste Quartal.

Der Vorstand der größten europäischen Bank HSBC Holdings sieht Licht am Ende des Tunnels. Abschreibungen auf faule Kredite könnten ihren Höhepunkt erreicht haben. HSBC ist eine der wenigen Banken, die keine Staatshilfe benötigt hat. Seit Anfang des Jahres ist ihre Aktie um rund 25% gestiegen.

Der weltgrößte mobile Telefonanbieter Vodafone konnte sein Halbjahresergebnis um 2,9% steigern. Der Umsatz verbuchte ein Plus von 9,3%. Trotzdem will Vodafone in Zukunft Kostensenkungen von rund 1 Milliarde GBP vornehmen.

Wie reagierten die Börsen?

Die Börsen konnten die Gewinne von Anfang der Woche, dank guter wirtschaftlicher Zahlen und positiver Firmenresultate, bis zum Freitag verteidigen. Der Dow Jones Eurostoxx 50 schliesst die Woche mit einem Gewinn von rund 2% ab, beim amerikanischen S&P 500 war es ein Plus von knapp 1%. Der Goldpreis erweckte grosses Interesse diese Woche. Mit 1123.38 US Dollar pro Unze erreichte er am Donnerstag seinen historisch höchsten Stand aller Zeiten. Nur der Ölpreis konnte diese Woche nicht glänzen. Er musste rund 2 Prozent einbüssen und kostet jetzt rund 75 US-Dollar das Fass.

Ausblick auf die nächste Woche

In der nächsten Woche werden hauptsächlich wirtschaftliche Statistiken aus Amerika erwartet. Sie sollten uns Auskunft geben können, ob auch hier das Ende der Wirtschaftskrise nachhaltig ist. So werden wir zum Beispiel erfahren wie es hier um den Einzelhandel steht. Es wird gehofft dass im Oktober 1.1% mehr Waren verkauft wurden als noch im September.

Auch die Entwicklung des amerikanischen Arbeitsmarktes wird uns interessieren. Wie jede Woche wird die Zahl der Neuanträge für Arbeitslosenhilfe veröffentlicht. Obwohl diese Zahl immer noch historisch sehr hoch ist, sieht man doch, dass sie sich nun langsam von Woche zu Woche abschwächt.

Ein wichtiger Indikator wird auch die Kapazitätsauslastung der amerikanischen Industrie sein. Im Juni war diese Statistik noch auf ihrem Tiefsstand von 67%, doch für den Monat Oktober wird sie bereits wieder bei 71% gesehen. Auch die Inflation wird sowohl in Europa als auch in Amerika bekanntgegeben und auf beiden Seiten des Atlantiks wird sie weiterhin nicht zum Problem werden mit Werten um 1%.

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