(dpa/hay) - Die Aussichten für die Wirtschaft verbessern sich, doch der Arbeitsmarkt bleibt unter Druck. Die EU-Kommission sagt für Luxemburg und die Europäische Union in ihrer Herbstprognose wachsende Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr voraus.
Die Rezession sei vorbei, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Konjunktur-Herbstprognose der EU-Kommission. "Aber es gibt nur eine schrittweise Besserung", sagte EU-Währungskommissar Joaquín Almunia.
Für das kommende Jahr wird in Luxemburg ein Wachstum von 1,1 Prozent erwartet. Für die gesamte EU soll es bei 0,7 Prozent liegen. Almunia verlangte, die 27 EU-Staaten müssten trotz der weltweiten Krise spätestens von 2011 an versuchen, ihre Schulden in den Griff zu bekommen.
Nur schleppend und mit einiger Verzögerung erholt sich dagegen der Arbeitsmarkt. In Luxemburg werde die Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent in diesem Jahr über 7,3 Prozent im kommenden Jahr auf 7,7 Prozent im Jahr 2011 steigen, teilte die Kommission mit. EU-weit werden nach 9,1 Prozent Arbeitslosigkeit in diesem Jahr rund 10,3 Prozent im kommenden Jahr und 10,2 Prozent im Jahr 2011 erwartet. Almunia sagte, die Arbeitslosigkeit schmälere die private Kaufkraft: "Wir brauchen weiterhin eine aktive Arbeitsmarktpolitik."
Damit korrigierte die Kommission ihr Frühjahrsgutachten: Damals hatte die Kommission für 2010 noch einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0,1 Prozent in der EU vorhergesagt. Im laufenden Jahr rechnet die Behörde mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 4,1 Prozent in der EU und um 3,6 Prozent in Luxemburg.
2011 erwartet die Kommission ein Wachstum von 1,6 Prozent in der EU und von 1,8 Prozent in Luxemburg.
Schon in der kommenden Woche will die EU-Kommission die EU-Staaten zu Maßnahmen gegen überbordende Haushaltsdefizite auffordern.
"Im kommenden Jahr werden fast alle EU-Staaten die Defizitgrenzen überschreiten", sagte Almunia. "Aber dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um bei strukturellen Maßnahmen nachsichtiger zu sein."
Er erwarte, dass die Finanzminister noch in diesem Monat ihre Entschlossenheit bekräftigen, das Schuldenmachen zurückzuführen. Die EU befinde sich in einem dauerhaften Aufschwung. Allerdings sei das Wachstumspotenzial noch recht gering. Die Kommission schätzt für das laufende Jahr die durchschnittliche Neuverschuldung auf 6,9 Prozent des BIP in der EU und auf 2,2 Prozent in Luxemburg. Im kommenden Jahr werde es in der EU bei 7,5 und in Luxemburg bei 4,2 Prozent liegen.
Für 2011 werde in der EU mit einem Rückgang der durchschnittlichen Neuverschuldung gerechnet. Prognostiziert werden 6,9 Prozent. In Luxemburg wiederum werde die durchschnittliche Neuverschuldung erneut bei 4,2 Prozent liegen.
Mit einem dramatischen Einbruch rechnet die Behörde in den von der Wirtschafts- und Finanzkrise schwer getroffenen baltischen Ländern. In Litauen dürfte das BIP demnach um 18,1 Prozent, in Lettland um 18 Prozent und in Estland um 13,7 Prozent schrumpfen. Der Abwärtstrend soll sich im kommenden Jahr fortsetzen mit einem Minus von 3,9 Prozent in Litauen, von 4,0 Prozent in Lettland und 0,1 Prozent in Estland.