Diese Woche teilte Royal Dutch Shell einen Rückgang der Einkünfte von 62% für das dritte Quartal mit. In den vergangenen drei Monaten generierte die Firma Einkünfte in Höhe von „nur“ 3,25 Milliarden US-Dollar nach 8,45 Milliarden US-Dollar im 2. Quartal. Als Hauptgrund für diesen Rückgang wurde unter anderem der Fall des Ölpreises genannt.
Der Generaldirektor von Royal Dutch Shell teilte ferner mit, dass „die Aussichten eher unsicher seien, da die Ölnachfrage voraussichtlich noch dieses Jahr ihre Tiefststände seit 1980 erreichen wird“. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, werden 5.000 Arbeitsstellen abgebaut und die Betriebskosten um 1 Milliarde US-Dollar gekürzt.
Auch bei den Konkurrenten hat der fallende Ölpreis im dritten Quartal auf die Zahlen gedrückt. Die Einkünfte des italienischen Eni-Konzerns erlitten einen enttäuschenden Einbruch von 58%, beim amerikanischen Exxon-Konzern gingen die Einkünfte um 68% zurück. Im Allgemeinen waren die Zahlen der Ölproduzenten rückläufig, doch beim britischen BP-Konzern fiel der Rückgang geringer aus als angenommen.
Die Finanzspezialisten waren von Einnahmen in Höhe von 3,25 Milliarden Dollar ausgegangen, die Firma konnte allerdings mit 4,67 Milliarden US-Dollar überzeugen. BP konnte auf Kostenebene sparen und seine Produktion im Golf von Mexiko steigern.
Der weltgrößte Stahlproduzent konnte die Analysten mit seinem ersten Quartalsgewinn seit einem Jahr positiv überraschen. Der Ertrag belief sich im dritten Quartal auf 903 Millionen US-Dollar, wesentlich mehr als die erwarteten 58 Millionen US-Dollar. Firmenchef Lakshmi Mittal konnte im letzten Quartal erste Zeichen des Aufschwungs spüren. Er geht davon aus, dass es 2010 weiterhin langsam bergauf gehen wird und die globale Stahlnachfrage um 9,2% ansteigen wird. Insbesondere die Erholung der Autoindustrie und des Baugewerbes werde für Bedarf sorgen.
Diese Woche war es schwierig, einen klaren Trend in den Firmenresultaten zu erkennen. Der japanische Autoproduzent Honda konnte seine Gewinnerwartung für 2009 fast verdreifachen. Allerdings kamen ihm staatliche Stimuli in China und Japan zu Gute, welche die Nachfrage für energiesparende Autos kräftig antreiben konnten. Der niederländische Farbenproduzent Akzo Nobel schaut weniger positiv in die Zukunft. Der aktuelle wirtschaftliche Aufschwung sei noch nicht nachhaltig und angesichts schwacher Verkaufszahlen sei eine noch intensivere Kostenkontrolle die einzige Lösung.
Vom britischen Häusermarkt gab es wieder positive Nachrichten. Im Monat September wurden die meisten Hypothekendarlehen seit 18 Monaten gebilligt. Erst kürzlich konnten einige Statistiken belegen, dass sich die Häuserpreise wieder langsam erholen, nachdem sie seit ihren Höchstständen in 2007 um rund 20% gefallen waren. Diese positive Entwicklung ist ein Zeichen dafür, dass die Geldmarktpolitik der Bank of England mit ihren Tiefstzinsen ihre Früchte zu tragen scheint.
Die wirtschaftlichen Zahlen in Europa konnten die Experten diese Woche positiv überraschen. Zum Beispiel konnte die europäische Industrie mit ihrer Kapazitätsauslastung überzeugen. Zum ersten Mal seit zwei Jahren wurden die Produktionsmöglichkeiten im vergangenen Quartal wieder mehr genutzt als zuvor. Auch das Vertrauen des europäischen Verbrauchers war besser als erwartet und stieg zum siebten Mal in Folge. Beide Tatsachen wurden als Zeichen angesehen, dass sich der Aufschwung in Europa langsam zu bestätigen scheint.
Experten gingen davon aus, dass sich das Verbrauchervertrauen stabilisieren dürfte. Es sollte aber nicht so sein: das Forschungsinstitut „Conference Board“ meldete einen Rückgang des Vertrauens um rund 6 Punkte auf nunmehr 47,7 Punkte. Das Vertrauen der Konsumenten wird als Barometer angesehen, inwieweit sie ausgabefreudig sind.
Nach vier negativen Quartalen in Folge legt die amerikanische Wirtschaft kräftiger zu als erwartet. Das Wachstum wurde durch steigende Konsumausgaben und Investitionen angetrieben und liegt nach einer ersten Schätzung des US-Handelsministeriums bei 3,5%. Wirtschaftsberaterin Christina Romer vom Weissen Haus meinte, „dies sei der erste Schritt zur Verbesserung des tief angeschlagenen Arbeitsmarktes“.
Im September ist der Absatz neuer Eigenheime überraschend um 3,6% gefallen. Statt den erwarteten 440.000 Häusern haben die Amerikaner nur 402.000 Eigenheime gekauft. Zudem revidierte das US-Handelsministerium seine Zahlen für August von 429.000 auf 417.000. Analysten warnten allerdings davor, die Statistik überzubewerten. „Ein Monat ist natürlich kein Trend und es gibt ja eine Menge Beweise für eine Wende am Immobilienmarkt“, sagte ein Experte.
Dagegen stiegen im Monat August in 20 US-Großstädten die Preise für Immobilien, zum dritten Mal in Folge. Der S&P / Case-Shiller home-price Index stieg um 1% gegenüber dem Vormonat nach einem Anstieg von 1,2% im Monat Juli. Das Programm der amerikanischen Regierung, die Erstanschaffungen von Eigenheimen mit Zinserleichterungen anzukurbeln, trägt somit seine Früchte.
„Die Konjunktur zieht noch viel Energie aus politischen Stützungsmaßnahmen“, erklärte der Bundesbankpräsident. „So sei es wichtig, die geld- und finanzpolitischen Stimuli nicht überhastet zu entziehen. Trotzdem sei es notwendig, sich bereits heute Gedanken über den Ausstieg aus dem überaus expansiven Umfeld in beiden Politikbereichen zu machen“, so Weber.
Was in Europa noch überlegt wird, ist in Indien bereits Fakt: Die indische Zentralbank legte die Liquiditätsratio von 24% auf 25% fest und legte somit den Grundstein, um über einen längeren Zeitraum die exzessive Liquidität im Markt zu reduzieren. Ursache hierfür ist die Befürchtung, dass in Zukunft die Inflation zu einem steigenden Problem werden könnte.
Anfangs der Woche schwächlich, Mitte der Woche durch gute US-Wachstumszahlen unterstützt, Ende der Woche wieder schwächlich, so präsentierten sich die Börsen diese Woche. Der DJ Eurostoxx50 verliert rund 3 Prozent und der S&P500 2 Prozent. Der EUR schwächt sich ab: nach einem Test der 1,50er Marke, verliert er an Boden und notiert bei 1,4770. Auch das Gold verliert ein bisschen an Wert und notiert bei 1.040 Dollar die Unze.
Nächste Woche stehen eine ganze Reihe interessanter Wirtschaftszahlen auf dem Programm. Mit großer Spannung werden die Verkaufszahlen von den in den USA zugelassenen Neuwagen erwartet. Sie könnten einen Zuwachs von 7% aufweisen, obwohl die vom amerikanischen Staat gewährte Abwrackprämie („cash for clunkers“) bereits im Monat August abgelaufen ist.
Ein weiteres Highlight der Woche werden die US-Arbeitslosenquote und die Zahlen des amerikanischen Arbeitsmarktes, der sich voraussichtlich noch immer im Stellenabbau befindet, sein. Nach Einschätzung der Experten dürfte die amerikanische Arbeitslosenquote bei 9,9% liegen und rund 175.000 Menschen dürften vom Stellenabbau betroffen sein.
In Amerika wird die Federal Reserve und in Europa die Europäische Zentralbank tagen. Man erwartet, dass nicht an der Zinsschraube gedreht werden wird. Umso mehr wird man sich für die Reden der Zentralbankchefs Ben Bernanke und Jean-Claude Trichet interessieren und analysieren, ob es aus der Sicht der Zentralbanken neue wirtschaftliche Entwicklungen gibt.
In Europa stehen weiterhin die Preisentwicklung der Produzenten und die Zahlen des Einzelhandels auf dem Programm. Analysten gehen davon aus, dass sich der Einzelhandel im Monat September mit plus 0,2% nicht wesentlich verbessert hat und dass die Preisentwicklung im Monat September bei minus 0,4% liegen dürfte (aufs Jahr ergibt sich ein Minus von rund 8%).