Diese Woche legten einige deutsche Unternehmen sowie wiederum eine ganze Reihe von großen US-Unternehmen ihre Quartalszahlen vor. Am Montag wurden die Analysten von Daimler überrascht. Im letzten Quartal verbuchte der Konzern ein operatives Ergebnis von 470 Millionen Euro bei einem Umsatz von 19,3 Milliarden Euro. Die Pkw-Markengruppe Mercedes-Benz schrieb wieder schwarze Zahlen. Nach drei Verlustquartalen in Folge fuhr die Sparte Mercedes-Benz ein operatives Ergebnis (Ebit) in Höhe von 355 Millionen Euro ein, teilte der Stuttgarter Konzern mit. Dagegen fiel in der Nutzfahrzeug-Sparte in den Monaten Juli bis September erneut ein operativer Verlust in Höhe von 127 Millionen Euro an.
Während große Finanzhäuser noch kräftig von der Krise gezeichnet sind, gelingt es anderen Instituten, traumhafte Ergebnisse einzufahren. JPMorgan hat im dritten Quartal einen Gewinn von 3,6 Milliarden USD verbucht, Goldman Sachs liegt mit 3,0 Milliarden USD Gewinn dicht dahinter. Auch Wells Fargo und Morgan Stanley verbuchten Gewinne, die deutlich über den Erwartungen der Analysten lagen: 3,24 Milliarden bei Wells Fargo und 757 Millionen USD bei Morgan Stanley.
Aber andere Häuser schreiben noch dunkelrote Zahlen: Bank of America meldete für das dritte Quartal einen Verlust von 2,2 Milliarden und Citigroup sogar von 3,2 Milliarden Dollar. Beide Banken mussten erneut gewaltige Kreditausfälle verbuchen, denn die Abschreibungswelle auf Immobilien-und Unternehmenskrediten sowie Konsumkrediten an Privatkunden rollt weiter. Nach jüngsten US-Studien drohen allein der Citigroup für das kommende Jahr Kreditausfälle in Höhe von 44 Milliarden Dollar. Bei der Bank of America dürfte es nicht besser aussehen, denn Branchenexperten weisen darauf hin, dass das Institut rund 60 Prozent seiner Kredite an US-Verbraucher vergeben hat – auch in Form von Kreditkarten. Laut der Ratingagentur Moody's waren die Kreditkartenausfälle erst im August auf ein neues Rekordniveau gestiegen.
Auch Coca-Cola legte seine Quartalszahlen vor. Der Konzern spürt die Konsumflaute, allerdings konnte er in Ländern wie China oder Indien ein starkes Wachstum verbuchen. Trotzdem sank der Umsatz um 4% auf 8 Milliarden Dollar, was zum Teil auch auf den schwachen Dollar zurückzuführen ist. Der Quartalsgewinn stieg gemäß den Erwartungen der Analysten leicht von 1,89 Milliarden im letzten Quartal auf 1,90 Milliarden.
Obwohl der Umsatz um 3% auf 11,6 Milliarden Dollar zurückging, konnte Pfizer seinen Gewinn um 26% auf 2,88 Milliarden Dollar steigern. Zudem hob der Konzern auch die Jahresprognose an.
Die erhoffte Erholung am US-Immobilienmarkt tritt weiterhin nicht ein. Im Vergleich zum Vormonat verbuchten die Baubeginne im September „nur“ einen Anstieg um 0,5 % auf 590.000. Volkswirte hatten mit einem deutlicheren Anstieg auf 610.000 gerechnet. Die Anzahl der Baugenehmigungen sank im September sogar um 1,2 % auf 573.000, die Experten waren allerdings von einem Anstieg auf 600.000 ausgegangen. Bereits der am Montag veröffentlichte NAHB-Index war unerwartet schwach ausgefallen. Der Sentiment-Index der National Association of Home Builders war erstmals seit Juni im Vormonatsvergleich gesunken und zwar von 19 auf 18 Punkte.
Die viel beachteten US-Frühindikatoren entwickelten sich besser als erwartet. Das Konjunkturbarometer stieg im September stärker als vorhergesagt um 1%. Volkswirte hatten lediglich einen Anstieg von 0,8% auf ihrer Rechnung gehabt. Der unerwartet starke Anstieg signalisiert immer deutlicher, dass sich die US-Wirtschaft spürbar erholt. Dagegen gab es einen Dämpfer vom US-Arbeitsmarkt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen auf 531.000, Volkswirte hatten nur mit 515.000 Anträgen gerechnet.
Die chinesische Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Wie das Statistikamt am Donnerstag in Shanghai mitteilte, ist das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 8,9% gewachsen. Ein umfangreiches Konjunkturprogramm hat für einen Bauboom gesorgt, den Konsum der Verbraucher angekurbelt und den Aktienmarkt steigen lassen. Für die ersten neun Monate ergab sich damit eine Wachstumsrate von 7,7%. China strebt für das Jahr 2009 ein Wachstum von insgesamt 8% an, was nach den jüngsten Zahlen möglich erscheint.
Nach offiziellen Angaben vom Donnerstag wurden auch in der Industrieproduktion und bei den Investitionen Zuwächse verzeichnet. Die Dynamik der Erholung sei beständig und umfassend, erklärte der Sprecher des nationalen Büros für Statistik in Peking, Li Xiaochao. Die Staatsführung plant, das bislang vom Export und staatlich dominierten Branchen getragene Wachstum künftig auf eine breitere Basis zu stellen, um den privaten Verbrauch und die Produktivität anzukurbeln.
US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte Anfang der Woche erklärt, Asien scheine die globale wirtschaftliche Erholung anzuführen, und China stehe dabei an erster Stelle. Jüngste Daten aus der Region deuteten darauf hin, dass ein starker Aufschwung im Gang sei.
Es war keine Überraschung. Wie bereits seit ein paar Tagen ankündigte wurde, hat sich der Euro an die 1,50 US-Dollar-Marke angenähert und sie sogar leicht überschritten. Dies ist der höchste Stand seit August 2008. Einige Faktoren haben zur Dollarschwäche beigetragen. Zum einen sind viele Marktteilnehmer durch die steigenden Aktienmärkte risikobereiter geworden und ziehen sich mehr und mehr aus dem als sicheren Hafen geltenden US-Dollar zurück. Andererseits drohen die aggressive Niedrigzins- und Geldmengenpolitik sowie das gigantisch angeschwollene Haushaltsdefizit, mit denen die USA die Folgen der Finanzkrise eindämmen will, das Vertrauen in den Dollar nachhaltig zu schwächen. Zudem werden öffentliche Auftritte und Reden von EZB-Chef Jean-Claude Trichet, Euro-Gruppen Chef Jean-Claude Juncker oder auch einzelner amerikanischer FED-Vertreter mit Spannung verfolgt.
Auf die gemischten Zahlen hin drehten sowohl die europäischen als auch die amerikanischen Börsen diese Woche eine Nullrunde. Der Preis der Goldunze konnte diesmal nur leicht steigen und steht jetzt bei 1060 Dollar. Nur der Ölpreis konnte diese Woche glänzen und ist jetzt rund 3% höher. Er scheint sich jetzt konsequent über den 80 Dollar pro Barrel zu halten.
Nächste Woche wird die Earnings Season fortgesetzt. Mit Spannung werden positive Quartalszahlen zum Beispiel von BASF, Bayer, Eni und Royal Dutch Shell erwartet. In Amerika wird unter anderem Positives von Procter & Gamble und Exxon Mobil erwartet.
Des Weiteren wird auch wieder eine ganze Reihe von wirtschaftlichen Daten veröffentlicht. In Europa erfahren wir zum Beispiel, wie es um das Vertrauen des Verbrauches steht und ob die Inflation immer noch sehr niedrig geblieben ist. Am Freitag werden wir auch wissen, ob die Arbeitslosigkeit der Eurozone sich wieder der erschreckenden 10%-Marke genähert hat.
In Amerika wird das Bruttosozialprodukt des dritten Quartals bekannt gegeben und es sollte auch diesmal wieder von Quartal zu Quartal positiv ausfallen. Außerdem werden wir über das Verhalten des amerikanischen Verbrauchers im September informiert werden: wie viele neue Häuser verkauft wurden, wie viel Geld er verdient und wie viel er ausgibt. Momentan ist noch keine Tendenz zu erkennen. Es müsste eine Steigerung der Hausverkäufe geben, Verdienst und Ausgaben dürften allerdings schwächer ausfallen als noch im August.