Verbraucherumfrage der Zentralbank
31.07.2009 09:21 Uhr

Talsohle ist durchschritten



Foto: cc
Die Verbraucher sehen ihre Zukunft als Konsumenten nicht mehr ganz so negativ. In einer Umfrage, die die Luxemburger Zentralbank monatlich unter 500 Bürgern durchführt, äußerten sich die Befragten vor allem hinsichtlich der allgemeinen Wirtschaftslage positiv. Der Indikator zur Berechnung des Vertrauens der Konsumenten besteht aus vier Bestandteilen, deren Antworten gewichtet werden. Sie stellen eine Einschätzung hinsichtlich der Entwicklung der Wirtschaftslage, der Arbeitslosigkeit, der finanziellen Situation der Haushalte und ihrer Sparfähigkeit dar. Die Ausgangszahlen sind für jeden Parameter unterschiedlich.

von Cordelia Chaton

Es gibt erste Anzeichen, dass die Talsohle der schlimmsten Wirtschaftskrise seit langem durchschritten ist. Die Luxemburger Zentralbank stellt in ihrem monatlichen Konjunktur-Vertrauensbarometer fest, dass die Verbraucher zuversichtlicher sind. Auch der Luxemburger Handel erkennt Anzeichen für verstärkten Konsum.

Langsam geht es bergauf. So lässt sich die Botschaft der Luxemburger Zentralbank zusammenfassen. Monatlich befragt sie 500 Bürgerinnen und Bürger zu ihren Ansichten über die Wirtschaftslage, ihre persönliche Situation, die Arbeitslosigkeit und Sparmöglichkeiten. Die gewichteten und um Saisonschwankungen bereinigten Antworten der vier Bereiche werden in einem Vertrauensindikator der Konsumenten zusammengefasst. Das Ergebnis für den Monat Juli ist diese Woche erschienen und liegt dem Luxemburger Wort exklusiv vor. Es enthält eine gute Nachricht: Langsam geht es offenbar bergauf.

„Für den Monat Juli ist der Vertrauensindikator um vier Punkte gestiegen. Er liegt dennoch auf einem niedrigeren Niveau als vor der Wirtschaftskrise“, kommentiert die Zentralbank. Aber immerhin: Alle vier Teilindikatoren haben zugelegt. „Der Indikator für die allgemeine Wirtschaftslage hat sogar das höchste Niveau seit April 2008 erreicht“, stellt Muriel Bouchet von der Konjunktur-Abteilung der Zentralbank fest. Das zeigt, dass die Luxemburger wieder zuversichtlicher in die Zukunft blicken. Das bekommt auch der Handel zu spüren.



Die Confédération luxembourgeoise du commerce (clc) hat positive Rückmeldungen sowohl vom Discount-Bereich als auch von hochpreisigen Läden. Ihr Direktor, Thierry Nothum, stellt fest: „Die Leute sind es müde, von schlechten Prognosen zugeschüttet zu werden. Man muss leben – und das heißt auch, sich Freude machen.“ Für ihn ist klar, dass in Luxemburg nicht jede Familie Einbußen erlitten hat und es dem Land – verglichen mit anderen – immer noch sehr gut geht. „Konsum ist dann auch schon mal eine Flucht aus dem Negativismus.

Entspannung

Es kann sein, dass es quer durch alle Branchen im Privatkonsum zu einer Entspannung kommt“, sagt Nothum. Der clc-Direktor hält es nur für natürlich, wenn nicht sofort alle Indikatoren nach oben ausschlagen. Immerhin sei das Vertrauen noch angeschlagen. „Aber es gibt Anzeichen für Entspannung – und das hat Einfluss auf die Psychologie. Und die ist Hauptmotor des Konsums.“ Allerdings glaubt Nothum auch nicht, dass die Konsumenten die Krise so schnell vergessen werden. „Zur Zeit haben viele jemanden im Bekanntenkreis, der von Arbeitslosigkeit betroffen ist. Das schafft einen anderen Bezug.“ Nothum ist überzeugt, dass dies nicht dazu führt, dass die Verbraucher weniger konsumieren, sondern anders. Er schätzt, dass jetzt mehr in emotionale Stabilität investiert wird.

Statt den dritten Fernseher oder ein großes Auto anzuschaffen, würden die Menschen vielleicht eher in etwas investieren, das ihnen persönlich gut tut – „wie beispielsweise eine Sauna.“ Die relativ stabile Tendenz bestätigt auch Cactus-Generaldirektor Laurent Schonckert (siehe nebenstehendes Interview). Die größte Luxemburger Supermarktkette blieb von drastischen Einbrüchen verschont. International steht Luxemburg nicht allein mit der Trendwende. Auch in Deutschland hellt sich das Konsumklima deutlich auf. So meldete die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) diese Woche zum vierten Mal in Folge einen Anstieg ihres Konjunkturindexes. „Stabile Preise und Anzeichen für ein Ende der Rezession haben die Kauflaune der Deutschen im Sommer gehoben“, sagte Gfk-Experte Rolf Bürkl. „Die Deutschen konsumieren, als gäbe es keine Krise.“

Allerdings sei es für große Freude zu verfrüht, denn im Herbst erwarten die Nürnberger Konsumforscher einen drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Für die Umfrage wurden 2 000 deutsche Verbraucher befragt. Das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) meldete ebenfalls eine Aufhellung des Geschäftsklimas zum vierten Mal in Folge. Das bedeutet, dass nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Unternehmen im Nachbarland die Zukunft positiver einschätzen.

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