(dpa) - Die EU-Kommission hat den weltgrößten Chiphersteller Intel wegen Marktmissbrauchs mit einem Rekordbußgeld in Höhe von 1,06 Milliarden Euro belegt. Das teilte die Behörde in Brüssel mit. Intel kündigte gegen das Bußgeld Berufung an.
"Wir glauben, dass die Entscheidung falsch ist", sagte Intel-Chef Paul Otellini laut einer Mitteilung des Konzerns. Es habe absolut keinen Schaden für den Verbraucher gegeben.
Die Wettbewerbshüter sahen es als erwiesen an, dass der US-Konzern seinen kleineren Konkurrenten AMD aus dem Markt drängen wollte. Intel habe dazu illegale, wettbewerbsschädigende Methoden benutzt, sagte Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. "Das ist das höchste Bußgeld, das wir jemals beschlossen haben." Millionen Verbraucher in Europa seien über fünf Jahre hinweg betroffen gewesen - die Höhe des Bußgeldes sollte deshalb keine Überraschung sein, betonte die Kommissarin.
Das Rekordbußgeld wird in die EU-Kasse wandern und die Beiträge der Mitgliedstaaten mindern. "Das ist Steuerzahlergeld", sagte Kroes. "Kein Euro wird in Brüssel bleiben." Da Deutschland mit einem Anteil von rund 20 Prozent größter Einzahler in die EU-Kasse ist, dürfte laut Experten der deutsche Beitrag zum EU-Budget wegen des Intel-Bußgelds um rund 200 Millionen Euro geringer ausfallen.
Die Kommission wurde auf die Klage von AMD hin bereits im Juli 2007 aktiv. Intel hatte der Elektronikkette Media Markt illegal direkte Zahlungen zukommen lassen, damit dort nur Notebooks mit Prozessoren von Intel verkauft werden. Gegen Media Markt wollen die Wettbewerbshüter jedoch nicht vorgehen. "Sie sind Opfer und nicht in die Tat verwickelt", sagte Kroes.
Intel habe zudem einen führenden PC-Hersteller dafür bezahlt, dass er die Markteinführung einer Produktlinie mit einem AMD-Prozessor verzögert. Der gleiche Hersteller habe zudem Rabatte dafür erhalten, dass er seine Notebooks komplett mit Prozessoren von Intel ausstattet.
Intel beherrscht mit seinen Computer-Chips rund 80 Prozent des Marktes, AMD ist mit etwa 20 Prozent Marktanteil deutlich kleiner. 2008 erzielte Intel einen Überschuss von 5,3 Milliarden Dollar, der Umsatz lag bei 37,6 Milliarden Dollar.
AMD begrüßte das Bußgeld. "Die EU- Entscheidung wird die Kräfte von einem missbräuchlich handelnden Monopolisten zu Computer-Herstellern, Händlern und vor allem PC-Nutzern verschieben", sagte AMD-Europachef Giuliano Meroni laut einer Mitteilung des Konzerns.