27.08.2010 18:22 Uhr




Konjunktur
US-Wirtschaft wächst schwächer als erwartet
Bernanke stellt "ungewöhnliche Mittel" in Aussicht

US-Wirtschaft
Foto: dpa
Die US-Wirtschaft schwächelt. Die größte Volkswirtschaft der Welt konnte im zweiten Quartel deutlich weniger zulegen als zunächst erwartet.

(dpa) - Neue Hiobsbotschaft für den Aufschwung in den USA: Die größte Volkswirtschaft der Welt wuchs im zweiten Quartal deutlich schwächer als zunächst erwartet.

US-Notenbankchef Ben Bernanke machte derweil am Freitag klar, dass die Federal Reserve durchaus noch "ungewöhnliche Mittel" zur Ankurbelung der Konjunktur im Köcher hat, sollten sich der Ausblick weiter verschlechtern. Die Zentralbank werde "alles unternehmen, was sie kann, um die Fortsetzung der Wirtschaftserholung zu sichern".

Aufs Jahr hochgerechnet legte das US- Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen April und Juni lediglich um magere 1,6 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Freitag mitteilte. In einer ersten Schätzung vor einem Monat war noch von 2,4 Prozent die Rede gewesen. In den ersten drei Monaten des Jahres hatte das BIP hingegen noch um 3,7 Prozent zugelegt.

Den Angaben zufolge ist die heftige Abwärtskorrektur vor allem dem starken Anstieg der Importe geschuldet, die von der Wirtschaftsleistung abgezogen werden. Allerdings fiel die Revision nicht so kräftig aus, wie von Ökonomen befürchtet: Sie hatten sogar mit einem Wachstum von nur noch 1,4 Prozent gerechnet.

"Sollten weitere Maßnahmen nötig werden, stehen geldpolitische Optionen für eine zusätzliche Ankurbelung zur Verfügung", betonte unterdessen Zentralbankchef Bernanke auf dem jährlichen Finanz- und Wirtschaftsforum der Federal Reserve in Jackson Hole (US-Bundesstaat Wyoming) laut Redemanuskript.

Mit Blick auf zusätzliche Maßnahmen der Fed zur Ankurbelung der Konjunktur sagte Bernanke, die entscheidende Frage sei nicht, ob die Zentralbank die nötigen Werkzeuge habe. Der Knackpunkt sei vielmehr, "ob der Nutzen eines Instruments (...) die damit verbunden Kosten und Risiken übertrifft", betonte er. Als denkbare Maßnahmen nannte Bernanke neue Käufe langlaufender Staatsanleihen, um die damit verbundenen Zinsen zu drücken. Daneben könnte die Fed die Wortwahl ihrer Pressemitteilungen ändern, um die Märkte zu beeinflussen. Eine dritte Möglichkeit sei, die Zinszahlungen der Fed auf Bankreserven zu verringern, um die Kreditvergabe der Geldhäuser anzukurbeln.

Trotz der jüngsten Verlangsamung des Aufschwungs zeigt sich Bernanke verhalten optimistisch über die weiteren Aussichten: "Man kann vernünftigerweise erwarten, dass das Wachstum sich 2011 und in den folgenden Jahren etwas beschleunigt", erklärte er. Die Haushalte kämen schneller als erwartet damit voran, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen, wodurch sie ihren Konsum flexibler gestalten könnten. Gewinne der Aufschwung an Fahrt, steige dann auch die Bereitschaft der Unternehmen zu Neueinstellungen, so der Fed-Chef.

Die Inflation dürfe unterdessen "für einige Zeit" im Zaum bleiben, sagte Bernanke. Das Risiko einer größeren Bewegung in Richtung Deflation oder stärkeren Inflation schätze er als gering ein.

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