Interview mit Michel Wurth
28.11.2008 14:45 Uhr, aktualisiert 29.11.2008 07:41 Uhr

"Notwendige Entscheidung"



Foto: Tessy Hansen
Michel Wurth: "Entscheidungen mussten getroffen werden"

(jw) - Im Interview mit Radio DNR zieht ArcelorMittal-Manager Michel Würth eine Parallele zur ersten Stahlkrise im Jahr 1975. “Damals hatten die Verantwortlichen zu lange gewartet und die notwendigen Entscheidungen zu spät getroffen”, sagte er im Anschluss an das Treffen mit der Luxemburger “Sidérurgie asbl” am Freitagvormittag. Die heutige Luxemburger Stahlindustrie sei allerdings eine “moderne und neugebaute Stahlindustrie”, die nicht mehr wie damals vor einer Restrukturierung stehe.

Als Grund für die angekündigte Entlassung von insgesamt rund 9000 Verwaltungsmitarbeitern nennt Michel Wurth die Tatsache, dass der Konzern momentan 20 bis 25 Prozent weniger produziert. Bei steigenden Fixkosten müsse die Produktivität im administrativen Bereich durch diese Maßnahme gesteigert werden.

Mehrere Modelle möglich

“Von den 400 betroffenen Arbeitsplätzen in Luxemburg haben etwa die Hälfte direkt etwas mit dem Hauptsitz zu tun”, sagte Wurth. Die restlichen 200 verteillen sich auf das “Back Office”, also auf Buchhaltung und Büro. Die Arbeitsplätze sollen sowohl in den internationalen Filialen als auch in Luxemburg “sozialverträglich” abgebaut werden. Für Luxemburger Mitarbeiter stehen laut Michel Wurth mehrere Modelle offen. Die Möglichkeit besteht, dass die Mitarbeiter in Frührente gehen, von staatlichen Weiterbeschäftigungsmaßnahmen profitieren, halbtags arbeiten, ein “Übergangsjahr” einlegen oder eine Betriebsprämie für eine freiwillige Kündigung kassieren.

Auf die Frage, ob es bei den 400 Abgängen in Luxemburg bleibe, sagte Michel Wurth dass dies von der allgemeinen wirtschaftlichen Situation abhängt. “Wir können nur hoffen, dass wieder gebaut wird, dass wieder Autos gekauft werden und dass die Betriebe wieder positive Ergebnisse erreichen”, meinte der Luxemburger Manager bei ArcelorMittal. Momentan seien die Lager überfüllt und Betriebe wie ArcelorMittal könnten nicht mit der gleichen Intensität weiter produzieren wie noch vor einigen Monaten. “Wir sind auch gefordert, die richtigen Produkte auf den Markt zu bringen”, sagte Michel Würth abschließend.

Ihre Meinung zum Thema

( 1 )
  • Jean Altmann meint:
    28.11.2008, 23:55 Uhr
    Ein probates Mittel zur Reduzierung der Fixkosten im verwaltungstechnischen Bereich wäre z.B. eine zeitlich begrenzte Kürzung der Gehälter der leitenden Angestellten.