Leserreichweiten
26.11.2008 16:09 Uhr, aktualisiert 26.11.2008 16:30 Uhr

Mediennutzung: (Fast) alles beim Alten

Die Luxemburger halten ihrer Zeitung, ihrer Zeitschrift, ihrem TV-Sender oder ihrem Radio-Programm die Treue und blicken gerne auch mal in ein Gratisblatt.

Fern Morbach

Wer liest welche Zeitung? Welche Zeitschrift hat die meisten Leser? Welches Fernsehprogramm wird von den meisten Zuschauern gesehen? Welches Radioprogramm von den meisten Zuhörern gehört? Antworten auf diese Fragen liefert eine so genannte Reichweitenuntersuchung, die die drei Luxemburger Medienunternehmen Saint-Paul, IP/CLT-UFA und Editpress beim Meinungsforschungsinstitut TNS ILRES in Auftrag gaben.

Starke Gewinne ohne ausgleichende Verluste

Zwischen Oktober 2007 und Mai 2008 befragten die Meinungsforscher per Telefon 3025 in Luxemburg lebende Menschen im Alter ab zwölf Jahren. Im Mittelpunkt stand deren Mediennutzungsverhalten.

Die ganz großen Überraschungen sind ausgeblieben, sieht man einmal davon ab, dass sich die beiden neuen Gratiszeitungen Point 24 und L’Essentiel auf Anhieb auf dem Luxemburger Zeitungsmarkt etablieren konnten. Zusammen kämen sie auf mehr als 140.000 Leser – ohne dass dies zu gleichen Verlusten für die klassischen Tageszeitungen führte. Damit scheint sich auch in Luxemburg zu bestätigen, dass Gratiszeitungen zumindest bei den Leserreichweiten nicht zwingend zu Lasten der Etablierten gehen (bei der Neuverteilung der Werbekuchen stimmt diese Erkenntnis im Ausland allerdings nicht).

Luxemburger Wort und Télécran behaupten Spitzenpositionen

Bei den Tageszeitungen und bei den Wochenzeitungen gibt es keine wesentlichen Verschiebungen. Mit 175.800 Lesern bleibt das „Luxemburger Wort“ weiterhin die führende und meist gelesene Zeitung Luxemburgs; auf Platz zwei folgt das Tageblatt mit 55.800 Lesern. Auffallend: Sowohl L’Essentiel als auch Point 24 schoben sich auf die vorderen Ränge und überholten die anderen französischsprachigen Tageszeitungen, L’Essentiel ließ auch das Tageblatt hinter sich. Allerdings wurde die Nutzung der Gratisblätter nicht während des ganzen Untersuchungszeitraums abgefragt.

Keine Veränderung auch bei den Wochenmagazinen. Mit 125.900 Lesern behält Télécran weiterhin einen deutlichen Vorsprung auf die Revue, die auf 87.900 Leser kommt. Den deutlichsten Verlust bei den Wochen-„Zeitungen“ verbucht der Feierkrop; seine Reichweite sinkt von 12,9 auf 10,5 Prozent. Bei den Monatsmagazinen fällt auf, dass der von vielen hoch gelobte PaperJam in Sachen Reichweite weiterhin unter „ferner liefen“ rangiert; er erreicht knapp 6 Prozent der Leser und wird, wie gehabt, von Blättern wie der Musel Zeidung (9,1 Prozent) überflügelt.

RTL Radio: die einzige Überraschung

Die eigentliche Überraschung hält die Medienanalyse im Bereich Radio bereit. Der – allerdings weiter unangefochten führende – Platzhirsch RTL Radio Lëtzebuerg muss laut TNS ILRES einen Verlust hinnehmen. Bei den Über-Zwölfjährigen soll die Zuhörerquote von 46,2 auf 41,7 Prozent gesunken sein; bei den Über-Fünfzehnjährigen sogar von 47 auf 42,5 Prozent. Auf Platz 2 folgt Eldoradio, auf Platz 3 DNR (mit einem leichten Zuwachs bei den Über-Fünfzehnjährigen).

Weder positive noch negative Überraschungen hält die Plurimedia-Analyse für das RTL-Fernsehen bereit: Rund 35 Prozent der Befragten gaben an, RTL Télé Lëtzebuerg zu sehen.

Im Allgemeinen scheinen sich die Fernsehgewohnheiten der Luxemburger kaum zu ändern. Die Meinungsforscher wollten herausfinden, welche Programme am meisten gesehen werden. Auf Platz eins liegt mit 16,4 Prozent nach wie vor TF1. Dennoch bleibt Fernsehen im Großherzogtum in erster Linie eine deutschsprachige Angelegenheit: Auf den Plätzen 2 bis 10 folgen nämlich gleich sechs deutsche Programme.